Bahnübergang am Westring sorgt seit drei Jahren für Dauerfrust

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Drei Jahre und kein Ende in Sicht: Der Bahnübergang am Westring sorgt bei Autofahrern für Dauerfrust. Eine versprochene technische Lösung ist nicht in Sicht. Eine Bestandsaufnahme.

Castrop-Rauxel

, 28.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Frühsommer 2017 begann das große Elend am Westring in Badenhorst: Die Bahn ersetzte dort am Bahnübergang die seit ewigen Zeiten vorhandenen Halbschranken durch Vollschranken. Dadurch sollte die Sicherheit am Bahnübergang erhöht werden.

Ob die Sicherheit tatsächlich erhöht wurde, darüber liegen keine Statistiken vor. Was aber deutlich erhöht wurde, ist die Wartezeit vor dem Bahnübergang und der Frust bei allen Verkehrsteilnehmern, die diese Strecke benutzen müssen.

War früher allein der Bahnübergang am Deininghauser Weg ob seiner Wartezeiten, die er Auto- und Lkw-Fahrern bescherte, ein dauerhaftes Ärgernis, so kommt jetzt seit drei Jahren der Westring hinzu.

Auch der Bahnübergang am Deininghauser Weg sorgt seit Jahren für Dauerfrust bei Autofahrern

Auch der Bahnübergang am Deininghauser Weg sorgt seit Jahren für Dauerfrust bei Autofahrern © Matthias Langrock

Schon im Juli 2017 hagelte es Beschwerden. Die gaben wir seinerzeit direkt an die Bahn weiter. Mit einem schon damals sehr überraschenden Ergebnis: Dirk Pohlmann aus dem Team der Bahnsprecher in Düsseldorf bestätigte, dass man an dem Bahnübergang nun durchaus längere Wartezeiten in Kauf nehmen müsse.

„Das liegt an der Umstellung von Halb- auf Vollschranken. Bei den Vollschranken wird ein radargestütztes Überwachungssystem eingesetzt, um sicherzustellen, dass sich zwischen den Schranken kein Fahrzeug befindet, ehe freie Fahrt gegeben wird. Diese zusätzliche Gefährdungsüberwachung kostet aber Zeit, sodass sich die Schranken manchmal zwischen zwei Zügen nicht öffnen können“, begründete Pohlmann die Verzögerungen.

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Pohlmann weiter: „Da geht in diesem Fall Sicherheit vor Tempo, das ist bei Vollschranken leider so. Halbschranken, die da vorher montiert waren, funktionieren zügiger. Das war aber vor den Bauarbeiten der Stadt Castrop-Rauxel so mitgeteilt worden.“

Die Stadt dementierte das damals und wollte in Gespräche mit der Bahn einsteigen, um das Zeitproblem zu reduzieren. Zumal sich schnell heraus stellte, dass die massiven Wartezeiten für Feuerwehr- und Rettungseinsätze zu echten Bedrohung geworden waren.

Feuerwehr bekam irgendwann eine Telefonnummer

Immerhin das konnte schließlich ausgeräumt werden. Denn die Feuerwehr erhielt eine Telefonnummer, über die sie seitdem die Bahn erreichen kann, um im Einsatzfall die Schranken öffnen und Züge auf offener Strecke anhalten lassen zu können.

Am generellen Problem aber hat sich auch heute, ziemlich genau drei Jahre nach dem Umbau der Schrankenanlage, nichts geändert. Am Dienstag (26.5.) trafen wir bei einem Besuch vor Ort viele frustrierte Verkehrsteilnehmer an, die vor geschlossenen Schranken warteten.

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Immer Ärger mit dem Bahnübergang Westring

„In der Regel fahre ich hier gar nicht mehr hier her, sondern nehme den Umweg über Rauxel“, erzählte etwa ein Mitarbeiter des EUV, der seine Zeit vor dem Bahnübergang vertun musste. Und selbst ein Radfahrer, der eigenen Worten nach eher selten den Westring benutzt, kennt das Problem: „Wenn ich hier unterwegs bin, muss ich eigentlich immer warten. Die Spitze waren mal über 20 Minuten und sechs Züge.“

„Das ist eine andauernde Katastrophe“

Auch André Buttke kann ein bitteres Lied vom Warten am Westring singen. Der Herner, der bei einer Castrop-Rauxeler Handwerksfirma arbeitet, muss das Elend sogar zweimal am Tag aushalten: „Ich muss auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause immer diesen Weg nehmen“, erzählt er am Dienstagmittag, als er auch noch im Firmenfahrzeug vor den Schranken wartet. „Das ist eine andauernde Katastrophe“, bestätigt er Nachfragen.

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Ändern wird sich daran offenbar weiterhin nichts. Denn auch drei Jahre nach dem Umbau gibt es von Seiten der Stadt und der Bahn keine Signale, dass sich an der Situation etwas ändern könnte. „Eine technische Lösung des Problems soll kommen“, sagte Kirsten Verbeek, Pressesprecherin der Deutschen Bahn, im März 2018. Passiert ist nichts. Bis heute, zweieinhalb Jahre danach.

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Wird am Bahnübergang am Westring jetzt doch noch alles gut? Inzwischen hat sich die Bahn zu der aktuellen Situation geäußert. Wie die finale Lösung aussieht, steht aber noch nichts fest.

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