Hannelore Hülseweg wollte sich im Dortmunder Impfzentrum als Betreuerin ihrer pflegebedürftigen Mutter impfen lassen. Ob und wie das geht, konnte ihr niemand beantworten. (Symbolbild) © Matthias Bein (dpa)
Coronavirus

Bittere Klagen über ein komplettes Informations-Chaos an der Impffront

Zwei Frauen beklagen sich bitter über komplettes Chaos an der Impf-Front gegen Corona. Die eine pflegt ihre 92 Jahre alte Mutter, die andere scheiterte dabei, einen Astrazeneca-Termin zu bekommen.

Impfärger und Impffrust herrscht derzeit vielerorts. Denn vielen Menschen scheint es so, als ob niemand so ganz genau weiß, wer nun wo verantwortlich ist, wenn es um Impf-Fragen geht. Zwei Leserinnen haben uns dazu ihre frustrierenden Erfahrungen der vergangenen Tage geschildert.

Fall 1: Hannelore Hülseweg und das Dortmunder Impfzentrum

Hannelore Hülseweg wohnt in Frohlinde. Die 62-Jährige und ihr bald 71 Jahre alter Mann beherbergen seit dem vergangenen Juli ihre pflegebedürftige Mutter (92). Sie hat aber auch noch ihre Wohnung in Kirchlinde und ist deshalb in Dortmund gemeldet.

Mit der Mutter musste Hannelore Hülseweg nun zur zweiten Corona-Impfung in das Dortmunder Impfzentrum auf dem Phoenix-Gelände in Hörde fahren. „Dort habe ich nachgefragt, ob wir als pflegende Angehörige auch geimpft werden können“, schildert die Frohlinderin. Das sei so nicht möglich, lautete die Auskunft. Dafür bräuchte sie eine Bescheinigung ihrer Krankenkasse.

Damit begann das Elend. Denn die Krankenkasse bestritt ihre Zuständigkeit. Sie verwies auf die Kassenärztliche Vereinigung. Der Anruf dort lief aber auch ins Leere. „Dort sagte man mir, dass der Kreis Recklinghausen die zuständige Stelle sei“, so die 62-Jährige. Der aber, man ahnt es, sieht sich auch nicht zuständig.

„Das ist doch eine einzige Katastrophe!“

Hannelore Hülseweg, Frohlinde

„Das ist doch eine einzige Katastrophe“, findet Hannelore Hülseweg, „da weiß doch die rechte Hand nicht, was die linke Hand tut und wir als Bürger sind komplett hilflos.“ Sie habe sich nun an ihren Hausarzt wenden wollen, der aber sei diese Woche in Urlaub.

Und so blieb die Frohlinderin ratlos zurück. „Ich bin ja eigentlich nicht zimperlich, aber das regt mich jetzt wirklich auf“, schilderte sie uns ihre Gemütsverfassung.

Fall 2: Elke Tönnis und ihr Bemühen um Astrazeneca

Die sieht bei der 65-jährige Elke Tönnis aus Rauxel kaum anders aus. Die wollte am Samstag gegen 9 Uhr über die Servicestelle der KVWL einen Impftermin mit Astrazeneca bekommen. „Die Dame wies mich energisch zurück, ich sei noch nicht an der Reihe. Auch meine Einwände, dass das doch durch die Presse gegangen sei und ich mich zusätzlich noch in bestimmten Foren informiert hätte, wurden von ihr rigoros zurück gewiesen“, klagt die Rauxelerin.

Nachdem sie sich noch einmal im Internet schlau gemacht hatte, versuchte sie es erneut, verbrachte fast zwei Stunden in der Warteschlange „und wurde dann mit einem Mitarbeiter verbunden, der offensichtlich nicht der deutschen Sprache mächtig war“. Sie erhielt schließlich zwar Terminzusagen, aber keine Bestätigungsmail.

Elke Tönnis: „Nachdem mein Partner am Sonntag zur Terminvergabe durchgedrungen war, zwei Impftermine in Iserlohn erhalten hatte, obwohl er in Recklinghausen wohnt, und wenig später auch bereits die Bestätigung per Mail erhielt, wurde ich unruhig.“

Beim dritten Anruf erhielt sie nun von einer offenbar kompetenten und äußerst freundlichen Dame die Auskunft, dass für sie gar keine Impftermine eingetragen seien. Und die Termine in Recklinghausen vergeben. Ob ihr Partner in Iserlohn geimpft würde, sei fraglich, da man in keinem anderen Impfzentrum einen Termin vereinbaren dürfe. Elke Tönnis‘ Partner könne zwar zu dem Termin fahren, aber er müsse damit rechnen, dass er abgewiesen würde.

„Alles, was nur schief laufen konnte, ist bei mir schief gelaufen.“

Elke Tönnis, Rauxel

All das sorgt bei der Rauxelerin für Frust: „Alles, was nur schief laufen konnte, ist bei mir schief gelaufen – und ich kann nicht glauben, dass ich da ein Einzelfall sein soll. Es ist nur frustrierend, enttäuschend und niederschmetternd und stellt für mich eine Verschwendung von Ressourcen und Zeit auf beiden Seiten dar.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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