Ziegler: Sechs Spiele, sechs Siege

DORTMUND Als Dortmunds Fußballprofis am Dienstag das Erreichen des DFB-Pokal-Viertelfinals vor der bebenden Südtribüne feierten, setzte Alexander Frei (28) die Miene eines Mannes auf, dem Einbrecher die Wohnung leer geräumt haben.

von Von Sascha Fligge

, 30.01.2008, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ziegler: Sechs Spiele, sechs Siege

Marc Ziegler parierte Diegos Strafstoß - der Bremer trifft vom Punkt sonst immer.

 „Ich biete mich weiter an“, raunzte der gerade von einer Verletzungs-Odyssee heimgekehrte und gegen Bremen nicht eingesetzte Stürmer verstimmt: „Vielleicht spiele ich ja im April wieder...“ So gerne wäre er dabei gewesen. Auf dem Rasen. Wenigstens für ein paar Sekunden.

Während sich Freis Mundwinkel also den Sprunggelenken annäherten, hellten sich die Mienen der übrigen Borussen spürbar auf. Schon mit der Qualifikation für das Achtelfinale hatten sie die Pokal-Nettoeinnahme des Klubs auf zwei Mio. Euro geschraubt. Durch das Viertelfinale winkt nun frisches Geld. KGaA-Boss Hans Joachim Watzke, der in der kommenden Woche einen weiteren Top-Sponsor präsentieren möchte, betonte sogleich, „dass wir die Mannschaft am sportlichen Erfolg finanziell beteiligen werden“.

"Wir hatten Glück"

Dass der BVB-Motor vier Tage vor dem Rückrunden-Start in Duisburg noch stotterte wie ein schlecht geölter Zweitakter, konnte der Freudentaumel nicht verdecken. Es fehlte an Ordnung im Mittelfeld, an Aggressivität und an Präzision im Passspiel. „Wir haben wirklich keine gute Partie gemacht“, klagte Mittelfeldspieler Sebastian Kehl. „Wir hatten Glück“, meinte Trainer Thomas Doll.

Und sie hatten Ziegler, Vorname Marc, Torhüter. Der 31-Jährige parierte Diegos zweiten Strafstoß Minuten vor dem Schlusspfiff. Seinen letzten Elfmeter, so Ziegler grinsend, habe er „vor einigen Jährchen“ gehalten. Es war am 5. März 1998 beim Spiel zwischen Slavia Prag und dem VfB Stuttgart (1:1).

"Marc hat die Ruhe eines dreifachen Vaters"

Am Mittwoch berichtete Marc Ziegler (Foto), der all seine sechs Pflichtspiele für den BVB gewann, von einer kurzen Nacht. „Normalerweise fahre ich nach einer Partie schnell runter. Aber diesmal war ich vollgepumpt mit Adrenalin“, sagte er. Dolls Lob mag den hormonellen Ausstoß noch verstärkt haben. „Marc hat die Ruhe eines dreifachen Vaters ausgestrahlt, den nichts umwirft“, urteilte der Trainer.

Der Zieglersche Nachwuchs (1, 4 und 6 Jahre) erfuhr übrigens erst beim Frühstück von der Großtat des Papas. Der Haussegen hing offenbar prompt schief. „Die Kids waren traurig, dass sie nicht im Stadion sein durften“, sagte der Keeper, „aber das war einfach ein bisschen zu spät.“

  • Mehmet Akgün (21) wechselt mit sofortiger Wirkung vom BVB zum holländischen Erstligisten Willem II. Die Ablösesumme beträgt 150 000 Euro.
  • Antonio Rukavina (24) feierte auf der rechten Verteidigungsseite ein gelungenes Debüt. "Das war ein perfekter Einstand für mich", betonte er und gestand: "Als ich ins Stadion einlief, hat mein Herz wegen der riesigen Kulisse wie wahnsinnig geklopft."
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