Kassiert und nicht geliefert - Kleinanzeigen-Verkäufer tischt kuriose Erklärungen auf

hzGericht

Ein Castrop-Rauxeler hat ein Rennrad per Kleinanzeige verkauft. Die Käuferin hat das Rad nie bekommen. „Das ist alles scheiße gelaufen“, verteidigte sich der mutmaßliche Betrüger vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 26.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn ein erfahrener Strafrichter bei der Anhörung eines Angeklagten ein ungutes Bauchgefühl bekommt, hat dies keine medizinischen Ursachen. Vielmehr sagt ihm die langjährige Prozesserfahrung, dass die Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind.

Genau dieses Unwohlsein beschlich den Richter, als ihm ein 27-jähriger Angeklagter aus Castrop-Rauxel jetzt seine Version des ihm vorgeworfenen Ebay-Betrugs vortrug. Ihm wurde zur Last gelegt, im April 2019 über die Plattform Ebay-Kleinanzeigen für 300 Euro ein gebrauchtes Rennrad verkauft, es aber nie versandt zu haben. Ihr Geld hat die enttäuschte Käuferin bis heute nicht wiedergesehen.

Konto in den Miesen

Geld weg, Rad weg. Und das aufgrund vieler merkwürdig anmutender Umstände. „Ich habe das Geld erhalten, kam aber nicht dran“, erklärte der arbeitslose Angeklagte. Grund: Sein Konto sei dermaßen in den Miesen gewesen, dass die Bank es zwecks Tilgung der Außenstände nicht herausgerückt hätte.

Abschicken konnte er das Rad dann leider auch nicht. „Mein Handy ist hingefallen, alles schwarz“, sagte er. Der 27-Jährige habe nicht mehr an die Daten kommen können, um die Adresse der Käuferin zu sehen, um überhaupt mit ihr Kontakt aufnehmen zu können.

Jetzt lesen

Versuche über ein anderes Medium, auf seinen Ebay-Account zu gelangen, seien leider fehlgeschlagen. „Man kann auch ein neues Passwort beantragen“, schlug der Richter vor. „Hat auch nicht geklappt“, so die Antwort des 27-Jährigen.

„Das ist alles scheiße gelaufen, tut mir leid“, sagte der Angeklagte. Er habe zwar gewusst, dass sein Konto im Minus war, aber nicht so extrem.

Bankdaten zeigen Kontoabbuchung

Dem Gericht lagen allerdings exakte Daten von der Sparkasse vor. Somit war der Richter über alle Kontobewegungen im fraglichen Zeitraum bestens im Bilde.

Dieses Bild verriet, dass die 300 Euro nicht nur gutgeschrieben worden waren, sondern am selben Tag wieder abgebucht wurden. Ausgezahlt an einem Kassenautomaten in Ickern.

„Das war dann meine damalige Freundin“, behauptete der Angeklagte. Sie hätte über seine Girokarte und den zugehörigen Pin verfügen können. Doch seit vergangenem Sommer sei man getrennt.

Fortsetzung folgt - mit neuer Zeugin

Nicht nur die Freundin, auch das besagte Rennrad ist weg. „Geklaut“, hieß es auf Nachfrage des Richters. Das hatte der Angeklagte aber nicht bei der Polizei gemeldet.

Weil der Richter noch viel mehr Fragen hat, um den Fall abschließend beurteilen zu können, soll nun auch die Ex-Freundin als Zeugin vor Gericht aussagen. Dann wird sich zeigen, ob das Bauchgefühl bestätigt wird oder nicht.

Lesen Sie jetzt