BVB-Sportdirektor Michael Zorc lobt nach dem Sieg gegen RB Leipzig die Moral der Mannschaft. © Groothuis / Witters / Pool
Borussia Dortmund

Zorc lobt Moral der Mannschaft – Kehl hofft auf BVB-Torjäger Haaland

Der BVB springt in der Bundesliga auf Platz vier und geht mit breiter Brust ins Pokalfinale. Sportdirektor Zorc lobt die Moral der Mannschaft, Lizenzspielleiter Kehl hofft auf Haaland.

Den Rücken fast im 90-Grad-Winkel durchgebogen, streckte Edin Terzic seine zu Fäusten geballten Hände weit nach vorn und schrie sein Glück in den Dortmunder Himmel. Um seine Standfestigkeit musste man sich auch Sekunden später sorgen, als Co-Trainer Sebastian Geppert in seine Arme fiel und beide von Torwart-Trainer Matthias Kleinsteiber erdrückt wurden, der mit einem kraftvollen Absprung von oben zur Gratulationskur auf das Duo fiel.

Die Gefühlslage im Lager von Borussia Dortmund hätte kein anderes Bild besser beschreiben können. Jadon Sanchos später 3:2-Siegtreffer in einem packenden Duell mit RB Leipzig bugsiert Borussia Dortmund auf Tabellenplatz vier – weil Rivale Frankfurt am Sonntag gegen Mainz patzte (1:1). Die Qualifikation für die Champions League haben die Borussen ab sofort also in der eigenen Hand.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Hut ab, wie die Mannschaft sich aufgebäumt hat“

Vor Sanchos Tor, das der Engländer in Kombination mit Raphael Guerreiro selbst eingeleitet hatte, sah es nicht unbedingt danach aus, als ob die Heimmannschaft aus diesem Spiel als Sieger hervorgehen würde. „Hut ab, wie die Mannschaft sich nach den beiden Gegentoren aufgebäumt hat, um den Sieg noch zu erzwingen“, lobte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichren. „Jeder wollte dieses Spiel gewinnen, das hat man gesehen, das war gut.“

Wohl und Wehe einer ganzen Saison könnten an dieser Szene hängen. Nach der überzeugend herausgespielten 2:0-Führung durch die Treffer von Marco Reus (7. Minute) und Sancho kurz nach Wiederanpfiff (51.) und einer über 60 Minuten sehr strukturierten und griffigen Vorstellung des BVB kamen die Sachsen mit Macht zurück.

Der Sieg gibt dem BVB Rückenwind für das Wiedersehen mit Leipzig im Pokalfinale

Mit der Auswechslung des angeschlagenen Mahmoud Dahoud fehlte Dortmund der Zielspieler im Mittelfeld, der für Ballkontrolle und umsichtige -verteilung gestanden hatte. Dem Druck gab der BVB nicht nur bei den Gegentoren von Lukas Klostermann (63.) und Dani Olmo (77.) nach – Leipzig erspielte sich ein klares Übergwicht, auch an Chancen. „Am Ende“, meinte Gäste-Trainer Julian Nagelsmann, „war es ein Lucky Punch. Ich hatte das Gefühl, dass wir dem 3:2 näher waren.“ Eine Einschätzung, der auch BVB-Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl nicht widersprechen mochte: „Es sah nicht unbedingt danach aus, dass wir dieses Spiel noch gewinnen. Aber es war ein Sieg des Willens, der uns enorm weiterhilft.“

Willkommener Nebeneffekt: Die drei Zähler geben der Borussia viel Rückenwind für das Wiedersehen mit den Leipzigern in drei Tagen in Berlin, auch wenn Kehl bekräftigte: „Das wird ein ganz anderes Spiel, das Resultat von Samstag wird keine Rolle spielen. Es wird der gewinnen, der in diesem Spiel den größeren Willen hat.“

BVB-Torhüter Hitz fällt für den Rest der Saison aus

Schon zur Pause musste Borussia Dortmund befürchten, dass das Endspiel in der Hauptstadt ohne Torhüter Marwin Hitz stattfinden muss. Hitz war beim Herauslaufen nach einem Freistoß des Leipzigers Emil Forsberg mit Manuel Akanji zusammengestoßen und nach dem Zusammenprall mit dem Knie weggerutscht. Mehrere Minuten dauerte die Behandlung auf dem Rasen.

Am Sonntagnachmittag dann die bittere Gewissheit nach einer MRT-Untersuchung im Knappschaftskrankenhaus: Hitz hat sich einen Kapselriss im rechten Knie zugezogen und fällt für die verbleibenden drei Pflichtspiele dieser Saison aus. Der Schweizer hatte die wenigen Minuten bis zum Halbzeitpfiff noch durchgehalten, war aber dann nicht mehr aus der Kabine gekommen.

Kehl gibt sich optimistisch für ein Comeback von Erling Haaland

Nach 107 langen und harten Tagen auf der Ersatzbank stand ab Minute 46 Roman Bürki wieder zwischen den Pfosten, wehrte ab, was abzuwehren war, musste aber auch zwei Bälle aus dem Tor holen. Für den Landsmann von Hitz nimmt eine äußert unglücklich verlaufene Saison nun hoffentlich noch ein versöhnliches Ende – was aber maßgeblich davon abhängt, ob der BVB seine Ziele noch erreichen wird. Zumindest 60 Minuten lang bestätigte das Leipzig-Spiel den positiven Trend der vergangenen Wochen. „Ich hoffe, diese Entwicklung ist nicht zu spät gekommen“, sagt Zorc. „Aber erst einmal sind wir dank des Sieges weiter im Geschäft.“

Besser als bei Hitz sieht es für ein Comeback von Erling Haaland aus. „Wir sind optimistisch“, so Kehl, „dass er ins Training einsteigen kann und am Donnerstag eine Option ist.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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