Klaus Hagenkoetter neben dem umstrittenen Graben an der Brandheide. © Jonas Hildebrandt
Unwetter Bernd

Castrop-Rauxeler beschuldigt EUV: Wer ist Schuld am Wasser im Keller?

Durch den Starkregen sind einem Castrop-Rauxeler Garten und Keller vollgelaufen. Er sieht die Schuld beim EUV, das einen Graben nicht gepflegt haben soll. Dort widerspricht man ihm vehement.

Das Unwetter vom 14. Juli bekam auch Klaus Hagenkötter aus Frohlinde zu spüren. Er wohnt an der Brandheide, der Mühlenbach verläuft direkt hinter seinem Garten.

Der Starkregen traf ihn mit voller Wucht: Sein Garten und der Keller waren voll mit Wasser. Seinen Nachbarn sei es ähnlich ergangen. Den Grund dafür glaubt er zu kennen: Ein Graben, der als Abfluss neben der Straße dient, sei nicht ausreichend gepflegt worden.

„Früher sind drei Mal im Jahr große Mähfahrzeuge vorbeigekommen“, berichtet der Anwohner. Diese hätten den Graben in Stand gehalten. Das geschehe nun nicht mehr. Hagenkötter kritisiert zudem, dass im Rahmen der Sanierung der alten Mülldeponie Brandheide die Straße zwar neu gemacht wurde, der Graben aber nicht berücksichtigt worden sei. Viel Geld habe die Stadt für die Sanierung ausgegeben, „aber für den Graben war das Geld nicht da“, klagt Hagenkötter.

Der Garten von Klaus Hagenkoetter stand während des Unwetters unter Wasser.
Der Garten von Klaus Hagenkoetter stand während des Unwetters unter Wasser. © Klaus Hagenkoetter © Klaus Hagenkoetter

EUV „dementiert Anschuldigungen vehement“

Der EUV widerspricht dem Frohlinder da energisch. Thorsten Werth-von Kampen, stellvertretender Leiter des Stadtbetriebs EUV, dementiert „die Anschuldigungen vehement.“ Die Aussagen von Hagenkötter seien „nicht faktenbasiert“.

Vor der Sanierung der Straße habe es gar keinen richtigen Graben gegeben. Bei den Bauarbeiten „wurde der Graben nachmodelliert und mit Schotter aufgefüllt“, erklärt Werth-von Kampen.

Klaus Hagenkötter sieht das anders. Seit 38 Jahren lebt er dort. „Hier war früher ein ganz normaler Graben“, sagt er. Durch die Vernachlässigung sei er inzwischen aber zugewachsen.

Dass die Straße das Wasser nicht komplett aufnehmen konnte, bestätigen Fotos. Doch laut Werth-von Kampen sei sie auch gar nicht darauf ausgelegt. Die Bewohner seien dort zwar geschützt vor Hochwasser, aber nicht vor einem Starkregen wie dem vom vergangenen Mittwoch.

Hinzu komme, dass Klaus Hagenkötter ein sogenannter Unterlieger ist. Das bedeutet, dass sein Garten und Teile seines Hauses etwas unterhalb der Höhe der Straße liegen. Laut Werth-von Kampen verpflichte die Entwässerungssatzung Unterlieger dazu, sich selbst vor starken Niederschlägen zu schützen.

Schutzmaßnahmen reichten nicht aus

Derartige Maßnahmen hat Klaus Hagenkötter nach eigenen Worten sogar ergriffen. In seinem Garten habe er eine kleine Mauer errichtet, um das Wasser davon abzuhalten, in die Wohnung zu fließen. Zudem pumpe er dort das Wasser ab, wenn es hoch steht. Auch an seiner Einfahrt habe er eine kleine Rampe eingebaut, damit dass Wasser nicht von der Straße dort hinunter läuft.

Doch all das konnte bei dem Unwetter in der vergangenen Woche nicht verhindern, dass Wasser in die Wohnung lief. Klaus Hagenkötter vermutet weiter, dass dies daran liegt, dass der Graben nicht genug Wasser aufnehmen konnte. „Ich willige ein, dass bei diesem Starkregen der Graben nicht gereicht hätte“, sagt er. Trotzdem hätte ein Teil des Wassers aufgefangen und abgeleitet werden können. „So ist es über die Grundstücke und die Straße gelaufen“, sagt er.

Der Graben an der Brandheide konnte die Wassermassen des Unwetters nicht fassen.
Der Graben an der Brandheide konnte die Wassermassen des Unwetters nicht fassen. © Klaus Hagenkoetter © Klaus Hagenkoetter

Zudem beschuldigt er Thorsten Werth-von Kampen, ihm nicht ausreichend weitergeholfen zu haben. In einem persönlichen Gespräch habe dieser ihm gesagt, „ich dürfe halt dort nicht bauen.“ Werth-von Kampen widerspricht: Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass „man mit diesem Risiko leben muss, wenn man dort gebaut hat.“

Diesen Fakt bestätigt auch ein Experte. Professor Dr. Helmut Grüning, der zu Wasserwirtschafts-Fragen an der Fachhochschule Münster forscht, sagt im Interview mit dieser Redaktion: „Wer in der Nähe eines Gewässers wohnt und baut, muss mit Überflutung rechnen. Das ist ein Naturereignis.“

Ob ein besser gepflegter Graben tatsächlich geholfen hätte, bleibt wohl offen. Insgesamt ist der Hochwasserschutz in Castrop-Rauxel auf einem sehr guten Stand, so berichtet Werth-von Kampen. Doch er gibt zu: „Auch in Zukunft werden wir uns nicht zu 100 Prozent vor Starkregen schützen können.“

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