Anstieg bei Unfallfluchten in Castrop-Rauxel: ADAC nennt die Gründe

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Zweimal am Tag begeht in Castrop-Rauxel irgendein Verkehrsteilnehmer Fahrerflucht. Die Zahlen haben sich im Vergleich zu vor vier Jahren fast verdoppelt. Der ADAC nennt mehrere Gründe.

Castrop-Rauxel

, 06.05.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der B235 in Höhe der Autobahnabfahrt der A2 gab es am 1. Mai einen Auffahrunfall. Die Polizei meldet, dass ein bisher unbekannter Verkehrsteilnehmer mit einem Kleintransporter auf den wartenden Pkw eines 70-jährigen Castrop-Rauxelers auffuhr. Im Anschluss fuhr er weiter. Sachschaden: 1500 Euro. Dieser Unfall wird als einer von vielen in der Verkehrsunfallstatistik der Polizei im kommenden Jahr auftauchen.

2019 verzeichnete die Polizei in Castrop-Rauxel 600 Fluchten nach Verkehrsunfällen mit Sachschaden. Im Jahr 2015 waren es 372. Lichtblick: Wenn jemand verletzt wurde, gibt es deutlich weniger Unfallfluchten und einen positiven Trend. Flüchteten 2018 noch 18 Unfallverursacher, waren es im vergangenen Jahr nur noch 6. Die Aufklärungsquote liegt laut Polizei insgesamt bei rund 40 Prozent, wenn es sich auch um die zahlreichen Parkplatz-Rempler dreht. Bei den Unfallfluchten mit Verletzten liegt sie allerdings bei 80 Prozent.

„Helfen Sie uns als Zeugin oder Zeuge, wenn Sie eine Unfallflucht beobachtet haben“, appelliert Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen. „Durch gemeinsame Anstrengungen können wir es erreichen, dass alle sicherer an ihr Ziel kommen.“

Unfallflucht ist eine Straftat

Als Unfallflucht ist bereits jedes Entfernen vom Ort des Geschehens zu werten, auch wenn man nur möglicherweise beim Ausparken ein anderes Fahrzeug leicht beschädigt hat. „Es reicht nicht aus, wenn man zum Beispiel einen Zettel oder eine Visitenkarte am Fahrzeug hinterlässt“, sagt Anne-Sophie Barreau, Sprecherin des ADAC Westfalen in Dortmund. Sie könnten vom Regen verwischt oder vom Wind weggeweht werden.

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, warnt die ADAC-Pressesprecherin. Wer den Schaden angerichtet hat, meldet sich bei der Polizei. Hier gibt es in der Regel eine mündliche Verwarnung oder ein Bußgeld.

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Polizeisprecher Andreas Lesch ergänzt: „Jeder Verkehrsunfall, bei dem es einen Schaden gibt, muss gemeldet werden.“ Auch wenn der Schaden beispielsweise an einem Baum ist. Außerdem müsse jeder Unfall gemeldet werden, bei dem es Verletzte gibt. Nur wenn lediglich das eigene Auto kaputt ist, muss die Polizei nicht gerufen werden - beispielsweise, wenn man mit dem Auto gegen einen Bordstein fährt und sich die Achse verzieht.

Wenn die Polizei den Verursacher ermitteln muss, sind die Strafen empfindlich: Je nach Schadenshöhe drohen bei Unfallflucht neben einer Geldstrafe mindestens zwei Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder sogar die Entziehung der Fahrerlaubnis nicht unter sechs Monaten.

Es gebe mehrere Motive, so Barreau, warum Fahrer den Unfallort verlassen. „Es kann schon einmal vorkommen, dass man einen Unfall nicht bemerkt“, sagt Barreau. Die meisten Autos seien heutzutage aber mit elektronischen Assistenzsystemen ausgestattet, die Anrempler verhindern sollen.

Menschlichste Erklärung

Ein anderer Grund sei, dass der Fahrende weiß, dass es sich um ein Fehlverhalten handelt. „Er entzieht sich bewusst der Strafe“, so Anne-Sophie Barreau. Hintergründe können die Angst um den Verlust des Führerscheins oder vor einer Hochstufung der Versicherungsbeiträge sein.

Zum dritten könne sich der Fahrende in einem Schockzustand befinden. Er will nur noch die Situation verlassen, dann werde nicht über die Folgen nachgedacht. „Das ist die menschlichste Erklärung“, sagt die ADAC-Sprecherin. All das aber schützt vor Strafe nicht.

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