Beim letzten Smiley hat`s gekracht - Porsche Cayenne rammt Leitplanke

hzDoch kein Sekundenschlaf

Weil er mit der Freundin während der Autobahn-Fahrt schrieb, rammte ein 24-Jähriger die Leitplanke. Der Polizei hatte er indes einen anderen Grund genannt. Sein „Geständnis“ hatte gute Gründe.

Castrop-Rauxel

, 02.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim letzten Smiley krachte es an einem Novembermorgen auf der A 42 in Richtung Duisburg. Gegen 7.20 Uhr touchierte der Porsche Cayenne des 24-Jährigen die Betonkante auf der linken Seite, driftete dann nach rechts und landete in der Leitplanke.

Der Fremdschaden lag rund 1100 Euro, die Reparaturkosten für den teuren Pkw wurden beim Prozess vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel nicht genannt. Klar ist aber: Trotz Vollkasko verweigert die Kfz-Versicherung die Übernahme der Reparaturkosten.

Und wird vermutlich auch jetzt nicht zahlen, nachdem der Fall vor Gericht verhandelt worden ist. Der Polizei, die der Fahrer nach dem Unfall direkt informierte, hatte er erklärt, er sei übermüdet gewesen, der Unfall Folge eines Sekundenschlafes.

Ein langes Date

Das konnte man auch glauben, nachdem der Angeklagte geschildert hatte, wie er die Zeit vor dem Unfall verbracht hatte. Bei einem langen Date, das erst im Morgengrauen endete. Doch zuvor habe er vom Nachmittag bis zum Abend geschlafen.

„Ich hatte mich am Phoenixsee in Dortmund-Hörde mit meiner Freundin verabredet“, sagte er aus. So gegen 22 Uhr habe er die Frau aus Hamm getroffen. Erst ein Restaurant-Besuch, dann ein Spaziergang. Und was für einer. „So etwa sechs Stunden sind wir am See unterwegs gewesen“, bestätigte der 24-Jährige dem verwunderten Richter. Man habe sich halt viel zu erzählen gehabt.

Das Mitteilungsbedürfnis war anscheinend noch nicht erschöpft, als sich das Paar kurz vor 7 Uhr trennte, in entgegengesetzte Richtungen davonfuhr. „Mein Mandant hat ununterbrochen getextet“, überraschte der Verteidiger des Angeklagten die Anwesenden. Und schob nach: „Wer textet, schläft nicht. Er war hellwach. Hat der Polizei nur aus Angst etwas Falsches erzählt.“

Chatverlauf als Beweis

Diese Wende im Verfahren wurde mit dem Ausdruck eines Chat-Verlaufs belegt, der auf die Sekunde genau wiedergab, was sich die beiden noch zu sagen hatten. Mit Worten und zahlreichen Emojis – bis zum verhängnisvollen Smiley, der die Kommunikation abrupt beendete.

Warum diese Wende? Die Antwort gibt die Strafbemessung. Während ein Unfall aufgrund eines Sekundenschlafs eine fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und damit eine Straftat darstellt, ist Benutzen eines Handys am Steuer eine Ordnungswidrigkeit.

„Und dafür haben wir die Beweise“, trumpfte der Anwalt auf. Sein Joker: Als Ordnungswidrigkeit war das Delikt bereits verjährt, muss nämlich spätestens drei Monate nach dem Vorfall angezeigt werden. Die Konsequenz: Kein Urteil, sondern eine Einstellung des Verfahrens. Mit der Auflage, 150 Euro an die Verkehrswacht zu zahlen. Dazu die Kosten für die Leitplanke wie die Reparatur des teuren Schlittens.

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