„Sind Sie bescheuert?“: Autofahrerin vergaß Blinker und wurde massiv beleidigt

hzAmtsgericht

„Scheiß Ausländerin, blöde Fotze“ soll ein 60-Jähriger aus seinem Autofenster heraus geschimpft haben. Jetzt fand er sich auf der Anklagebank des Amtsgerichts wieder.

Dorf Rauxel

, 29.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Scheiß Ausländerin, blöde Fotze und ,sind Sie bescheuert‘“ soll gefallen sein. So zitierten eine 21-jährige Autofahrerin und ihre Mutter, die am fraglichen Tag im Juni auf dem Beifahrersitz saß, den Vorfall bei der Polizei.

Der Mann, der das gesagt haben soll, saß nun, gut vier Monate später, auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Und erinnerte sich, dass er sich an diesem Tag schwer aufgeregt habe im Straßenverkehr, als er von Deininghausen Richtung Altstadt wollte.

Ärger über Sekunden

Weil auf der Pallasstraße ein entgegenkommendes Fahrzeug nicht geblinkt habe, aber dennoch nach rechts abgebogen ist, habe er unnötigerweise warten müssen und erst anschließend nach links abbiegen können. „Sonst wäre ich vor dem Auto von der Pallasstraße in die Grutholzstraße eingebogen“, ärgerte er sich offenkundig über verschenkte Sekunden.

So fuhr er hinter diesem Auto her und machte seinem Frust zunächst mit der Lichthupe Luft. Dann, als der fragliche Wagen auf der Wilhelmstraße an einer Kreuzung stoppte, fuhr er daneben und motzte.

Dass dabei die genannten Worte gefallen sein sollen, wies er jedoch von sich. „Scheiß Ausländer“ gehöre nicht zu seinem Vokabular, sagte er. Habe wohl so etwas wie „Autofahren ist bei euch Frauen voll zum Kotzen“ gesagt.

Keine genaue Erinnerung

„Das Fahrzeug war hinter mir und ist Zick-Zack gefahren, hat gedrängelt“, erinnert sich die 21-jährige Zeugin. Nach dem Disput hat sie sich das Kennzeichen gemerkt und der Polizei gemeldet. An das Aussehen des Fahrers hatte sie dagegen keine so genaue Erinnerung.

In der schriftlichen Anzeige hatten Tochter wie auch Mutter den Beleidiger beschrieben: schmal, grauhaarig und Brille. Doch der Mann auf der Anklagebank hatte rötliche Haare, ein etwas volleres Gesicht und trug keine Brille. „Habe ich nicht und brauche ich auch nicht“, so sein Kommentar.

Beschreibung passt nicht

Der Mann sei ihnen schon vor der Verhandlung auf dem Flur vor dem Gerichtssaal fremd vorgekommen, sagten Mutter wie Tochter. Konnten und wollten sich nicht festlegen, dass der Mann, der auf der Anklagebank saß, wirklich derjenige war, der die Beleidigungen ausgesprochen hat.

Dabei hatte der Angeklagte in seiner Stellungnahme den Vorfall zugegeben, nur das entscheidende Zitat nicht. Und genau das bewahrte ihn vor einem Urteil.

„Ich weiß nicht, wie der Fall weiter aufzuklären ist“, so der Richter.

Denn der Vorwurf der Beleidigung wurde nicht eingeräumt, der Mann nicht von den Zeugen erkannt. Das reiche nicht für eine Verurteilung. So konnte der Angeklagte mit einem Freispruch nach Hause gehen.

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