Apotheker und PTA bereiten im Impfzentrum in Recklinghausen die Spritzen vor. Besonders vorsichtig müssen sie bei dem Impfstoff von Biontech sein. © Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Coronavirus

Apotheker über Corona-Impfstoff: Aufbereitung ist nicht einfach

Die Abläufe im Impfzentrum sind genau durchgetaktet. Der Castrop-Rauxeler Apotheker Claus Ehrensberger arbeitet an einer besonders sensiblen Stelle mit und schildert die Problematik.

Menschen, die in Priorität 1 eingestuft sind, werden zurzeit im Recklinghäuser Impfzentrum gegen Corona geimpft. Hunderte am Tag. Rund 10.000 Spritzen wurden dort bereits verabreicht. Über 100 freiwillig tätige Apotheker und Phamazeutisch-Technische Assistenten (PTA) aus der Region bereiten die Impfungen dort vor. Und das ist ein sensibler Job.

„Sie sind in der Herzkammer des Impfzentrums tätig und bereiten passgenau den Impfstoff auf“, erklärt der Castrop-Rauxeler Apotheker Claus Ehrensberger. Er ist stellvertretender pharmazeutischer Leiter im Impfzentrum und betreibt die Glückauf-Apotheke an der Dortmunder Straße auf Schwerin.

Mit Kochsalzlösung gemischt

Das pharmazeutische Personal macht den Biontec-Impfstoff impf-fertig: Er kommt tiefgekühlt, wird unter keimarmen Bedingungen im Hintergrund und ohne Patientenkontakt mit einer genauen Dosis Kochsalzlösung gemischt und in die Spritzen aufgezogen.

Das, sagt Ehrensberger, sei alles andere als trivial. „Mehrfach umgedreht, aber nicht geschüttelt“ laute frei nach James Bond die Devise. Jeder Fehler gefährdet seine Wirksamkeit. „Wird der Impfstoff in diesem Zustand auch nur einmal kräftig geschüttelt, muss er verworfen werden“, erläutert Ehrensberger die Brisanz. Anders gesagt: Der Impfstoff verzeiht keine Fehler. Und das, wo er und weltweit so gefragt und daher schwer zu bekommen ist.

Ist der Impfstoff aufbereitet, wird das Injektionsfläschchen auf Verunreinigungen geprüft. Anschließend werden aus jeder Flasche sechs Spritzen aufgezogen, mit einer Kappe versehen und dem medizinischen Personal zum Verimpfen übergeben. Auch hier muss man Vorsicht walten lassen: „Schlagen die Spritzen beim Transport in einer Schale aneinander, kann der Impfstoff seine Wirkung verlieren“, so Ehrensberger.

Es bleiben nur zwei Stunden Zeit

Nach der Aufbereitung bleiben nur zwei Stunden Zeit bis zur Impfung. Bei dieser kurzen Haltbarkeit ähnelt er dem Impfstoff von AstraZeneca, der ebenfalls in der Apotheke des Impfzentrums aufgezogen wird.

„Wir überlassen hier nichts dem Zufall“, sagt Claus Ehrensberger. Seit Dezember sei man impfbereit gewesen. Die Abläufe der Arbeitsschritte seien vielfach durchgespielt worden. 8000 Personen hätten Impfschulungen der Apothekerkammern in NRW durchlaufen.

Auch Apotheker arbeiten im Impfzentrum mit: Dorothee Pradel ist pharmazeutische Leiterin des Impfzentrums. Sie ist Kreisvertrauensapothekerin und in Gladbeck tätig. Ihr Stellvertreter ist Claus Ehrensberger aus Castrop-Rauxel.
Auch Apotheker arbeiten im Impfzentrum mit: Dorothee Pradel ist pharmazeutische Leiterin des Impfzentrums. Sie ist Kreisvertrauensapothekerin und in Gladbeck tätig. Ihr Stellvertreter ist Claus Ehrensberger aus Castrop-Rauxel. © Apothekerkammer Westfalen-Lippe © Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Allein für das Impfzentrum des Kreises Recklinghausen haben sich bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe über 100 Freiwillige gemeldet. Landesweit sind es für die 53 Impfzentren fast 6000 Apotheker und PTA. „Das zeigt die hohe intrinsische Motivation in unserem Beruf“, findet Ehrensberger. „Wir möchten und werden unseren Beitrag leisten, dass wir durch massenhafte Impfungen zu einer Herdenimmunität gelangen und die Corona-Pandemie bewältigen.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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