Castrop-Rauxeler Ärzte entwickeln Schlachtplan gegen das Coronavirus

hzCoronavirus

Castrop-Rauxels Ärzte sehen sich auf das Coronavirus gut vorbereitet und geben Patienten Tipps, wie sie sich verhalten sollen. Einige Szenarien wirken allerdings abenteuerlich.

Castrop-Rauxel

, 05.03.2020, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Castrop-Rauxeler Fach- und Allgemeinärzte haben sich am Mittwoch im Rochus-Hospital zu einem Corona-Gipfel getroffen. Die Idee: einen Schlachtplan für den Fall, dass es in Castrop-Rauxel zu einem bestätigten Coronafall kommt.

Das Robert-Koch-Institut hat den Medizinern ein Schema zum Umgang mit verdächtigen Fällen zur Verfügung gestellt. „Die erste Frage ist: Besteht bei einem Patienten ein begründeter Verdacht, oder ist er nur besorgt“, sagt Allgemeinmediziner Holger Knapp aus Ickern.

Das Schema beschreibt zwei Szenarien, an denen sich sowohl Patienten als auch Ärzte orientieren können. Das erste Szenario geht davon aus, dass der erste Kontakt mit einem Patienten, bei dem der Verdacht einer Covid-19-Infektion besteht, telefonisch abläuft. Das zweite Szenario beschreibt den Fall, dass ein verdächtiger Patient bereits in der Praxis steht.

Dr. Holger Knapp aus Ickern rät verunsicherten Castrop-Rauxelern, nicht bei leichtesten Beschwerden in Arztpraxen zu kommen und sich gründlich die Hände zu waschen.

Dr. Holger Knapp aus Ickern rät verunsicherten Castrop-Rauxelern, nicht bei leichtesten Beschwerden in Arztpraxen zu kommen und sich gründlich die Hände zu waschen. © Roland Sümpelmann

Patienten sollen zu Hause bleiben

„Ruft ein Patient an und es scheint sich um einen begründeten Verdacht zu handeln, dann soll der Patient zu Hause bleiben und nicht in die Praxis kommen“, betont Knapp. Der Weg zum Arzt, etwa im Bus, setze andere Menschen bereits der Gefahr einer Infizierung aus.

Ein Angehöriger soll daher ein Teströhrchen für einen Abstrich beim Arzt abholen und ohne direkten Kontakt an die betroffene Person weitergeben. Der Patient führt dann einen Abstrich durch, der in der Praxis analysiert wird. „Ein begründeter Verdacht besteht aber nur dann, wenn Kontakt zu bestätigten Corona-Patienten oder der Aufenthalt in einem Risikogebiet nachgewiesen werden kann“, sagt Knapp.

Krankengespräch notfalls durch die geschlossene Tür

Kritischer ist der Fall, wenn ein Patient die Praxis aufgesucht hat. Hier betonen die beiden Internisten Dr. Christian Szymanski vom Rochus-Hospital und Dr. Jürgen Jahn vom evangelischen Krankenhaus, dass Patienten hierfür nicht in die Ambulanzen der Krankenhäuser kommen sollen. Diese seien für schwerere Fälle gedacht.

„Zunächst müssen wir den Schutz unserer Mitarbeiter gewährleisten, damit sie sich nicht schon beim ersten Gespräch anstecken“, erklärt Knapp. Ein Verdachtsfall wird in der Praxis sofort in einem gesonderten Zimmer isoliert, sollte keine adäquate Schutzkleidung vorliegen, müsse das Krankengespräch notfalls durch die geschlossene Tür geführt werden. „Das klingt etwas abenteuerlich“, gesteht Knapp.

„Ärzte nicht sehr gut ausgestattet“

Knapp ist daher wichtig, alle Mitarbeiter und Ärzte mit Schutzkleidung auszustatten. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat bereits angekündigt, eine Million Schutzmasken für das Land kaufen zu wollen. Die Lieferengpässe an Masken und Desinfektionsmittel sind auch in Castrop-Rauxel ein großes Thema.

„Die Kollegen sind nicht besonders gut ausgestattet“, sagt Knapp. „Zu Anfang des Ausbruchs haben wir entsprechende Schutzkleidung bestellt, aber bei einer Epidemie sind unsere 30 FFP2 Masken ruckzuck aufgebraucht. Vieles sind Einmalartikel.“

Sollte zudem jede Praxis, die Kontakt zu einem Coronapatienten hatte, in Quarantäne müssen, dann würde die medizinische Versorgung Castrop-Rauxels in kurzer Zeit schlecht. Mit dem Schlachtplan hoffen die Castrop-Rauxeler Ärzte daher, das Schlimmste zu vermeiden.

Knapp betont, dass es zuvorderst für alle besorgten Castrop-Rauxeler gilt, Ruhe zu bewahren. „Viele sind verunsichert und kommen bei leichtesten Beschwerden in die Praxis. Meine Empfehlung ist daher zunächst, zu Hause zu bleiben, den Kontakt zu Mitmenschen zu vermeiden, und sich vernünftig die Hände zu waschen. Dann ist auch kein Desinfektionsmittel nötig.“

Lesen Sie jetzt