Autokorso: Polizei hat Null-Toleranz-Strategie – nicht nur bei türkischen Hochzeiten

hzBrauch aus dem Süden

Der Autokorso einer türkischen Hochzeit störte am vergangenen Samstag eine Obercastroperin. Ihre Kritik: Die Polizei greife nicht ein. Ein Polizeisprecher widerspricht dieser Darstellung.

Castrop-Rauxel

, 14.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lautes Hupen, fremd klingende Musik, knallende Böller: Mehrmals haben in den vergangenen Monaten türkische und andere Hochzeiten zu Unmut unter Anwohnern geführt – zuletzt am vergangenen Samstag in Obercastrop.

Die Einen teilen den vielbeschworenen „schönsten Tag im Leben“ eines Brautpaares mit ausgelassener Freude. Die Anderen fühlen sich einfach nur genervt, in ihrer Wochenendruhe gestört oder in ihrer Sicherheit bedroht.

Polizei hat eine Null-Toleranz-Strategie

Onur Kocakaya hat türkische Wurzeln und ist in Castrop geboren. „Der Mann holt mit seinen Kumpels die Braut ab“, erklärt er den türkischen Brauch. „Wir tanzen vor der Haustür. Das hat eine lange Tradition.“

Zu der gehört auch, dass sich Freunde und Familie von Braut und Bräutigams dann mit ihren Autos gemeinsam auf den Weg zur Hochzeitsfeier machen. Hier eskaliert es dann schon mal.

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Blockierte Fahrbahnen, Beifahrer lehnen aus dem Fenster und filmen den Korso, ständige Fahrspurwechsel, Überfahren von Rot an der Ampel. „Eine Straße blockieren geht nicht“, sagt Onur Kocakaya. Und: „Man sollte auf die Mitmenschen achten.“ Die Polizei formuliert das deutlicher. „Wir gehen da mit einer Null-Toleranz-Strategie ran“, sagt Andreas Wilming-Weber.

Ein Auto mit einer türkischen Flagge auf der Motorhaube und ein Korso dahinter beobachtete eine Obercastroperin am letzten Wochenende. Sie fühlte sich gestört.

Ein Auto mit einer türkischen Flagge auf der Motorhaube und ein Korso dahinter beobachtete eine Obercastroperin am letzten Wochenende. Sie fühlte sich gestört. © Hildebrand

Der Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Recklinghausen widerspricht dem Vorwurf, die Polizei tue nichts. „Wichtig ist, dass wir die Information bekommen.“ Am vergangenen Wochenende war das nicht der Fall. Seit dem 1. Februar habe es in Castrop-Rauxel nur den Einsatz in der Altstadt am 1. März gegeben.

Verstöße reichen von Ordnungswidrigkeiten bis zu Strataten

Die Verstöße beginnen bei Ordnungswidrigkeiten: etwa unnötiges Hin- und Herfahren, Belästigung, Behinderung oder Gefährdung durch das Verhalten im Verkehr, Sichtbehinderungen durch Flaggen oder Blumenbouquets, Nicht-Benutzen des Blinkers.

Dafür werden Verwarngelder zwischen 10 und 30 Euro fällig. „Bei Ordnungswidrigkeiten prüfen wir im Einzelfall“, sagt Wilming-Weber. Die Polizisten entscheiden, ob sie eine solche Strafe verhängen oder es bei einer Ermahnung belassen.

Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen gibt es bei Benutzung des Handys, Überfahren einer roten Ampel oder wenn Alkohol im Spiel ist. Neben einer Geldstrafe zwischen 90 und 500 Euro gibt es dazu Punkte in Flensburg.

Trunkenheit im Verkehr, Gefährliche Eingriffe oder gar eine Gefährung des Straßenverkehrs, Fahren ohne Führerschein oder Verstöße gegen die Versicherungspflicht eines Autos sind sogar Straftaten, die eine Anzeige zwingend zur Folge haben.

Bei blockierten Autobahnen hört der Spaß auf

Spätestens seit Hochzeitsgesellschaften ganze Autobahnen blockieren, steht der Brauch im Fokus öffentlicher Kritik. Dabei unterscheide sich der Brauch durchaus, erklärt Onur Kocakaya. „Manche machen einen Korso, manche nicht.“ Das richte sich nach der Tradition in der jeweiligen Familie und nach der Region, aus der die Familien stammen.

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Das NRW-Innenministerium ließ Faltblätter drucken. Darin klärt sie die Teilnehmer von Hochzeiten darüber auf, was erlaubt ist und wo der Spaß aufhört. „Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit legen wir die Flugblätter auch in den Eventhallen aus“, sagt Andreas Wilming-Weber. Oder Bezirksbeamte geben sie gezielt weiter.

Auch in der deutschen Hochzeitskultur ist der Autokorso bekannt. Hochzeits-Seiten im Internet geben dabei sogar detaillierte Tipps, wie man einen Korso organisiert. Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber betont, dass dafür die gleichen Regeln gelten. „Wenn wir ausufernde Hochzeitsfeiern haben, spielt die Herkunft keine Rolle.“

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