Zwischen Tradition und Wettbewerbsfähigkeit: Der Weg für den BVB in die USA ist alternativlos

hzKommentar

Jenseits des großen Teiches winkt das große Geld. Für den BVB geht es darum, den Spagat zwischen seinen traditionellen Werten und einer wettbewerbsfähigen Zukunft zu schaffen. Tobias Jöhren kommentiert.

Dortmund

, 21.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es reichen ein paar Schritte über den Campus der University of Notre Dame in South Bend, Indiana, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Geld dort verbaut sein worden muss. Es ist wie ein Spaziergang durch eine andere Welt, eine Welt voller Elite, voller Geschichten, voller Reichtum. Jedes Gebäude wirkt wie ein Denkmal, finanziert von privaten Spendengebern, die der Bildung des Landes, vielleicht aber auch nur der Universität, an der sie selbst einst studiert haben, etwas Gutes tun, etwas zurückgeben möchten.

Amerika, ein Schlaraffenland für europäische Fußballvereine

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Und wenn man so an all den eindrucksvollen Fassaden entlang schlendert, das Notre Dame Stadium, die Kathedrale oder den zweistöckigen Merchandise-Shop bestaunt, in dem man mit Strasssteinen besetzte, goldene Footballhelme für 10.000 Dollar kaufen kann, wenn man denn möchte, dann ist die Macht, die Faszination des Geldes nicht weit, wie auch immer man zu ihr stehen mag.

Zwischen Tradition und Wettbewerbsfähigkeit: Der Weg für den BVB in die USA ist alternativlos

Beeindruckende Kulisse. An der University of Notre Dame testete der BVB gegen den FC Liverpool. © BVB/Alexandre Simoes

Amerika, daran besteht an diesem Ort kaum ein Zweifel, ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und ein Schlaraffenland für jeden europäischen Fußballverein. Die USA sind ein Markt mit mehr Potenzial als jedes Jahrhunderttalent.

Das weiß auch Borussia Dortmund. Man ist nicht ohne Grund im zweiten Jahr nacheinander in der Saisonvorbereitung über den großen Teich geflogen, hat öffentlich und medienwirksam trainiert, hat das Amazon-Hauptquartier in Seattle besucht, die Schaltzentrale des Internetriesen und neuen Premiumpartners, der gerade für fast sechs Millionen Euro die Rechte an der Dokumentation „Inside Borussia Dortmund“ gekauft hat, die ab August einem weltweiten Millionenpublikum präsentiert wird.

BVB will seine Wurzeln nicht beschädigen

Von den Verantwortlichen des BVB erfordert die Erschließung neuer Märkte jedes Mal einen schwierigen Spagat. Auf der einen Seite geht es darum, die Tradition zu wahren, den Werten des Klubs, der sich klar für den Erhalt der 50+1-Regel ausspricht, treu zu bleiben, die Wurzeln im Ruhrgebiet, wo das Herz des Vereins schlägt, nicht zu beschädigen. Auf der anderen Seite geht es darum, sowohl im nationalen als auch im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden.

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Die BVB-Rückkehr aus Chicago.© Groeger
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Die BVB-Rückkehr aus Chicago.© Groeger
Die BVB-Rückkehr aus Chicago.© Groeger
Schlagworte Fußball

Wenn der BVB den US-Markt nicht erschließt, dann erschließen ihn eben andere. Der eingeschlagene Weg von Borussia Dortmund ist, vorausgesetzt man will nach maximalem sportlichen Erfolg streben, alternativlos.

Neue Kumpel und alte Freunde

Entscheidend wie so oft im Leben ist dabei das richtige Maß. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Geschäftsführer Carsten Cramer werden nicht müde zu betonen, dass Borussia Dortmund niemals vergessen werde, woher dieser Verein kommt und wo seine Heimat ist. Neue Kumpel kennenzulernen, dieses Bild verwendet Cramer gerne, bedeute nicht, seine alten Freunde zu vernachlässigen.

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In diesem Sommer geht der Plan auf. Die zurückliegenden sechs Tage in Amerika waren intensiv, aber nicht zu lang. Der sportliche Erfolg, das war und ist für Watzke ein K.o.-Kriterium, stand und steht über allem, die Balance aus Marketingverpflichtungen und sportlicher Saisonvorbereitung, sie passte. Als Lohn für die anstrengende Woche hinterlässt der BVB neue, tiefere Fußstapfen in den USA und erwirtschaftet rund fünf Millionen Euro Gewinn, also fast eine Million Euro pro Reisetag. Das ist sehr viel Geld – und trotzdem hat man es bei sechs Tagen belassen.

Ab jetzt zählt nur noch ein Ziel

Ab jetzt zählt nur noch die Saisonvorbereitung, das große Ziel Meisterschaft. Knapp vier Wochen bleiben bis zum ersten Bundesliga-Spieltag, es ist genügend Zeit für Lucien Favre und sein Trainerteam, um den BVB auf Topniveau zu bringen. Der BVB hat den Spagat zwischen Tradition und Wettbewerbsfähigkeit fürs erste gemeistert. Die Verantwortlichen haben den Ruf des Geldes aus den USA zwar erhört, aber sie sind ihm nicht blind gefolgt. Das ist eine gute Nachricht.

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