Beschwerde: Popo-Plakat wird Fall für den Werberat

Sexismus in der Werbung

Ein schöner Rücken kann entzücken, weiß der Volksmund. Ganz und gar nicht entzückt über ein Werbeplakat, das neben dem Rücken einer Dame auch das Gesäß in den Mittelpunkt rückt, ist Angelika Himmert. Die Gleichstellungsbeauftrage der Stadt hat in Sachen Popo-Plakat nun den Deutschen Werberat eingeschaltet.

CASTROP-RAUXEL

, 21.04.2016, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sexismus in der Werbung? Dieses Plakat beschäftigt Castrop-Rauxels Gleichstellungsbeauftragte.

Sexismus in der Werbung? Dieses Plakat beschäftigt Castrop-Rauxels Gleichstellungsbeauftragte.

Am Mittwoch bestätigte Himmert auf Anfrage, dass eine Beschwerde auf den Weg gebracht worden ist. Diesen Schritt begründet sie damit, dass die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in NRW sich dahingehend geeinigt hätten, dass Werbung als diskriminierend zu werten und der Werberat einzuschalten sei, wenn sich auch nur eine Person benachteiligt fühle.

Angelika Himmert: „Bei Inaugenscheinnahme des Plakats war ich negativ berührt und fühlte mich als Frau benachteiligt.“ Laut der Gleichstellungsbeauftragten erwecke die Werbebotschaft ihrer Meinung nach den Anschein, dass damit die Potenziale der Frauen lediglich an der äußeren Erscheinung und an den allgemeingültigen Schönheitsnormen festgemacht werden würden.

„Ob diese Einwände vom Entscheidungsgremium des Werberats als „Produkt-konform“ eingestuft werden wird bleibt abzuwarten“, so Himmert.

Nachfolgeplakat der umstrittenen Kampagne

Dass nun auch das Nachfolgeplakat der umstrittenen Kampagne des vorherigen Jahres („Fitness ist für'n Arsch“) Unmut erzeugt, findet man nun im Fitness Center „Easy Fitness“ an der Widumer Straße nicht schlimm. „Das ist eben Marketing. Und einen straffen und trainierten Po assoziiert man eben mit einem Training im Studio“, so der Betreiber.

Bei diesem ersten Plakat hatte sich Gleichstellungsbeauftragte Angelika Himmert an den deutschen Werberat gewendet. Dieser prüfte das Plakat und kam zu dem Schluss, dass die Werbebotschaft als nicht sexistisch einzustufen sein. Laut Werberat handele es sich um eine "Produkt-konforme" Werbung, die nicht zu beanstanden sei - das Plakat durfte bleiben.

Welche Werbeagentur nun hinter den vermeintlich sexistischen Plakaten steckt, will Michael Mäder, der Chef des Hannoveraner Franchise-Unternehmens „Easy Fitness“ nicht verraten. Wohl aber merkt er an, dass das neue Motiv sowie der Slogan bewusst auf die Aufregung über das Plakatmotiv im Vorjahr anspielen.

Wiedererkennungswert der Kampagne

„Natürlich spielt der Wiedererkennungswert bei dieser Kampagne um den Po eine Rolle. Ob man das nun als sexistisch ansehen will oder nicht, ist aber Auslegungssache. Wir haben auch Kampagnen, die sich um den Rücken drehen. Oder welche, in denen Männer ebenso in Szene gesetzt werden. Die hat noch keiner beanstandet“, so Mäder.

Auch verweist er darauf, dass Kampagnen der Mitbewerber manchmal weitaus diskussionswürdiger seien.

Damit, dass das fragliche Popo-Plakat nun geprüft werden sollte, hat er kein Problem. Im Gegenteil: „Dass auch die Politik gerade überlegt, den Sexismus in der Werbung zu prüfen und verschwinden zu lassen, finde ich gut. Und sofern es Auflagen geben wird, werden wir diese auch umsetzen“.  

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