Wie viele Bauinteressenten für das Wohnen an der Emscher gibt es tatsächlich?

hzAlte Eiche

Die alte Eiche im Baugebiet Wohnen an der Emscher steht im Politik-Fokus. Ein Antrag der Opposition scheiterte jetzt. Es gibt Vorwürfe und Fragen - und auf eine entscheidende eine Antwort.

Castrop-Rauxel

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es bleibt dabei: Das Baugebiet „Wohnen an der Emscher“ kommt. Der Versuch von Grünen, FWI und Linken, den Bebauungsplan so zu ändern, dass die 250 Jahre alte Eiche erhalten und auf Dauer gesichert bleibt, scheiterte Dienstagabend im Umweltausschuss. Das war nicht anders zu erwarten. SPD, CDU und FDP stimmten gegen den Antrag der kleinen Oppositionsfraktionen.

Dabei stand die Eiche in der letzten Sitzung des Fachgremiums vor der Sommerpause gleich zweimal im Fokus. Sogar noch häufiger, als über Klimaschutz und Co. diskutiert wurde. Vor Beginn der Sitzung intonierte ein 30-köpfiger-Chor des Aktionsbündnisses „Rettet die alte Eiche“ auf der Galerie den Song, der Pfingstmontag schon vor Ort an der Heerstraße ertönt war: „Die alte Eiche bricht den Stein“.

Bei der Eiche ein Zeichen setzen?

Die Fragestunde für Einwohnerinnen und Einwohner nutzten die beiden Sprecher der Aktion, Leonore Schröder und Holger Steiner, für einen Fragenkatalog und einen erneuten Appell, angesichts der brennenden Probleme des Klimaschutzes bei der Eiche ein Zeichen zu setzen und sie zu retten.

Leonore Schröder fragte u.a. nach einem merkwürdigen Unterschied bei Zahlen über Interessenten für das Baugebiet. CDU-Mann Oliver Lind habe in der Ratssitzung am 4. April davon gesprochen, es gäbe 49 Interessenten. Eine Recherche von Informanten bei Torsten Velhorst, Geschäftsführer von Dreigrund, habe ergeben, dass nur 26 unverbindliche Anfragen eingegangen seien, von denen keine zu einem festen Vertrag geführt habe. „Wie sind die unterschiedlichen Zahlenangaben von Lind und Velhorst zu erklären?“

Schröder: Dringender Bedarf von Einfamilienhäusern nicht feststellbar

Zweite Frage: „Gibt es nachweisbare Erklärungen von Herrn Velhorst, dass er die Fläche nicht vermarkten werde, wenn die alte Eiche stehen bleibt?“ Frage 3 von 6: „Warum halten Politik und Verwaltung an dem Bebauungsplan fest, wenn dringender Bedarf an Einfamilienhäusern mit gehobenem Wohnstandard gar nicht festzustellen ist?“

Wie viele Bauinteressenten für das Wohnen an der Emscher gibt es tatsächlich?

Die alte Eiche im Winter: Sie zählt zu den ältesten Bäumen in Castrop-Rauxel und soll rund 250 Jahre alt sein. © Tobias Weckenbrock

Der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt sagte, ad hoc könne er die Fragen, die sich an den Investoren, die Politik und die Verwaltung wendeten, nicht beantworten. Er werde sich aber für die Verwaltung darum bemühen. Im Übrigen habe es einen demokratischen Prozess bei der Entscheidung für den Bebauungsplan B 245 gegeben.

Holger Steiner: Der Klimaschutz beginnt vor der eigenen Haustür

Holger Steiner wandte sich explizit an SPD-Fraktionschef Daniel Molloisch und CDU-Umweltsprecher Josef Berkel und erklärte: „Es ist soviel passiert seit dem 4. April, ich hoffe, es ist klar geworden, dass Klimaschutz vor der eigenen Haustür beginnt.“ Das Aktionsbündnis mache auf jeden Fall weiter, ob unter der Eiche oder am Stumpf der alten Eiche.

Molloisch sagte: „Ich halte es für eine ausgesprochen große Verkürzung, zu behaupten, dass die angesprochenen Parteien den Klimaschutz in Castrop-Rauxel nicht ernst nähmen.“ Im Gegenteil: Schon 1992 habe sich die Stadt dem Klimabündnis angeschlossen und sei 1997 die erste Stadt im Ruhrgebiet gewesen, die ein Klimaschutzkonzept aufgestellt habe. „Wir halten unsere Verpflichtungen zum Klimaschutz ein“, betonte Molloisch.

Josef Berkel sagte: „Dem schließe ich mich an, das Ganze hier ist mir zu scheinheilig.“ Für die Antragsteller begründete Udo Weber (Grüne) den Vorstoß zu einem späteren Zeitpunkt der Tagesordnung.

Aktionsbündnis erwägt Bürgerbegehren

Weber verwies auf Einzelheiten aus dem Gutachten für Artenschutz und Biodiversität, die deutlich machten, dass die alte Eiche unverzichtbar etwa für Mäusebussard und Habicht sei.

Wie viele Bauinteressenten für das Wohnen an der Emscher gibt es tatsächlich?

Das Wohngebiet an der Heerstraße unter dem Titel "Wohnen an der Emscher" ohne die alte Stieleiche: So sehen die Pläne der Firma Dreigrund aus.

Thomas Krämerkämper (BUND) monierte, dass das alte Kraftwerksgelände in Habinghorst zugunsten einer Fläche für den Allgemeinbedarf als Gebiet für Gewerbe und Wohnen ausscheiden solle. „Das passt nicht zusammen, wenn man sonst von Wohnbedarfen redet“, sagte Krämerkämper. Auch er ließ einen Appell los, dass SPD und CDU in sich gehen mögen. Er forderte, den Bebauungsplan zu optimieren.

Bei dem Aktionsbündnis werden unterdessen Informationen zusammengetragen, ob es Sinn ergibt, ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Sprecher Holger Steiner teilt am Morgen nach der Umweltausschusssitzung mit, dass nächste Treffen der Protagonisten am Dienstag, 9. Juli, um 18 Uhr im Bürgerhaus über die Bühne geht.

Dreigrund-Chef sagt: Grundstück ist überbucht

Aber was hat es jetzt mit dem Rätsel um die Zahl der Bauinteressierten auf sich? Dreigrund-Geschäftsführer Torsten Velhorst hatte im März in einem Gespräch mit dieser Redaktion von 48 Interessenten für nach wie vor 70 Wohneinheiten gesprochen. Mittwochmorgen erklärte Velhorst auf erneute Anfrage: „Das Grundstück ist überbucht.“ Man hätte schon längst Kaufverträge abschließen können, wenn Rechtskraft bestünde.

Die soll am 5. Juli mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Stadt eintreten. So hatte es Planungs- und Bauordnungsamtsleiter Philipp Röhnert am Montag gegenüber unserer Redaktion bestätigt. Es gebe einen politischen Beschluss zu dem Thema, so Velhorst, und man selbst hänge nur hinten dran. „Wir haben die Fläche gekauft, entwickelt und dort Investitionen getätigt“, beschrieb Velhorst. Ein ganz normaler geschäftlicher Vorgang.

Lesen Sie jetzt