Die Lebensversicherung des BVB: Torjäger Erling Haaland (l.). © imago / Ulrich Hufnagel
Meinung

Zu viele Ausfälle: Ein Haaland allein reicht nicht für das BVB-Minimalziel

Wieder ein Rückschlag gegen Köln: Die offensichtlichsten Warnsignale reichen offensichtlich nicht aus für diesen BVB - und ein Erling Haaland allein reicht nicht für die Champions League.

Wer wissen wollte, wie es nach dem 2:2 des BVB beim 1. FC Köln um die Laune bei Borussia Dortmund bestellt war, der musste nach dem Schlusspfiff nur einen kurzen Blick auf Erling Haaland werfen. Der Norweger, der im Vergleich zu einigen seiner Mannschaftskollegen tatsächlich immer den Eindruck vermittelt, jedes Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, zog sich frustriert sein Trikot über den Kopf, drückte es noch schnell seinem Gegenspieler Jorge Mere in die Hand und stiefelte dann wortlos, wutentbrannt und schnurstracks in die Kabine des Müngersdorfer Stadions. Seine zwei Tore, die dem BVB am Ende immerhin noch einen mageren Punkt in der Domstadt retteten, dienten nicht wirklich als Aufmunterung für den 20-Jährigen, der mittlerweile zu einer Art Lebensversicherung für die Schwarzgelben geworden ist.

Doch was hilft ein Torgarant namens Haaland, wenn drumherum zu wenige Spieler liefern können oder möchten? In Köln blieben beileibe nicht zum ersten Mal entschieden zu viele BVB-Profis unter ihren Möglichkeiten. Thomas Meunier patzte erneut schwer. Julian Brandt durfte schon in der Halbzeit duschen gehen. Nico Schulz flankte häufiger hinter das gegnerische Tor als zum eigenen Mann. Thorgan Hazard konnte das Fehlen eines Jadon Sancho oder Marco Reus nicht ersetzen. Der junge Giovanni Reyna steckt im Formtief fest, was zwar völlig legitim ist für einen 18 Jahre alten Fußballer, aber dennoch ein Problem bleibt. Von Youssoufa Moukoko dürfen keine Wunderdinge erwartet werden. Von Jude Bellingham auch noch nicht. Und Mahmoud Dahoud ist den Beweis nach wie vor schuldig, dass er dem BVB dauerhaft und konstant weiterhelfen kann.

Der BVB war gewarnt – und geht in Köln dennoch baden

Und so stand am Ende für den BVB ein 2:2 gegen den Abstiegskandidaten 1. FC Köln auf der Anzeigetafel, das freilich nicht hätte sein müssen, unter dem Strich aber ganz sicher nicht unverdient war für den Tabellen-14. Im Gegenteil: Nach einem ordentlichen Beginn der Mannschaft von Edin Terzic hatte es nach der Halbzeit bis kurz vor dem Schlusspfiff so ausgesehen, als ob der BVB wie schon in der Hinrunde mit 1:2 gänzlich baden gehen würde.

Dabei war der BVB gewarnt vor diesem Spiel. Die Parallelen zur Niederlage aus der Hinrunde waren derart offenkundig, dass eigentlich niemand an ihnen vorbeischauen konnte. Hier Borussia Dortmund im Aufwärtstrend und klarer Favorit, dort der FC mit dem Rücken zur Wand und verunsicherter Außenseiter. Dieses Mal reichte dem BVB nicht einmal eine frühe Führung, um die Partie in die richtige Richtung zu lenken.

Der BVB agiert irgendwo zwischen fahrlässig bis arrogant

Das lag, bei allem Respekt vor tapfer kämpfenden Kölner, weniger am Gegner als mal wieder am BVB selbst. Borussia Dortmund ließ eine Mannschaft zurück in ein Fußballspiel kommen, die nach zehn Minuten eigentlich schon wusste, dass es wohl mal wieder ein düsterer Samstagnachmittag werden würde. Doch dann fing Terzics Mannschaft an mit dem „Geschnicke“, wie Mats Hummels es mal nannte, und baute den FC wieder auf, obwohl die Rotweißen schon am Boden lagen. Der BVB agierte irgendwo zwischen fahrlässig bis arrogant – und kassierte die verdiente Quittung für einen enttäuschenden Auftritt.

Das gute Gefühl, mit dem man sich ursprünglich in die anstehende Länderspielpause hatte verabschieden wollen, war am Samstagabend im Dortmunder Mannschaftsbus noch weniger zu erahnen als die angestrebte Qualifikation für die Champions League. Mit der Stimmung bleibt es beim BVB in dieser Saison ein Auf und Ab wie auf der Hebebühne. Der nächste Rückschlag kommt bestimmt, es fragt sich eigentlich immer nur wann.

Die Lage in der Tabelle verschärft sich für den BVB

Durch das Remis in Köln verschärft sich die Lage in der Tabelle für Borussia Dortmund deutlich. Der VfL Wolfsburg auf Platz drei ist bereits acht Zähler enteilt, Bayern München und RB Leipzig spielen die ersten beiden Plätze ohnehin unter sich aus. Und Eintracht Frankfurt, Tabellenvierter und in zwei Wochen nächster Gegner der Schwarzgelben, hat bereits vier Punkte Vorsprung.

Der BVB hält die Qualifikation für die Königsklasse seit dem späten Samstagnachmittag nicht mehr in den eigenen Händen. In zwei Wochen könnte sie ihm vollends entgleiten. Für Frankfurt gibt es am 3. April in Dortmund jede Menge zu gewinnen, für Borussia Dortmund in erster Linie ganz viel zu verlieren. Eine schöne und ruhige Länderspielpause sieht ganz sicher anders aus.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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