Unbekannter Autofahrer fuhr waghalsiges Manöver: So rettete er die Kinder im Doppeldecker

hzBus-Brand auf der A2

Nach dem Brand des Busses auf der A2 ist die Ruhe in der Hertener Schule noch nicht zurück. Schulleiter Martin Kissenkötter über die Schüler, Lob an die Lehrer und Dank an einen Unbekannten.

von Daniel Maiß

Henrichenburg

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Schrecken wird ihnen mit Sicherheit noch einige Zeit in den Gliedern stecken: 65 Fünftklässler der Hertener Erich-Klausener-Realschule (EKS), zwei Lehrkräfte und der Fahrer hatten einen in Brand geratenen Bus auf dem Standstreifen der A2 an der Anschlussstelle Henrichenburg gerade verlassen - da ging er komplett in Flammen auf. Nur zwei Minuten länger, und...

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Bus auf Autobahn A2 bei Henrichenburg abgebrannt

Ein Reisebus mit 65 Kindern aus Herten ist am Montag in Flammen geraten, als er auf der A2 unterwegs war. Die Feuerwehr Castrop-Rauxel löschte den Brand mithilfe der Kollegen aus Waltrop und Oer-Erkenschwick. Die A2 war Richtung Hannover voll gesperrt, es bildeten sich lange Staus.
24.06.2019
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Feuerwehrleute löschen einen brennenden Reisebus. Auf der Autobahn 2 war der Bus mit 65 Realschülern aus Herten an Bord in Brand geraten. Alle Insassen konnten bei dem Vorfall zwischen Dortmund und Recklinghausen den Bus verlassen, nachdem das Fahrzeug auf dem Standstreifen stoppte, wie ein Polizeisprecher berichtete.© dpa / Marcel Kusch
Der Löschschaum ist weit verteilt über die drei Fahrbahnen auf der A2. © dpa / Marcel Kusch
Der Löschschaum ist weit verteilt über die drei Fahrbahnen auf der A2. © dpa / Marcel Kusch
Die Rauchsäule war nicht nur weithin zu sehen, sondern führte auch zur Warnung der Polizei, dass Anwohner und Autofahrer die Fenster geschlossen halten sollten.© dpa / Marcel Kusch
Von der Gegenfahrbahn aus in Fahrtrichtung Oberhausen sieht die Unfallstelle so aus: Viele Rettungsfahrzeuge sind vor Ort.© privat
Von der Gegenfahrbahn aus in Fahrtrichtung Oberhausen sieht die Unfallstelle so aus: Viele Rettungsfahrzeuge sind vor Ort.© privat
Von der Gegenfahrbahn aus in Fahrtrichtung Oberhausen sieht die Unfallstelle so aus: Viele Rettungsfahrzeuge sind vor Ort.© privat
Von der Gegenfahrbahn aus in Fahrtrichtung Oberhausen sieht die Unfallstelle so aus: Viele Rettungsfahrzeuge sind vor Ort.© privat
Die Autobahn A2 in Höhe der Auffahrt Henrichenburg.© Jens Lukas

„Ich habe den Eindruck, dass die meisten Kinder das Geschehene einigermaßen gut verpackt haben“, erklärt nun Martin Kissenkötter. Der Leiter der Realschule aus Herten kann es immer noch kaum fassen, wie viel Glück seine Schüler hatten, wie knapp alle Beteiligten einer Katastrophe entgangen sind. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte man das Feuer erst später entdeckt.“

Brand brach hinten im Bus aus - Autofahrer sah es

Wie die Polizei am Dienstag auf Rückfrage mitteilte, war der Brand im hinteren Teil des Busses ausgebrochen – und damit praktisch unbemerkt von allen Insassen. Doch ein unbekannter Mann, der zu diesem Zeitpunkt auf der Autobahn direkt hinter dem Reisebus fuhr, reagierte: Er scherte aus, überholte und brachte den Busfahrer dazu, seinen Doppeldecker auf den Seitenstreifen zu steuern.

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„Dem Mann gebührt unser aller Dank“, sagt Kissenkötter jetzt, „aber auch unsere Lehrer haben im Anschluss unfassbar gut reagiert. Zwei Klassen unter höchstem Druck in kürzester Zeit aus einem zweistöckigen Bus zu bekommen – das muss man erst einmal schaffen. Hätte das nur zwei Minuten länger gedauert, dann...“.

„Es war ein unglaubliches Glück“

Der Schulleiter mag diesen Gedanken gar nicht weiter ausführen. „Es war einfach ein unglaubliches Glück und wir sind alle heilfroh, dass es den Kindern den Umständen entsprechend gut geht.“

Die Fünftklässler waren Dienstag alle wieder in der Schule. „Wir haben für die Klassen für diese Woche ein besonderes Programm organisiert mit einigen Freizeitaktivitäten. Das ist zumindest ein kleiner Ausgleich“, erklärt Kissenkötter.

