In Österreich machen Schüler schon Selbsttests, in Deutschland sind gerade erst drei verschiedene zugelassen worden. © picture alliance/dpa/APA
Coronatests

Castrop-Rauxeler Apotheker: Corona-Selbsttests gut, aber problematisch

Erste Corona-Selbsttests sind zugelassen, Schnelltests soll es bald kostenlos geben. Das ist gut, sagen Apotheker in Castrop-Rauxel. Aber keiner wisse, wie sie funktionieren. Und es gibt Risiken.

Hoch ansteckende Mutationen des Coronavirus sorgen derzeit dafür, dass die Infizierten-Zahlen nicht weiter sinken. Coronatests sind deshalb ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Dabei muss man unterscheiden zwischen den medizinischen Schnelltests und den Selbsttests.

Wir haben bei zwei Apothekern und dem Kreisgesundheitsamt wegen beider Testformen nachgefragt. Dass die oft durcheinandergebracht würden, daran sei auch Jens Spahn schuld.

Ginge es nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dann gäbe es bereits ab kommender Woche kostenlose Schnelltests für jedermann. Getestet würde in Testzentren, in Arztpraxen oder in Apotheken. Zunächst hatte Spahn als Starttermin den 1. März angekündigt, musste dann aber zurück rudern. Jetzt soll bei der nächsten Ministerpräsidentenrunde am Mittwoch (3.3.) darüber gesprochen werden.

Für Corona-Selbsttests hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Mittwoch (24.2.) die ersten drei Sonderzulassungen erteilt, die man auch ohne Schulung zu Hause machen kann. Sie sollen auch in Drogeriemärkten und Discountern wie Aldi und Lidl angeboten werden. Was sie kosten werden, steht noch nicht fest.

Den Apotheken fehlt in der Regel der Raum, um Testungen zu machen

„Spahn als Ankündigungsminister“, diese Kritik teilen auch zwei Apotheker in der Europastadt. Winfried Radinger, Inhaber der Altstadt-Apotheke am Markt, findet die Idee der medizinischen Schnelltests durch geschultes Personal theoretisch gut. Doch anbieten wird er diesen Service seinen Kunden nicht. „Ich habe nicht die räumlichen Möglichkeiten dafür. Ich kann ja schlecht zwischen Bushaltestelle und Eingangstür testen.“

Winfried Radinger ist Inhaber der Altstadt-Apotheke.
Winfried Radinger ist Inhaber der Altstadt-Apotheke. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Auch Detlef Steinweg, Inhaber der Paracelsus-Apotheke, Im Ort, würde die Schnelltests nicht in seiner Apotheke anbieten. Nicht, dass er dies generell nicht wolle. „Es gibt nur Ankündigungen, aber keine Inhalte. Keine Rahmenbedingungen, keine Strategie“, sagt er.

Detlef Steinweg ist Inhaber der Paracelsus-Apotheke in Castrop-Rauxel
Detlef Steinweg ist Inhaber der Paracelsus-Apotheke in Castrop-Rauxel © privat © privat

Theoretisch ließe sich so ein Testzentrum leicht auf die Beine stellen, so Detlef Steinweg: „Es gibt ja leider genug leere Ladenlokale, auch neben meiner Apotheke ist eins.“ Aber ob er außerhalb seiner Apotheke testen dürfe, sei rechtlich noch nicht klar. Auch anderes müsse gegeben sein: eine Software, genügend Personal, das alles müsse geplant werden.

Mitarbeiter in den Apotheken müssten erst geimpft werden

Er stellt noch eins klar: „Ich kann meinen Mitarbeitern nicht zumuten, dass sie in der Apotheke Tests vornehmen, aber selbst nicht geimpft sind.“ Generell sei in den Apotheken die Personallage nicht so, dass man viele freie Kapazitäten habe.

Wenn er so über die Gesundheitspolitik spricht, wird Detlef Steinweg deutlich: „Vor ein paar Wochen durfte ich noch nicht mal Schnelltests abgeben, und jetzt soll ich Gewehr bei Fuß stehen.“ Mal ganz davon abgesehen, dass es diese Schnelltests ja bereits seit einem Jahr gebe.

Und in Richtung Jens Spahn sagt der Apotheker: „In seinen Ankündigungen wird alles in einen Topf geworfen. Da enttäuscht man Hoffnungen.“ Alles: Das sind eben die Schnelltests und die Selbsttests, von denen jetzt drei zugelassen wurden. Sie sind einfacher zu handhaben. Das Teststäbchen muss nur in den vorderen Nasenbereich eingeführt werden.

Negativergebnis eines Selbsttests darf nicht zu Freiheiten berechtigen

Doch wie zuverlässig sie sind, da sind sich Detlef Steinweg und auch Winfried Radinger nicht ganz schlüssig. Beide finden gut, dass es sie geben wird. So könne man schnell reagieren, wenn beispielsweise die Corona-Warn-App sich meldet. Radinger hat bereits eine Bestellung aufgegeben. Bis 13. März soll die Lieferung kommen, so berichtet er.

Doch Steinweg sagt ganz klar: „Es darf aber nicht sein, dass man mit dem Negativ-Ergebnis von so einem Selbsttest in den Urlaub reisen oder in ein Restaurant gehen kann. „Dann wird jeder Schalke-Fan demnächst mit so einem Testergebnis vor dem Stadion stehen.“

Genau hier hakt auch das Kreisgesundheitsamt in Recklinghausen ein. Man wartet, nicht zum ersten Mal, auf einen Erlass und genaue Bestimmungen durch das Ministerium. „Wir haben reihenweise Fragen gestellt“, sagt Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister.

Nach positivem Test folgen zwingend Quarantäne und ein PCR-Test

Nach jedem positiven Schnelltest muss der Betroffene sofort in Quarantäne und noch einen PCR-Test machen. „Bei den Tests durch geschultes Personal gibt es automatisch einen Zeugen“, so Svenja Küchmeister, „die Fälle werden dem Gesundheitsamt gemeldet“. Doch was ist mit dem Test, der beim Discounter gekauft und auf der Couch zu Hause gemacht wurde? „Da muss es klare Regeln geben.“

Und an die muss man sich halten. Wer gegen die Quarantäneverordnung verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen. „Und das kann teuer werden“, so Svenja Küchmeister. Weitere Pflichten listet das Land in seiner Quarantäne-Verordnung auf der offiziellen Internetseite auf.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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