Schweriner Landwirt bei Bauern-Protest: „Richtig viele Leute haben uns zugejubelt“

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Schweriner Landwirt Jan Kremerskothen war am Montag beim deutschlandweiten Traktorprotest dabei - und sieht keine anderen Optionen mehr. Aufhören zu streiken will er nicht.

Schwerin

, 27.11.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bauern streiken - und das soll auch erst einmal nicht aufhören. Das sagte Schweriner Bauer Jan Kremerskothen am Montag (25. November) unserer Redaktion. Auch er war am Montag dabei, als sich erneut hunderte Landwirte auf der Umgebung auf den Weg machen, um gegen das Agrarpaket der Regierung zu protestieren.

Um 11 Uhr ging es auch für Kremerskothen in Waltrop los. Zusammen mit 38 anderen Traktoren ging es dann zum Zubringer Merklinde, von wo aus der Konvoi Richtung Bochum-Wattenscheid startete. „Die Straßen und Kreuzungen haben wir selbstständig gesperrt, da um die Uhrzeit noch keine Polizei vor Ort war“, erzählt Kremerskothen.

Zu spät zur Kundgebung

Um halb zwei nachmittags traf der Zug in Wattenscheid ein, wo sie auf die Trupps aus Bottrop und Borken warteten. Währenddessen startete bereits die Kundgebung an der Westfalenhalle, die Kremerskothen und sein Konvoi aufgrund der Verspätung verpassten.

Doch auch wenn er als Fahrer einer der insgesamt 500 Traktoren erst um halb vier auf den Parkplatz der Westfalenhallen einfuhr, hält Kremerskothen die Aktion für alles andere als überflüssig. „Wir sind im Feierabendverkehr Richtung Westfalenhalle gefahren, und das hat die Autofahrer sicherlich nicht positiv gestimmt“, so Kremerkothen.

Schweriner Landwirt bei Bauern-Protest: „Richtig viele Leute haben uns zugejubelt“

Landwirt Jan Kremerskothen hat nicht vor, sich das Agrarpaket einfach gefallen zu lassen. © Iris Müller

Daumen hoch für die Landwirte

Doch trotzdem sei die Resonanz weitgehend positiv gewesen. „Richtig viele Leute waren auf der Straße und haben uns zugejubelt und geklatscht, die Daumen hochgehalten“, erzählt der Landwirt. Wäre es selbst Autofahrer gewesen, wäre auch er nicht glücklich über den Stau und die Verkehrsbehinderungen gewesen, gesteht er allerdings.

Der Plan sei gewesen, noch weiter nach Bielefeld zu fahren, doch das habe aus Zeitgründen nicht mehr geklappt. Andere Landwirte hatten sich schon am Montag auf den Weg gemacht, um an der großen Protestaktion am Dienstag in Berlin teilzunehmen, und so auch Kremerskothens Vater, Wilhelm Kremerskothen. „Mein Vater hat dafür aber den Sonderzug der Deutschen Bahn genommen, und nicht den Traktor.“

Friedlicher Protest vorprogrammiert?

Ob all der Protest zu einem Umdenken der Politik führen wird, davon ist Kremerskothen nicht überzeugt. „Es wird sich zeigen. Doch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bereits gesagt, dass sie das aktuelle Agrarpaket so weiter führen möchte.“ Der Landwirt fürchtet, dass sie den Kurs weiter durchziehen wird. „Was die nächste Option für uns Landwirte wäre, weiß ich auch nicht“, gibt er zu.

Weitere Aktionen seien nun erst einmal nicht geplant, doch ruhen werden die Landwirte in der Region wohl nicht. Nun warten sie ab, ob in Berlin Zugeständnisse gemacht werde. „Sonst wird es friedlich weitergehen“, glaubt Kremerskothen. Seine Sorge ist, von Politik und Öffentlichkeit nicht ernst genommen, oder möglicherweise sogar ignoriert zu werden.

„Es geht um Existenzen“

Der Euphorie der Landwirte für diese Protestbewegung würde das keinen Abbruch tun. „Das wird sich keiner weiter so gefallen lassen. An dem Agrarpaket hängen Existenzen, die bedroht sind“, so Kremerskothen.

„Wir tragen sicher eine Mitschuld an der Nitratbelastung und am Insektensterben. Aber wir werden zu unrecht an den Pranger gestellt, denn hauptverantwortlich sind wir nicht.“ In Berlin wollen am Dienstag (26. November) mehrere Tausend Bauern demonstrieren, 10.000 Teilnehmer und 5000 Traktoren werden erwartet. Bis zu 20 Kilometer lange Konvois verstopften bereits am Morgen die Innenstadt. Bundesagrarministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze versuchten gegen Mittag ,Verständnis zu schaffen für Insekten- und Trinkwasserschutz - und trafen auf das Unverständnis der Landwirte.

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