Ambrosius war die Wiege des Castroper Kneipenkults der 70er- und 80er-Jahre

hzLegendäre Kneipen

Jede Tradition hat einen Ursprung, eine Legende - auch die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Kneipenszene Castrop-Rauxels der 80er-Jahre. Viele Grundsteine wurden im Ambrosius gelegt.

Castrop

, 04.05.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kneipenszene der 70er- und 80er-Jahre in Castrop-Rauxel steht bis heute Modell für coole Parties, Jugendszene, Freundschaften, ausgelassene Trink- und Esskultur und manche Ehe, die an einem feuchtfröhlichen Abend mit einem „Hi, ich bin der/die...“ ihren Anfang nahm.

Gewissermaßen der Ur-Typ der Szene soll, so erzählen es die Legenden, das Ambrosius an der Wittener Straße gewesen sein. „Das kann schon hinkommen“, sagt Franz-Josef „Bubi“ Leuthold, selbst Castroper Gastro-Urgesteinen und Stammgast im Ambrosius. „Natürlich gab es vorher auch schon Kneipen in der Stadt. Aber das Ambrosius war eine der ersten Kneipen, die explizit junge Menschen anzog.“

Bier, Livemusik und gute Stimmung

Neben dem Lebenselixier einer jeden Kneipe, dem Bier, bot das Ambrosius Livemusik von Blues- und Jazzbands und gute Stimmung. „Bevor da nicht 15 Leute vor der Tür standen, habe ich eigentlich nicht aufgemacht“, sagt Ambrosius-Gründer und ebenfalls feste Größe in der Castroper Gastro-Szene Volker Castrup. Lange darauf warten musste er darauf meist nicht.

Für das berühmte leibliche Wohl standen im Ambrosius Hot Dogs und Frikadellen für den kleinen Hunger bereit. Wer es lieber etwas exotischer haben wollte, der ging sich „Bei Michele“ an der Wittener Straße eine Pizza holen.

„Das war die erste Pizzeria in Castrop und in den 70er-Jahren noch was besonderes“, sagt Pina Scolari, Inhaberin des Restaurants Martins in der Castroper Altstadt und jüngere Schwester von Michele Di Dino.

Per Zufall vom Gast zum Gastronom

Für Bubi Leuthold sollte das Ambrosius aber noch mehr werden als die eigene Stammkneipe. Denn seine gastronomische Karriere begann genau hier. Eigentlich nur Gast saß Leuthold auch vor der Theke, als eines Abends die Bedienung nicht zum Dienst erschien.

Castrup bat den jungen Bubi kurzerhand hinter die Theke. Der Startschuss für den Weg vom Kellner über den Kneipier bis zum Restaurantbesitzer und Macher von Castrop kocht über (CKÜ) war quasi per Zufall gefallen.

Ambrosius war die Wiege des Castroper Kneipenkults der 70er- und 80er-Jahre

Zeitungsanzeige des Ambrosius aus den 80er-Jahren © Repro: Matthias Stachelhaus

Höhepunkt des Kneipenjahres war, wie in quasi allen Kneipen der Stadt, auch im Ambrosius der Kneipenkarneval. „Das war immer die Hölle“, sagt Volker Castrup und muss lachen. Denn in der fünften Jahreszeit standen die Jecken schon morgens vor dem Ambrosius Schlange.

Täglich wurde dann bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. „Wir haben uns dann ein paar Stunden in Volkers Wohnung direkt überm Ambrosius hingelegt, bevor es schon um 10 Uhr wieder losging“, erinnert sich Bubi Leuthold.

3000 Liter Bier für jecke Kneipengäste

Aber auch das Mobiliar musste zu Karneval einiges mitmachen. Gar eine zweite Theke wurde im hinteren Saal der Kneipe aufgebaut. Weil die aber nicht im Boden verankert war, schob die Menschenmenge den Tresen immer wieder in Richtung der Barkeeper.

„Die mussten wir dann regelmäßig wieder einen Meter nach vorne rücken“, sagt Leuthold. Sonst wäre der Platz zum Bierausschenken irgendwann doch sehr eng geworden.

Nach einem Bericht dieser Zeitung hatte das Ambrosius 1981 sage und schreibe 3000 Liter nur für die Karnevalstage auf Vorrat liegen. Bis zu 15.000 Gläser á 0,2 Liter konnte man so über das Wochenende an die durstigen Jecken ausschenken.

Ambrosius war die Wiege des Castroper Kneipenkults der 70er- und 80er-Jahre

Insgesamt 3000 Liter Bier hatte das Ambrosius zu Karneval 1981 geordert. © Repro: Matthias Stachelhaus


Telefonat am Heiligen Abend gründet Tradition

Eine andere, nicht weniger gesellige Tradition, waren die Heiligabende im Ambrosius. „Das war eigentlich nur ein Zufall“, sagt Volker Castrup. 1978 habe er im Ambrosius auf den Weihnachtsanruf seiner Eltern gewartet. Hinterm Thresen stand das einzige Telefon.

„Da hat es mit einmal mal an der Tür geklopft. Draußen stand ein Gast, der Zigaretten kaufen wollte. Und wo er schon mal da war, hat er auch ein Bierchen getrunken.“ Innerhalb von 30 Minuten seien immer mehr durstige Gäste dazugekommen.

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Das Bierchen zum Heiligen Abend wurde so auch im Ambrosius zur jährlichen Veranstaltung. Eine Tradition, die Bubi Leuthold im Ambrosius-Nachfolger, dem Miljöh, 1982 wieder neu entdeckte.

Freundschaften haben bis heute gehalten

Mit das schönste sei aber nicht - da sind die Thekenfachkräfte sich einig - die vermeintlich gute alte Zeit, sondern dass man viele Freunde und Bekanntschaften aus dem Ambrosius, dem Nachfolger Miljöh und auch dem Alten Markt bis heute gehalten habe und man sich häufig zum Beispiel im Adventszelt über den Weg laufe. Na denn: Prost!

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