Die Verkehrsprognose errechnet für die Oststraße/Nierhausstraße 1050 und für den Langenacker 7250 zusätzliche tägliche Fahrzeug-Bewegungen. © Brilon Bondzio Weiser
Kraftwerks-Brache

Anwohner des Knepper-Geländes äußern große Sorge bei Digital-Konferenz

Riesige Hallen und kleinere Komplexe – das zeigt eine Visualisierung des künftigen Knepper-Geländes. Für die Menschen in Castrop-Rauxel und in Mengede sind aber andere Fragen drängender.

Die sogenannte „frühzeitige Bürgerbeteiligung“ fand digital statt: Die Städte Dortmund und Castrop-Rauxel haben am Mittwochabend (24.2.) über zwei Stunden lang einen Digital-Dialog gehalten, in dem es um das Gelände des ehemaligen Kraftwerks Knepper an der Stadtgrenze von Castrop-Rauxel und Dortmund ging. 120 Zuschauer klickten in den Live-Stream auf YouTube. In der Spitze sahen 55 Menschen live zu.

Zwei Jahre liegt die Sprengung und der Abriss von Kesselhaus, Schornstein, Kühlturm und Kohlebunker des Kraftwerks zurück. Das Gütersloher Unternehmen Hagedorn hat das Gelände vorbereitet, damit darauf neues Gewerbe entsteht. Die Firma bleibt beteiligt.

Es gibt eine neue Hagedorn-Tochtergesellschaft namens „LogPoint Ruhr GmbH“. Der international tätige Vermarkter Segro stellt einen Geschäftsführer der Gesellschaft. Segro wird die neuen Gebäude in seinem Besitz halten und an Firmen vermieten. Aktiv ist Segro in frischen Projekten wie Citypark Köln und Düsseldorf Süd. Der Name „LogPoint Ruhr“ deutet darauf hin: Es geht im wesentlichen um Logistik-Unternehmen.

Vier Hallen nehmen zwei Drittel der Fläche ein

Eine Präsentation von Martin Bauer vom Raumplanungsbüro Planquadrat zeigte für das Kern-Areal vier riesige Hallen. Sie werden mehr als zwei Drittel der Fläche einnehmen, werden auf den Dächern begrünt und teilweise mit Photovoltaik bestückt.

Die Planung der LogPoint Ruhr GmbH sieht für den zentralen und größten Teils des Knepper-Areals riesige Hallen vor. Im Westen und im Osten schließen sich kleinteilige Hallen für Gewerbe an.
Die Planung der LogPoint Ruhr GmbH sieht für den zentralen und größten Teils des Knepper-Areals riesige Hallen vor. Im Westen und im Osten schließen sich kleinteilige Hallen für Gewerbe an. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Kleinere Gebäudekomplexe entstehen auf dem kleineren Castrop-Rauxeler Teil des Areals auf der Ecke Oestricher Straße / Nierhausstraße und im Osten um die Siedlung Reiherhorst in Oestrich. Hier sollen Handwerk und produzierendes Gewerbe Platz finden.

Carsten Lümkemann von Segro nannte als Beispiel den Torten-Hersteller deineTorte.de aus Köln. Denkbar sei aber auch eine Boulder-Halle. Wieviele Arbeitsplätze auf dem 60 Hektar großen Knepper-Areal entstehen, blieb offen.

Anwohner haben viele Fragen zum künftigen Verkehr

Anwohner und Bürger auf beiden Seiten der Stadtgrenze interessiert vor allem die Verkehrssituation. Sie hatten per E-Mail im Vorfeld des Digital-Dialogs eine ganze Reihe an (Detail-)Fragen an die Stadtverwaltungen in Dortmund und Castrop-Rauxel geschickt.

Die Verkehrsprognose ist die gleiche, wie sie schon vor einem Jahr in der Bezirksvertretung Mengede sowie in den Ausschüssen und Räten der Städte präsentiert wurde.

Petra Voßebürger (l.) moderierte den Digitalen Dialog zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung in der Bauleitplanung für das Knepper-Gelände. Raumplaner Martin Bauer vom Büro Planquadrat erklärte den Planungsstand.
Petra Voßebürger (l.) moderierte den Digitalen Dialog zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung in der Bauleitplanung für das Knepper-Gelände. Raumplaner Martin Bauer vom Büro Planquadrat erklärte den Planungsstand. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Das für das Verkehrsgutachten zuständige Bochumer Ingenieursbüro Brilon Bondzio Weiser rechnet mit 9300 Fahrzeugbewegungen zum und vom Knepper-Areal täglich, also 4600 hin und zurück. Diese Annahme sei der „worst case“, der schlimmste Fall, so Martin Bauer von Planquadrat. Davon sind gut 3900 Lkw.

