Bochumer Stadtverwaltung hat bisher keine Bedenken gegen Ecosoil-Ansiedlung

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Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Ecosoil beim Dämmstoffe-Unternehmen Philippine in Gerthe ansiedelt. Die Stadt Bochum sieht keine großen Probleme. Politiker sind sauer, Merklinde wehrt sich.

Merklinde

, 04.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag (4.9.) um 15.30 Uhr gibt es einen Protestmarsch. Der soll den Ärger einiger Merklinder deutlich machen: Sie wollen verhindern, dass sich hinter der Stadtgrenze zu Bochum ein neues Unternehmen ansiedelt. Doch wie ist der Stand der Dinge? Fragen und Antworten.

? Wann findet die Demonstration genau statt?

Der Bürgerverein „Wir sind Merklinde“ hat die Protestaktion angemeldet. Treffen ist um 15.30 Uhr in der Harkortsiedlung am Schaukasten des Stadtteilvereins. Von dort geht es lautstark, wie Vorsitzender Willi Müller ankündigt, über die Gerther Straße in einem Marsch in die Nähe des Ortes, wo sich die Firma Ecosoil niederlassen will: Eine Versammlung mit Kundgebung ist auf dem Parkplatz der Firma Wilhelm Büchter Kornbrand, Gerther Straße 98 bis 104, vorgesehen. Danach soll es noch einen Austausch geben.

? Wer unterstützt die Demo?

Die Zahl der Unterstützer nimmt zu. Nachdem die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung erstmals im Betriebsausschuss 3 am 18. Juni berichtet hatte, dass es einen Neuansiedlungs-Plan gebe, war in der Politik gleich Ablehnung zu vernehmen. Bauamtsleiter Philipp Röhnert wies nach einem kurzen Vortrag und anschließender Diskussion allerdings schon darauf hin, dass der Einfluss der Castrop-Rauxeler Verwaltung und Politik vermutlich gering sei, da das Areal, der ehemalige Firmensitz von Philippine, auf Bochumer Stadtgebiet liegt. Also entscheiden die Bochumer Politiker oder die dortige Stadtverwaltung. Die Castrop-Rauxeler Grünen, die SPD und die CDU haben sich längst als Gegner der Ansiedlung positioniert. Nur die FDP stimmte damals in der Ausschusssitzung nicht dafür, dass das Castrop-Rauxeler Rathaus die Bedenken nach Bochum tragen möge. Vor allem direkte Anwohner der Gerther Straße sind dagegen.

? Warum gibt es Gegner?

Es könnten bis zu 300 zusätzliche Lkw-Bewegungen auf die umliegenden Straßen zukommen, unter anderem die Gerther Straße Richtung B235. Am Tag. Laut der von der Castrop-Rauxeler Politik vorgetragenen Prognosen würden die über den Tag gemessenen Lärm-Emissionen leicht steigen. Das berücksichtige aber nach Befürchtungen aus der Politik die Lautstärke-Spitzen einzelner vorbeiratternder Laster nicht. Zudem könne es Staub geben, der bis nach Castrop-Rauxel fliegt.

? Was ist überhaupt geplant?

Ecosoil will nach den bisher bekannten Vorlagen mit einer Bodenaufbereitungsanlage aus dem Stadtteil Riemke nach Gerthe umziehen. Die soll zum Teil in Hallen und Boxen, aber auch auf abgeschottetem Freigelände arbeiten. Es werde kein Material gebrochen, aber gesiebt.

? Was sagt die Bochumer Politik und Verwaltung?

Die tagte diese Woche in der Bezirksvertretung Nord. Dort sprachen sich laut Uwe Manthey, einem Politiker aus Castrop-Rauxel, der als Zuschauer dabei war, alle Fraktionen bis auf die CDU gegen „jegliche Ansiedlungen verkehrsintensiver Betriebe in diesem Bereich“ aus. Der Pferdefuß: In dieser Sitzung ging es nur um Kenntnisnahme der Stadtteil-Politiker, nicht um einen Beschluss.
Eine Nutzungsgenehmigung liegt durch den Vornutzer des Geländes vor. Da es sich bei den Materialien, die gelagert und aufbereitet werden, ausschließlich um „nicht gefährliche, mineralische Böden“ handle, gibt es keine Einwände. „Wenn die Prüfung der Gutachten positiv ausfällt und naturschutzrechtliche Bedenken nicht bestehen, wird die Verwaltung die Bauvoranfrage positiv bescheiden“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Die Politiker der Bezirksvertretung äußerten laut Bericht der WAZ ihren Unwillen. Bezirksbürgermeister Henry Donner (SPD) sagte: „Wir rügen aufs Schärfste, dass wir nicht ausreichend informiert wurden.“ Es fehlten ihnen die gutachterlichen Vorlagen, die Philipp Röhnert der Castrop-Rauxeler Politik im Juni unterbreitete.

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