Svanje Kuepper testet im Zelt vor ihrer Burg-Apotheke in Henrichenburg. © Ronny von Wangenheim
Coronavirus

Apothekerin testet im Zelt auf Corona und zieht erste Bilanz

Apothekerin Svanne Kuepper baut jeden Tag ihr Testzelt auf. Das Angebot kommt gut an. Bis zu 100 Menschen machen am Tag bei ihr einen Coronatest. Die Zahl der positiven Ergebnisse überrascht.

Mal sind es 60, mal sind es 100 Menschen, die am Tag zur Burg-Apotheke nach Henrichenburg kommen. Sie alle lassen sich dort auf Corona testen. Apothekerin Svanne Kuepper (39) baut dafür jeden Tag ein Zelt vor ihrer Apotheke auf. Nach drei Wochen zieht sie eine erste Bilanz und nennt eine überraschende Zahl.

Schon sehr früh hatte sich Svanne Kuepper entschieden, Testungen anzubieten. „Den Menschen wieder etwas mehr Freiheit zu ermöglichen“, das war ihr Motiv. Reich werden dagegen nicht, wie sie betont. Sie bestellte schon ein Testzelt, als sie noch keine Genehmigung für das Testzentrum hatte. Inzwischen gehört ihre Apotheke an der Freiheitstraße 23 zu den mehr als 20 Orten in Castrop-Rauxel, wo man sich testen lassen kann.

Der Erfolg gibt ihr Recht. „Wir sind immer ausgebucht.“ Deshalb muss sie Menschen, die mal eben auf die Schnelle einen Test machen lassen wollen, eine Absage erteilen. Auch wenn das Zelt mal leer steht. Denn es sei bewusst alles so organisiert, dass keine Warteschlangen entstehen.

Bei all den vielen Tests gab es nur einen einzigen positiven Fall

60 bis 100 Tests werden in dem Zelt am Tag gemacht, je nach Personallage. Mehr als 1000 Testungen, so kann man also mit Sicherheit sagen, wurden bereits bei Svanne Kuepper gemacht. Kommen darf jeder, der symptomlos ist. Genau darum geht es auch bei den Corona-Tests: Infizierte Menschen rechtzeitig erkennen und in Quarantäne zu schicken.

Bis zu 100 Menschen lassen sich am Tag im Testzelt vor der Burg-Apotheke testen.
Bis zu 100 Menschen lassen sich am Tag im Testzelt vor der Burg-Apotheke testen. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Das Ergebnis erstaunt. „Wir haben einen einzigen positiven Test gehabt“, sagt Svanne Kuepper. Derjenige wurde telefonisch informiert, sich sofort in Quarantäne zu begeben, das Gesundheitsamt wurde informiert und alles für einen Termin zum PCR-Test in die Wege geleitet.

Wer im Testzelt an der Burg-Apotheke einen Coronatest machen will, soll möglichst über die Homepage der Apotheke einen Termin buchen. „Viele Menschen rufen auch bei uns an, das sorgt in der Apotheke für noch mehr Aufwand“, so die Apothekerin.

Zusätzliches Personal wurde für die Tests eingestellt

Die Tests sollen möglichst abseits des Alltagsgeschäfts laufen. Deshalb auch das Testzelt, in das sie inzwischen noch eine weitere Abtrennung eingebaut hat. „Ich habe zwei Krankenschwestern und einen Krankenpfleger eingestellt“, erläutert Svanne Kuepper. Auf deren Verfügbarkeit liegt es, ob halbtags oder ganztags getestet wird.

Viele der Menschen, die auf ein negatives Testergebnis hoffen, wollen sich vor dem Verwandtenbesuch absichern. Deshalb hatte Svanne Kuepper auch an Karfreitag und Ostersonntag ihr Zelt aufgebaut. „Ich will gleich zu Hornbach“, diesen Satz hat sie mehr als einmal gehört. Aber auch die Mutter, die mit ihrer Tochter einen Tornister kaufen will, gehört dazu.

Svanje Kuepper hat so schnell es ging vor ihrer Burg-Apotheke in Henrichenburg eine Teststation eröffnet.
Svanje Kuepper hat so schnell es ging vor ihrer Burg-Apotheke in Henrichenburg eine Teststation eröffnet. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Genau darum geht es ihr. Menschen, eine Chance geben, ein Stückchen Normalität zu ermöglichen. Denn ein lukratives Geschäft sei es nicht, so erzählt die 39-Jährige. „Der Aufwand ist sehr groß, auch für das Team. Jeden Tag das Zelt auf- und abbauen, desinfizieren, die vielen Anrufe“, zählt sie auf. Und wann was bezahlt werde, stehe auch noch nicht fest.

Kosten werden erstattet: 6 Euro und 12 Euro

Reich werden könne sie nicht, sagt die Apothekerin. Und stressfreier wäre ihr Leben auch ohne das Testangebot. Zudem bleibe ein Risiko. Mit dem Start der Notbremse sei damit zu rechnen, dass das Interesse an den Tests zurückgehe. Ihre zusätzlichen Mitarbeiter müsse sie dann immer noch bezahlen.

Für jeden Test kann sie 6 Euro als Materialkosten erstattet bekommen. „Ich berechne aber nur meine tatsächlichen Kosten“, sagt sie. Dazu kommen 12 Euro für jede Testung. „Davon bezahle ich das Personal, Desinfektionsmittel, FFP2-Masken, Schutzkittel“, so Svanne Kuepper, „12 Euro klingt gut, aber es steckt viel Aufwand dahinter.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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