Erlebt Castrop-Rauxel bald einen Babyboom wegen der Corona-Pandemie?

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Krisenzeiten lassen Menschen zusammenrücken. Das haben Paare in Castrop-Rauxel wohl sehr wörtlich genommen, denn die Schwangerschaften steigen seit Beginn der Corona-Pandemie.

von Inka Hermanski

Castrop-Rauxel

, 03.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Menschen seit März gezwungenermaßen mehr Zeit zu Hause verbringen müssen. Viele Castrop-Rauxeler nutzten diese Zeit, um neuen Hobbies nachzugehen, ein Instrument zu erlernen, die Küche zu renovieren, oder den Garten auf Vordermann zu bringen.

Doch auch für Zweisamkeit blieb mehr Zeit und das bleibt nicht ohne Folgen. „Hier vor Ort merken wir die Zunahme an Schwangerschaften sehr, sehr deutlich“, sagt Dr. Michael Glaßmeyer, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtskunde am St. Rochus Hospital. Er sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Lockdown: „Die Menschen hatten einfach mehr Zeit.“

Derzeit kämen viele Frauen mit Schwangerschafts-Symptomen ins Behandlungszimmer von Glaßmeyer. Zehn bis Fünfzehn Prozent mehr, als noch im vergangenen Jahr, sagt er.

Homeoffice gewährt Zeit für Zweisamkeit

Marion Korte, Hebamme aus Castrop-Rauxel teilt diese Beobachtung. Schon im März, als der Corona-bedingte Lockdown ausgerufen wurde und immer mehr Castrop-Rauxler ins Homeoffice gegangen waren, hätten Sie und ihre Kolleginnen gesagt, „in 40 Wochen werden wir eine Menge Arbeit haben“.

Während sie im Juli 2019 noch keine einzige Anmeldung zur Entbindung für Januar 2020 gehabt habe, wäre sie in diesem Jahr für Januar und Februar 2021 bereits „ausgebucht“.

Marion Korte, Hebamme aus Castrop-Rauxel macht sich auf eine Mehrarbeit zu Beginn des neuen Jahres gefasst

Marion Korte, Hebamme aus Castrop-Rauxel macht sich auf eine Mehrarbeit zu Beginn des neuen Jahres gefasst © Marion Korte

Das Schwangerschafts-Musterpaar während des Lockdowns befände sich gerade etwa in der 17 Schwangerschaftswoche. Ein tatsächlicher Anstieg der Geburtenrate könnte sich so erst Ende des Jahres zeigen.

Für Hebammen wäre eine steigende Geburtenrate eine weitere Herausforderung. Seit Jahren habe man einen Rückgang an Hebammen zu beklagen. Laut Marion Korte seien die schlechten Arbeitsbedingungen und unzureichende Bezahlung

Grund dafür.

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Vermehrt würden bislang kinderlose Paare schwanger, hat Glaßmeyer beobachtet. Er hat dafür auch eine Erklärung: „Wer in den letzten Wochen die eigenen Kinder rund um die Uhr hüten musste, überlegt den weiteren Kinderwunsch vielleicht noch ein zweites Mal.“

Kein Anstieg von verkauften Schwangerschaftstest

Geschlossene Schulen und Kitas führten für Eltern in Castrop-Rauxel zu ungewohntem Stress. Kinderlose Paare hingegen nutzen die Zeit des Zuhausebleibens scheinbar auch um dem demografischen Wandel aktiv entgegenzuwirken.

Winfried Radinger, Chef der Altstadt-Apotheke in Castrop-Rauxel warnt aber vor zu schnellen Schlüssen. Er habe keinen Anstieg beim Verkauf von Schwangerschaftstests feststellen können. Zwar sei in seiner Apotheke der Verkauf der „Pille danach“ leicht angestiegen, die Vermutung, dass dies auf eine gesteigerte Sexualität in Zeiten des Corona-bedingten Lockdowns zurückzuführen sei, hält er jedoch für sehr vage.

Weniger Fragen nach Schwangerschaftsrisiken

In anderen Bereichen gibt es mehr Informationen. So seien Fragen und Sorgen bezüglich der Auswirkungen des Coronavirus auf das ungeborene Kind abgeebbt, hat Glaßmeyer festgestellt. Noch im März zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland seien diese sehr häufig geäußert worden und es habe wenig Informationen diesbezüglich gegeben, sagt der Arzt.

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Mittlerweile sei die Fachgesellschaft der Gynäkologen der Meinung, eine Übertragung des Virus über den Mutterkuchen sei sehr unwahrscheinlich. Es gebe insgesamt nur einen bestätigten Fall. Das Stillen des Kindes sei unbedenklich, denn das Virus sei bislang nicht in der Muttermilch nachzuweisen gewesen.

Und auch die werdenden Väter dürfen aufatmen. Sie können im St. Rochus-Hospital die Geburt ihres Kindes begleiten und im Anschluss auch am Bett ihrer Partnerin und des neugeborenen Kindes bleiben. Der Besuch weiterer Familienmitglieder ist jedoch bis auf weiteres nicht gestattet.

Während Hebammen und Vater bei der Geburt eine Maske tragen müssen, darf die Mutter sie „in der entscheidenden Phase“ abnehmen.

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