Seit 20 Jahren sitzt Peter D. im Gefängnis. Er ließ seine Frau von einem Auftragsmörder töten. Peter beschreibt es wie einen Blackout. Aber warum musste seine Frau sterben?

Ickern

, 11.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Warum bringt ein Mann seine Ehefrau um? Aus Liebe - aus Liebe zu einer anderen Frau. Und aus Verzweiflung. Aus Verzweiflung, weil die neue Liebe so groß ist und der Mann keinen anderen Ausweg sieht. 20 Jahre später wird er sagen: „Ich war wie im Tunnel.“

Seit dem 16. Februar 1999 ist Peter D.* inhaftiert. Erst in geschlossenen Anstalten. Die letzten Monate seiner Strafe verbringt der 63-Jährige im offenen Vollzug in Castrop-Rauxel. Ende des Jahres wird er voraussichtlich entlassen. Peter D. ist wegen Mordes verurteilt. Er engagierte im Jahr 1999 einen Auftragsmörder, der brachte seine Ehefrau um.

Das Paar war glücklich - bis zu den ersten Unstimmigkeiten

Peter und seine damalige Frau Claudia* lernen sich in Bottrop in der Schule kennen und sind fortan ein Paar. Im Jahr 1979 heiraten sie. Sie sind glücklich. Vier Jahre später im Jahr 1983 kommt die erste Tochter zur Welt, 1985 die zweite.

Im selben Jahr fängt die Beziehung an zu kriseln. „Die ersten Unstimmigkeiten kamen auf. Langsam wurde meine Frau etwas anders. Vielleicht lag es auch an mir, ich weiß es nicht. Ich will keinem die Schuld zuschieben.“ Das Paar hat sich auseinandergelebt.

Inzwischen leben sie in Kirchhellen und haben gebaut. Claudia findet einen neuen Freundeskreis - die High Society in der Nachbarschaft. Peter beschreibt es so: „Ein Sektfrühstück hier, ein Sektfrühstück da, ein Sektfrühstück dort.“

Der Damen-Club, wie Peter die Freundinnen nennt, kommt 1990 auf die Idee, Pflegekinder aufzunehmen. Claudia und Peter nehmen 1991 „die kleine Wumme“, wie Peter das Pflegekind Tatjana* nennt, zu sich. Die 3-Jährige Tatjana lebt sich gut ein und bleibt auf Dauer ihnen. „Sie war wie unser eigenes Kind“, erzählt Peter D. heute.

Aus Liebe und Verzweiflung musste seine Frau sterben - Wie Peter D. zum Mörder wurde

Hier muss Peter D. noch einige Zeit leben. © Victoria Maiwald

Peter D. wollte die Scheidung - seine Frau nicht

Die Beziehung zwischen Peter und Claudia aber wird immer schlimmer. Nach außen hin sind sie die Vorzeigefamilie. Hinter verschlossenen Türen finden viele Gespräche über die Zukunft statt. Das Paar will an der Beziehung arbeiten, aber der alte Trott schleicht sich immer wieder ein. Peter und die Kinder entfernen sich von Claudia.

„So ging es nicht mehr weiter, ich habe mit ihr über eine Scheidung gesprochen. Ich habe ihr Immobilien, ein Auto, ein Pferd und Unterhalt in Höhe von 5000 DM angeboten.“ Das Paar ist gut situiert, Peter hat ein eigenes Versicherungsunternehmen. „Sie allerdings wollte kein Huhn gehen lassen, das goldene Eier legt“, erzählt Peter. Das Thema Scheidung wird zunächst auf Eis gelegt. Zudem hat Peter Angst, die Kinder an sie zu verlieren. Die Beziehung verschlechtert sich weiter.

Eine weitere Claudia tritt in sein Leben

Teilweise sieht Peter seine Frau tagelang nicht. Peter und Claudia schlafen in getrennten Schlafzimmern. Der äußere Schein wird aber weiterhin erhalten.

Peter D. baut eine Mauer um sich herum auf und zieht sich immer weiter zurück. Bis zu dem Tag 1998, an dem „eine andere Claudia“ in sein Leben tritt. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Mit der Zeit schafft es Claudia II, seine Mauern einzureißen.

Der Kontakt zwischen Peter und Claudia II wird immer enger. Sie fängt an, in Peters Firma zu arbeiten. „Sie hat sich wunderbar mit den Kindern verstanden und auch mit meinen Eltern. Besser als meine damalige Frau.“ Offiziell aber ist er da noch mit Claudia I verheiratet.

Der Entschluss - Die Frau muss weg

„Irgendwann war ich wie im Tunnel“, sagt er heute. Peter sieht einfach keinen Ausweg aus der Situation. Dann der Entschluss: Die Frau muss weg! Es ist 1998. Claudia II ist in den Plan eingeweiht. „Ich weiß bis heute nicht, wie es dazu gekommen ist. Es gab kein rechts, es gab kein links.“ Peter D. spricht jemanden an. Diese Person, der spätere Mörder von Claudia, hat viele Ideen: Tropfen, Autounfall, Raubüberfall.

Im Januar 1999 ruft dann der Auftragsmörder an. Es ist soweit. Ab da sind Peter und Claudia II in einer Art Nebel, wie er es heute beschreibt. „Wir haben gar nichts mehr mitbekommen.“

Der Mörder ist ausgebildeter Soldat. Mit gezielten Handkantenschlägen schlägt er Claudia nieder. Sie ist sofort tot. Er beseitigt die Leiche in einem anderem Bundesland. Gekostet hat der Auftragsmord Peter nichts. Der engagierte Mörder will nur in der Firma aufsteigen.

Wie ein Blackout

Das Trio fliegt aber schnell auf. Alle drei werden verhaftet, alle drei werden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mit der Verhaftung fällt eine riesige Last von Peter, sagt er. Der Tunnel und der Nebel waren weg. „Ich war wie befreit.“ Zunächst haben Peter und Claudia II noch Kontakt zueinander. 2003 heiraten sie sogar innerhalb der Haft. Doch später lassen sie sich wieder scheiden.

Ob sie jetzt noch in Haft sitzt, weiß Peter nicht. Sie habe keinen Kontakt mehr, denn das könnte ihnen negativ ausgelegt werden. „Ich vermisse sie und werde versuchen, wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen, wenn ich freigelassen werde“, sagt Peter D.

Er beschreibt diese Zeit damals als Blackout. Die Strafe, die er bekommen hat, empfinde er mehr als gerecht. Er ist im offenen Vollzug und geht tagsüber arbeiten. Ende des Jahres könnte Peter D. ganz auf freiem Fuß sein.

Knast-Serie

Hinter den Gittern des Meisenhofs

  • In dieser Serie sprechen wir mit verurteilten Straftätern und Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel.
  • Wir wollen den Menschen in der Stadt so einen Einblick in das Leben hinter den Mauern des Meisenhofs geben.
  • *Alle Namen der Inhaftierten in dieser Serie wurden durch die Redaktion geändert.
  • Häftlinge beschreiben in der Serie ihre Straftaten, wie sie selbst sie in Erinnerung haben. Zum Schutz der Opfer und Angehörigen haben wir keine weiteren Recherchen unternommen, um auch sie zu befragen.
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