Aquarium: Spannender als Fernsehen

Hobby

CASTROP-RAUXEL Das Scalar-Männchen dreht einsam seine Runden im Aquarium von Friedhelm Behnke. Das Weibchen hat der 69-jährige Rentner verliehen. "Die braucht ein Freund zum Kreuzen." Man hilft sich gegenseitig bei den Aquarienfreunden Alt-Castrop.

von Von Christoph Witte

, 03.07.2009, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Müssen sie auch. Immerhin geht es den Aquarianern so wie vielen Vereinen. Sie leiden unter Mitgliederschwund. "In den 70er-Jahren waren wir 114 Mitglieder", erzählt Schriftwart Behnke. "Heute sind wir nur noch 22. Zwei andere Vereine aus Castrop-Rauxel gibt es gar nicht mehr."

Selbstversorger Behnke nimmt sich einen kleinen Kescher, geht in seinen großen Garten, wo er sich die meiste Zeit des Tages aufhält und Obst und Gemüse züchtet. An jeder Ecke, auch bei den Nachbarn, hat er Regentonnen stehen. Mit dem Kescher fischt er einmal durch das dunkle Wasser. Wasserflöhe und weiße Mückenlarven zappeln im Netz. "Frischfutter ist das Beste für die Fische", sagt Behnke. "Davon werden die Farben besonders schön." Das Ergebnis kann man an seinen Keilfleck-Barben, Panzerwelsen und dem einsamen Scalar-Männchen bewundern. Sie sind gesund, genauso wie die Pflanzenwelt in seinem 130x50x50 Zentimeter großen Aquarium. Die Unterwasserflora ist Behnkes Leidenschaft. Im Garten züchtet er sie selbst in Tümpeln heran.

Erster Guppy mit zwölf Gezüchtet hat Friedhelm Behnke das erste Mal im Alter von zwölf Jahren, als sein Onkel ihm Guppys geschenkt hatte. Seitdem lässt ihn die Aquarienwelt nicht mehr los. Lange Jahre hatte er den Keller voller Glasquader und sogar den Großhandel beliefert. "Das lohnt sich aber nicht mehr. Die Preise sind so gedrückt worden. Heutzutage werden Aquarien verschenkt, und auch die Fische kosten kaum noch etwas." Der Computer sei Schuld, schimpft Behnke. Er ist die Freizeitbeschäftigung Nummer 1 für den Nachwuchs. Zum Leidwesen vieler Vereien und auch der Aquarianer.

Zweites Standbein Fotografieren Behnkes Aquarium steht direkt neben dem Fernseher. Die Flimmerkiste ist aber meistens aus. "Das Programm im Aquarium gefällt mir viel besser", sagt der rüstige Ruheständler, der sich dank der Fische noch ein zweites Hobby zugelegt hat: das Fotografieren. "Mir fehlt nur ein Makro-Objektiv, dann könnte ich auch die kleinen Rasbora hengeli aufnehmen." Gemeint sind die Keilfleck-Barben, Aquarianer benennen die Fische nur bei ihrem lateinischen Namen. Der ist weltweit gültig. Den deutschen Namen des seine Runden drehenden Scalars hat Friedhelm Behnke auch gar nicht erst parat.

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