Autobahnanschluss erhält mehr Abbiegespuren

Dreh- und Angelpunkt ist eine neue Erschließungsstraße. Sie führt von der ehemaligen Kraftwerks-Zufahrt am Langenacker durch das Gebiet zur Oststraße/Nierhausstraße. Die Lkw sollen ausschließlich aus dem Süden von der Anschlussstelle Dortmund-Bodelschwingh im Autobahnkreuz Castrop-Rauxel-Ost in das Gewerbe- und Industriegebiet fahren.

Dafür soll der Autobahn-Anschlussbereich mit den Straßen Königshalt und Langenacker auf Dortmunder Seite ausgebaut werden. Die Verkehrsplanung sieht zusätzliche Fahrspuren für den Abbiegeverkehr vor.

Nahe der Nierhausstraße soll eine Durchfahrtsperre auf der neuen Erschließungsstraße allein Autos und Kleintransportern die Querung des Geländes erlauben. Auf Castrop-Rauxeler Seite (Oststraße) rechnen die Verkehrsplaner mit einem Zuwachs von „nur“ rund 900 Fahrzeug-Bewegungen pro Tag – im wesentlichen Arbeitnehmer, die zum „LogPoint Ruhr“ fahren.

Sperrung der Oestricher Straße soll Anwohner entlasten

Die Oestricher Straße wird für den Durchgangsverkehr gesperrt, auch von Dingen aus in Richtung Deininghausen. Wo genau, ist noch nicht klar. Damit versprechen die Planer in beiden Städten den Anwohnern an der Oestricher Straße und in der Kreuzloh-Siedlung eine deutliche Entlastung im Vergleich zu heute. Autofahrer sollen die neue Straße über das Knepper-Gelände nutzen.

Die Buslinie 361 soll weiterhin die Haltestellen Landhaus Köster und Am Kreuzloh anfahren. Letztere soll per Fußweg ans Areal angebunden werden. Im Osten, auf Oestricher Seite, erfolgt der Anschluss an den Busverkehr über die Haltestelle Oestricher Bruch der Linie 371 auf der Straße Auf dem Brauck.

Entlang der neuen Erschließungsstraße sehen die Planer einen vier Meter breiten Radweg und einen Lärmschutzwall vor. Der Radweg soll auch die Wohngebiete rund um das Gelände verbinden. Weitere Radwege sind parallel zur A45 von der Nierhausstraße über den Sodkamp und die Reiherhorst-Siedlung zum Langenacker geplant.

Regenwasser-Rückhaltebecken und Biotop im Nordosten

Über die Emsinghofstraße erreichen Radfahrer das Gewerbe- und Industriegebiet vom Mengeder Bahnhof aus. Im Blick ist auch ein Lückenschluss des Radwegs entlang der Nierhausstraße. Bislang gibt es den schon in Castrop-Rauxel und auf einem kurzen Stück westlich der Nierhausbrücke.

Das Gelände, auf dem einst das Steinkohlekraftwerk Gustav Knepper stand, ist im Februar 2021 eine Gesteins- und Schlammwüste. Hier soll ein neues Industrie- und Gewerbegebiet entstehen.
Das Gelände, auf dem einst das Steinkohlekraftwerk Gustav Knepper stand, ist im Februar 2021 eine Gesteins- und Schlammwüste. Hier soll ein neues Industrie- und Gewerbegebiet entstehen. © Kevin Kisker © Kevin Kisker

Der nordöstliche Teil des Knepper-Geländes ist ein Biotop. Das bleibt erhalten. Im Grenzbereich zu den großen Hallen entsteht ein Regenwasser-Rückhaltebecken. Von hier fließt das Regenwasser über den Heimanngraben in die Emscher ab.

Die Bürger von Castrop-Rauxel und Dortmund haben noch bis zum 22. März Gelegenheit, Eingaben und Fragen zur Bauleitplanung zu stellen. Sie sind per E-Mail zu richten an knepper@castrop-rauxel.de oder dialog-knepper@dortmund.de.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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