Arbeiten ab dem Sommer gemeinsam für den BVB: Marco Rose (r.) und Edin Terzic. © dpa
Borussia Dortmund

Zukunft und Gegenwart des BVB: Rose leidet, Terzic startet durch

Während der zukünftige BVB-Trainer Marco Rose in Mönchengladbach immer tiefer in die Krise rutscht, nimmt Edin Terzic in Dortmund immer mehr Fahrt auf. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Wer wissen wollte, wie emotional aufgeladen und aufgeregt das Arbeitsumfeld ist, in dem Marco Rose derzeit seinem Beruf nachgeht, der konnte entweder einen Blick auf die Straßen rund um den Mönchengladbacher Borussia-Park oder ins Internet werfen.

Gladbachs Co-Trainer Maric wird teilweise wüst beschimpft

Rund ums Stadion war am Dienstagabend ein deutlich größeres Polizei- und Ordnungsdienst-Aufgebot als bei Geisterspielen üblich anzutreffen, weil sich sowohl die Behörden als auch der Verein für einen möglichen Fan-Protest rüsten wollten. Ein paar vereinzelte und wütende Gladbacher Anhänger fanden dann, nach der vierten Niederlage ihres Vereins im vierten Spiel seit der Bekanntgabe des Rose-Wechsels zum BVB, tatsächlich den Weg zur verwaisten Arena. Unter dem Strich blieb es vor Ort aber eher ruhig.

Fürs Internet, wo man sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr (Selbst)-Kontrolle gewünscht hätte, galt das nicht. Rene Maric, einer von Roses Co-Trainern bei den Fohlen und ab Sommer ebenfalls Angestellter von Borussia Dortmund, wurde in den sozialen Netzwerken teilweise wüst beschimpft, weil er sich unmittelbar nach der 0:1-Niederlage gegen den BVB auf dem Rasen mit Stürmer Erling Haaland unterhalten hatte. Beide kennen sich aus gemeinsamen Tagen bei RB Salzburg.

Eine zerfahrene Lage bei BVB-Gegner Mönchengladbach

Maric selbst ordnete sein Verhalten später auf Twitter als „naiv, emotional und unbedacht“ ein. Er habe sich über 90 Minuten „die Lunge und Kehle herausgebrüllt“ und nach dem Schlusspfiff enttäuscht in der Coachingzone gestanden, schrieb der 28-Jährige. „Und ein ehemaliger Spieler ist als Einziger und nach Minuten zum Trösten gekommen.“ Es sei, erklärte Maric weiter, in dem kurzen Gespräch mit Haaland, um das Spiel, alte Salzburger Geschichten und zwei vergebene Torchancen des Dortmunder Stürmers gegangen. „Ich war und bin so angefressen und traurig, dass ich nicht an irgendwelche Kameras denken konnte. Dumm.“

Dass Maric sich für die TV-Bilder entschuldigte oder sich zu einer Entschuldigung gezwungen sah, ehrte ihn zwar irgendwie, zeigte aber vermutlich in erster Linie schonungslos auf, wie zerfahren die Lage bei Borussia Mönchengladbach aktuell im Speziellen, vor allem aber, wie besorgniserregend die Lage nicht nur für Fußballspieler und -trainer in sozialen Netzwerken im Allgemeinen ist. Der Dienstagabend jedenfalls war mal wieder nicht nur ein schlechter Abend für Borussia Mönchengladbach, sondern auch für das Internet.

Mönchengladbach rutscht ab, der BVB ist auf dem Weg nach oben

Während Maric also versuchte, die Wogen im eigenen Fanlager zu glätten, probierte Marco Rose zu erklären, warum Borussia Mönchengladbach aktuell auf dem Weg ist, eine ursprünglich durchaus vielversprechend verlaufene Saison in nur wenigen Wochen gänzlich zu verspielen. In den vergangenen sechs Spielen ging Roses Mannschaft fünfmal als Verlierer vom Platz und spielte einmal remis. Seit der Wechsel des 44-Jährigen nach Dortmund zur neuen Saison feststeht, wurden alle vier Pflichtspiele verloren. In der Bundesliga rangiert die Borussia vom Niederrhein nur auf Platz neun, in der Champions League droht das Achtelfinal-Aus gegen Manchester City und auch der Traum vom DFB-Pokal-Titel ist geplatzt. Das gehe alles „natürlich nicht spurlos“ an ihm vorüber, gab Rose, dem Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bereits vor dem Spiel einmal mehr das Vertrauen bis zum Saisonende ausgesprochen hatte, zu Protokoll.

Edin Terzic, der aktuelle Dortmunder Cheftrainer, ab Sommer wie Maric und Alexander Zickler einer von Roses Co-Trainern beim BVB, saß nur wenige Meter neben seinem künftigen Chef, als Rose auf der Pressekonferenz nach dem Spiel die richtigen Worte suchte.

Die BVB-Verantwortlichen bleiben gelassen

Ein bisschen seltsam mutete dieses Bild schon an. Nicht, weil es zwei derzeitige Kontrahenten und zukünftige Kollegen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz zeigte, sondern weil in diesem Moment so viel Gegensätzlichkeit schlummerte. Da Terzic, der fröhliche Sieger, der viermal gewonnen hat, seitdem er ganz sicher weiß, dass er in der kommenden Saison nicht mehr Cheftrainer beim BVB sein wird. Auf der anderen Seite Rose, der niedergeschlagene Unterlegene, der viermal verloren hat, seitdem alle wissen, dass er nächste Saison nicht mehr Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach, sondern eben bei der anderen Borussia aus Dortmund sein wird.

Beim BVB beobachten sie diese gegensätzliche Entwicklung gelassen. Die Sorge, im Sommer womöglich einen neuen Trainer vorzustellen, der plötzlich eher als gescheitert denn als gehypt gilt, hat in der Dortmunder Chefetage nach Informationen der Ruhr Nachrichten niemand.

BVB-Abwehrchef Mats Hummels lobt Edin Terzic

Und Terzic, der laut eigener Aussage noch keinen Kontakt zu Rose hatte und dem Mats Hummels am Dienstag eine erfolgreiche Cheftrainer-Karriere prognostizierte, unterstrich auch noch einmal: „Nicht ich habe gegen Marco Rose gewonnen, sondern Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach.“ Soll bloß niemand auf dumme Gedanken kommen. Dafür gibt es schließlich das Internet.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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