Bürgerbüro Castrop-Rauxel: Die Zustände sind einfach nicht haltbar

Kommentar

Das Bürgerbüro ist ein einziger Dauerärger. Die Stadt beteuert, sie tue alles, um den Service zu erhöhen. Das klappt aber nicht, sagen die Bürger. Und deren Unmut ist völlig verständlich.

Castrop-Rauxel

, 20.07.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bürgerbüro Castrop-Rauxel: Die Zustände sind einfach nicht haltbar

Das Bürgerbüro ist ein Dauerthema uín Castrop-Rauxel. © Mario Bartlewski

Früher waren wir Untertanen und quasi machtlos einem Regime und dessen Vertreten ausgesetzt. Dann wurde unser Land eine Republik und die Untertanen zu freien Bürgern. Die Bürokratie in Deutschland ist da nicht so recht mitgekommen. Ist ja auch erst ein paar Tage her. Für die Amtsperson, so scheint es, sind wir noch längst keine Kunden geworden, denen man einen Service bietet.

Der Mensch ist Fall und nicht Kunde

Nein, für den Bürokraten in seiner Amtsstube sind wir immer noch eher lästige Fälle denn Menschen. Das spiegelt sich in der unkaputtbaren Amtssprache wieder, die so manches Formular selbst für einen klar denkenden Menschen zum komplett unverständlichen Murks machen. Das spiegelt sich aber erst recht darin wieder, wie groß die personellen Ressourcen in Verwaltungen dimensioniert werden, die leibhaftig mit dem Bürger zu tun haben. Dabei von Größe zu sprechen ist schon der falsche Terminus.

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Der Amtmann (auch wenn er heute nicht mehr so heißen mag) hat es da offenbar auch heute noch lieber mit der Akte zu tun. Die kann er schön von rechts nach links schieben und in Ruhe bearbeiten. Wenn dagegen diese realen Menschen im Bürgerbüro stehen, dann muss man tatsächlich tätig werden. Abrupt quasi. Nun haben die Bürger aber nun mal Anliegen. Und sie bezahlen die Behördenmitarbeiter mit ihren Steuern. Sie sind der Souverän in diesem Staate.

Acht Wochen auf Kaffee warten?

Da darf man doch erwarten können, dass eine Verwaltung alles nur denkbar Mögliche in die Waagschale wirft, um diesen Bürgern ihre Anliegen zu erfüllen. Natürlich kann man sich frühzeitig um seinen Personalausweis kümmern und muss nicht in letzte Minute im Rathaus stehen.

Aber wenn ich zu Hause feststelle, dass mein Kaffee alle ist, erwarte ich auch, sofort Nachschub zu bekommen und melde meinen Bedarf nicht im Supermarkt an, um in sechs Wochen den Kaffee abzuholen. Wenn mein Auto streikt, muss ich in der Werkstatt vielleicht auch warten. Aber ein Termin in vier Wochen? Wie würden Sie darauf reagieren? Und wie würde der Amtmann darauf reagieren?

Wir erwarten Serviceleistung

Eben. Darum: Ich habe Verständnis für Personalengpässe im Bürgerbüro aus Krankheitsgründen. Aber wie es eine Verwaltung über Monate und Jahre nicht gebacken bekommen kann, den strukturellen Missstand dort zu beseitigen, das begreife ich nicht. Wir sind die Bürger, für die gearbeitet werden muss. Wir erwarten Serviceleistung.

Dann muss sich der Bürgermeister eben mal selbst ins Bürgerbüro setzen, statt bei Terminen Hände zu schütteln. Soll doch seine Sozial-Beigeordnete im Bürgerbüro mal Dienst machen, statt in Meetings zu sitzen.

Ich weiß, dass man mir jetzt Populismus vorwirft, dass der Bürgermeister und sein Rathaus nicht amüsiert sein werden. Aber es geht nun mal ganz und gar nicht um sie, sondern um den Bürger.

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