Sicherheitskurse für Pedelec-Fahrer: ADFC Castrop-Rauxel geht in die Offensive

hzE-Bike-Unfälle

Pedelecs boomen. 2018 wurden in Deutschland fast eine Million E-Bikes verkauft. Doch auch die Zahl der Unfälle steigt. In Castrop-Rauxel soll es bald Sicherheitstrainings geben.

Castrop-Rauxel

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Pedelecs oder E-Bikes sind mittlerweile aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Die Frau von Martin Kühl-Lukas, Vorsitzender der AFDC-Ortsgruppe Castrop-Rauxel, lädt regelmäßig ihren Akku und fährt mit dem Zweirad los. Nach einer Hüftoperation fiel ihr das Gehen schwer, Fahrradfahren mit Unterstützung sei jedoch kein Problem gewesen. „Pedelecs sind eine gute Gelegenheit für Menschen mit Ersatzteilen im Körper“, sagt Kühl-Lukas.

Fast alle Teilnehmer der ADFC-Touren in Castrop-Rauxel seien mittlerweile mit dem Pedelec unterwegs. Das Durchschnittsalter liege um die 60 Jahre. Die Touren selbst haben sich mit Einführung der Pedels nicht geändert. „Ich rate den Teilnehmern allerdings immer, ihr Aufladegerät mitzunehmen“, erklärt Kühl-Lukas.

Je nach Strecke reiche die Ladeleistung nicht unbedingt. Die meisten Bauernläden und Hofcafés hätten jedoch Steckdosen für Pedelecs. Dort machen die Teilnehmer oft Pause. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten könnten dort die Akkus wieder geladen werden. Kühl-Lukas: „Das ist eigentlich immer kostenfrei und gehört zum Service.“

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Leider steigen die Unfallzahlen im Verhältnis zum Absatz der Pedelecs deutlich überproportional. Auch für Castrop-Rauxel meldet die Polizei immer mal wieder Unfälle mit Beteiligung von E-Bikes oder Pedelecs. Im März ist ein Pedelec-Fahrer auf einer Ölspur auf der Langen Straße ausgerutscht, vergangene Woche kam es zu einer Kollision zwischen einem E-Bike-Fahrer und einem Auto auf einem Parkplatz an der Siemensstraße.

E-Bikes sind unbeweglicher

Auch Martin Kühl-Lukas hat beobachtet: „Viele unterschätzen den Bremsweg.“ Während sie vorher 15 bis 18 km/h gefahren seien, könnten sie mit dem Pedelec 25 km/h erreichen. Dann dauere es entsprechend länger, bis man zum Stehen kommt. Zudem seien E-Bikes durch ihr Gewicht etwas unbeweglicher und würden sich so in den Kurven anders fahren.

Er selbst hat eine Ausbildung zum Fahrradlehrer gemacht. Und möchte sein Wissen in Sicherheitstrainings wiedergeben. Noch mangele es jedoch an einem Übungsplatz. In Recklinghausen gebe es einen Fahrradhändler, der in seinen Räumen Kurse anbietet. Eventuell kann Lukas-Kühl mit seinen drei Fahrradlehrer-Kollegen dort auch für Castrop-Rauxeler Kurse anbieten.

Das Projekt steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch er hat schon Ideen, wie man das Fahren mit dem Pedelec gut trainieren kann. Dazu gehöre das Kurvenfahren per Slalom, die punktgenaue Vollbremsung auf einer Linie oder das Ausweichen von Gegenständen. Kühl-Lukas: „Man könnte dem Fahrer einen Pappkarton vor das Rad werfen. Er muss dann abbremsen oder ausweichen.“ Einem Pappkarton begegnet man im Verkehr nicht so oft, wohl aber Kindern oder Hunden, die auf die Fahrbahn laufen.

Wann das Projekt genau startet und was ein Kurs kosten soll, ist unklar. Kühl-Lukas hofft, dass sich genügend Teilnehmer finden: „Ältere Herrschaften fühlen sich oft an ihrer Ehre gekratzt, wenn ich so etwas vorschlage. Das will ich gar nicht. Mir geht es nur um die Sicherheit.“

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