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Nach Bus-Brand auf der A2: Die Bergung des Wracks

Zwei Autokrane und einen Tieflader brauchte es am Abend nach dem Brand des Doppeldecker-Busses auf der Autobahn A2 bei Henrichenburg, um das Wrack zu entsorgen. Der 20-Tonner wurde verladen. Wir zeigen die Arbeiten.
25.06.2019
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Ein Autokran rückt an: Auf der Autobahn A 2 werden gleich wieder zwei Fahrstreifen gesperrt. Die Bergung des Brand-Busses steht an.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Ein Tieflader kommt zum Brandort. Auf diesem Auflieger-Fahrzeug wird der Bus später abtransportiert.© Christian Püls
Der Fahrersitz: Der Busfahrer forderte die Kinder und Lehrer noch rechtzeitig zum Aussteigen auf. Gemeinsam brachte man sich hinter der Leitplanke in Sicherheit.© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
In diesem Bus saßen 65 Kinder einer Hertener Realschule.© Christian Püls
In diesem Bus saßen 65 Kinder einer Hertener Realschule.© Christian Püls
In diesem Bus saßen 65 Kinder einer Hertener Realschule.© Christian Püls
Die Mitarbeiter der Spezial-Transportfirmen auf der Autobahn A2 am Montagabend nach dem Brand des Doppeldecker-Busses. Sie beraten, wie sie den Abtransport bewerkstelligen.© Christian Püls
Direkt an einer Notrufsäule kam der Bus zum Stehen.© Christian Püls
Der Mitarbeiter schlägt die restlichen Fensterscheiben aus dem Bus, damit die Glassplitter nicht während des Transports herunterfallen. Sie bleiben an Ort und Stelle und werden später zusammengekehrt.© Christian Püls
Der Mitarbeiter schlägt die restlichen Fensterscheiben aus dem Bus, damit die Glassplitter nicht während des Transports herunterfallen. Sie bleiben an Ort und Stelle und werden später zusammengekehrt.© Christian Püls
Der Tieflader aus Wuppertal setzt zurück zum Bus: Gleich wird das Wrack auf den Anhänger geladen.© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Rund 800 Meter vor Henrichenburg geschah das Unglück© Christian Püls
Transport-Traversen werden an den schweren Ketten und Haken des Autokrans montiert. Sie halten später den Bus gerade und sorgen dafür, dass er nicht zusammengequetscht wird.© Christian Püls
Die Tragekonstruktion wird nun unter dem Bus an den Achsen befestigt.© Christian Püls
Die beiden Fahrer der Autokrane müssen sich bei diesem Manöver genau untereinander abstimmen, damit das Heben reibungslos gelingt.© Christian Püls
Die beiden Fahrer der Autokrane müssen sich bei diesem Manöver genau untereinander abstimmen, damit das Heben reibungslos gelingt.© Christian Püls
Jede Bergung hat auch einen Leiter: Bergeleiter Klotzbach.© Christian Püls
Dann hängt der Bus am Haken und wird auf den Lastwagen gehievt. Rund 20 Tonnen ist der Doppeldecker schwer.© Christian Püls
Dann hängt der Bus am Haken und wird auf den Lastwagen gehievt. Rund 20 Tonnen ist der Doppeldecker schwer.© Christian Püls
Der Mitarbeiter prüft, ob alles seinen Sitz und Halt hat.© Christian Püls
Zurück bleibt reichlich Ruß und Brandschrott, den die Mitarbeiter zusammenkehren und auf einen Container verladen.© Christian Püls
Zurück bleibt reichlich Ruß und Brandschrott, den die Mitarbeiter zusammenkehren und auf einen Container verladen.© Christian Püls
Zurück bleibt reichlich Ruß und Brandschrott, den die Mitarbeiter zusammenkehren und auf einen Container verladen.© Christian Püls
Zurück bleibt reichlich Ruß und Brandschrott, den die Mitarbeiter zusammenkehren und auf einen Container verladen.© Christian Püls
Zurück bleibt reichlich Ruß und Brandschrott, den die Mitarbeiter zusammenkehren und auf einen Container verladen.© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls
Die Bergung des Buswracks auf der A2© Christian Püls
Furchtbar zugerichtet ist das Bus-Wrack: In diesem Doppeldecker waren am Morgen zuvor 65 fröhliche Kinder unterwegs zu einer Klassenfahrt ins Sauerland. Am Abend schlagen die Mitarbeiter die Scheiben raus und bringen Transportscheiben an den Rädern an, um den Bus verladen zu können.© Christian Püls

Vorher bestand für alle Beteiligten des Vorfalls noch die Möglichkeit, mit dem Schulseelsorger, mit geschulten Kräften der Feuerwehr oder Mitarbeitern des schulpsychologischen Beratungsdienstes zu sprechen. „Auch wenn es bei den Schülern auf den ersten Blick so aussieht, als hätten sie das Erlebte gut verarbeitet, weiß man ja nicht, wie es drinnen aussieht“, so Kissenkötter.

Die beiden Klassen werden in den kommenden Tagen von vier Lehrern begleitet. Wegen einer Konferenz wollten zwei mit Autos dem Bus nachfahren.

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