Casconcept denkt neu: Ist der Marktplatz als Parkplatz nicht verschenkt?

hzAltstadt

Mit neuem Personal will die Standortgemeinschaft Casconcept 2021 in der Altstadt wieder Gas geben. Digitaler und jünger will man werden, mehr Service und Ideen bieten. Und alles hinterfragen.

Castrop

, 24.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Pläne hat die Standortgemeinschaft Casconcept nach einem halben Jahr Corona-Störung und rund zehn Jahre nach dem Scheitern der geplanten Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG)?

In der sollten einst Immobilienbesitzer, Händler und Stadt die Geschicke der Altstadt gemeinsam in die Hand nehmen sollten. Große Pläne hatte man damals, wollte mit viel Licht, neuen Plätzen, neuen Stadtzugängen und einer großen Service-Offensive des Handels neues Leben in eine schon damals erkennbar leidende Altstadt bringen.

Die Pläne scheiterten damals, im Jahr 2009, nach einer Modellprojekt-Phase an einer Mehrheit von Altstadt-Handelnden. „Das ist so in einer Demokratie, das wollen wir in der Rückschau auch gar nicht beklagen“, sagt Matthias Zimmer, der die ISG-Idee damals vehement verfochten hat, heute. Der Juwelier ist als Casconcept-Vorsitzender weiter eines der Altstadt-Gesichter.

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„Vielleicht war damals der Leidensdruck noch nicht hoch genug“, spekuliert Prof. Ulrich Breilmann, damals wie heute einer der Wegbegleiter von Zimmer. Gute Ladenmieter zu finden, sei viel schwerer geworden. Auf inhabergeführte Geschäfte folgten viel zu oft Ketten. Und dann Ein-Euro-Shops. „Oder Döner-Buden“, so Breilmann. Corona habe dem Handel noch einmal massiv zugesetzt. Das merke die gesamte Altstadt: ob Händler, Kunden oder Vermieter.

Alle Veranstaltungen abgesagt

Casconcept will das nicht einfach hinnehmen. Zwar sagte man wegen Corona alle Veranstaltungen dieses Jahres ab. Aber man habe die Zeit genutzt, um Ideen zu schmieden und neue Mitstreiter zu finden, erzählen die beiden Casconcept-Vorstandsmitglieder bei einem Treffen in der Altstadt.

Matthias Zimmer (Vorsitzender von Casconcept) will mit der Standortgemeinschaft noch einmal versuchen, die Altstadt neu aufzustellen. Dazu hat man sich jüngeres Personal gesucht.

Matthias Zimmer (Vorsitzender von Casconcept) will mit der Standortgemeinschaft noch einmal versuchen, die Altstadt neu aufzustellen. Dazu hat man sich jüngeres Personal gesucht. © Marian von Hatzfeld

Und mit diesen Ideen und neuen, jüngeren Mitstreitern will die Standortgemeinschaft im kommenden Jahr neu angreifen. Anfang November wird ein neuer Vorstand gewählt. Dem sollen jüngere Menschen angehören. „Denn auch wir brauchen natürlich Zukunft, brauchen neue, digitalere und moderne Vorstellungen, wie die Altstadt künftig ihren Platz finden kann“, so Zimmer.

Mit neuem Personal will man neu an die Immobilienbesitzer und die Politik herantreten, will mit der Stadtverwaltung über die noch zu gründende Marketinggesellschaft einen weiteren Unterstützer gewinnen. „Denn klar ist: Wir müssen in dieser Zeit auch an Fördertöpfe heran kommen, um die Altstadt als attraktiven Lebens- und Handelsraum neu aufzustellen“, glaubt Breilmann.

Man will aber auch auf die Handelnden in anderen Stadtteilen zugehen, um Kooperationen, gegenseitige Unterstützung an die Stelle der Nord-Süd-Schwelle zu setzen. Und man will ganz deutlich auf die Kunden zugehen. „Da muss der Handel viel kreativer werden, da müssen viel mehr Dienstleistungen geboten werden. Da muss auch nach Hause geliefert werden, da müssen rasche Bestellmöglichkeiten geschaffen werden“, findet Breilmann.

Neues Denken und Nachhaltigkeit

Wichtig sei, dass man den stationären Handel in einem Altstadtflair mit guter Gastronomie als Gesamterlebnis präsentieren könne. „Und die haben wir hier ja mit dem 1910, den Eisdielen, dem Martins, Il Caffé oder der Kulisse“, nennt Zimmer Beispiele. Das gebe es im Internet nicht.

Das werde keine Sache, die von heute auf morgen funktionieren könne, so Zimmer; aber auch keine, bei der man noch unglaublich viel Zeit habe, so Breilmann. Mit neuen, jüngeren Mitstreitern will Casconcept bewusst auf neues Denken, aber auch auf Nachhaltigkeit setzen.

Prof. Ulrich Breilmann scheut auch vor unbequemen Fragen nicht zurück. Den Marktplatz als Parkplatz hält er für völlig verschwendetes Potenzial.

Prof. Ulrich Breilmann scheut auch vor unbequemen Fragen nicht zurück. Den Marktplatz als Parkplatz hält er für völlig verschwendetes Potenzial. © Mark Siekmann

Dabei dürfe es keine Hemmungen geben, alte Zöpfe abzuschneiden. „Brauchen wir den Marktplatz wirklich als Parkplatz? Der wäre doch viel besser für Außengastronomie oder Spielangebote zu nutzen“, findet Breilmann. „Parkplätze können wir auch ein Stück weiter weg in einem Parkhaus schaffen. Das klappt ja in Lünen auch.“

Muss man nicht viel mehr an Radfahrer denken? Müssen Vermieter nicht neuen Händlern entgegen kommen, die Miete zum Start etwa an den Umsatz koppeln? Um Händler zu bekommen, die Neues ausprobieren können in dieser Altstadt.

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