Carsten Papp, Vorsitzender der CDU in Castrop-Rauxel, sorgte sich um seine Partei. © Volker Engel
Offene K-Frage

Castrop-Rauxeler CDU vor der Bundestagswahl: „Diesmal müssen wir bangen“

Wer Kanzlerkandidat der Union wird, ist offen. Die Umfragewerte vor allem der CDU verschlechterten sich zuletzt rapide. Im Stadtverband von Castrop-Rauxel geht die Sorge um.

Armin Laschet und Markus Söder: Beide sind bereit und beide halten sich für geeignet für die Unions-Kanzlerkandidatur. Es läuft also auf einen Machtkampf zwischen den beiden Bundesvorsitzenden von CDU und CSU hinaus. Eine Vorentscheidung könnte heute fallen. In München tagen die CSU-Gremien, in Berlin die Gremien der CDU.

Wie schauen die Christdemokarten in Castrop-Rauxel auf ihre Partei, fünf Monate vor der Bundestagswahl im September 2021?

Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Carsten Papp, sagt, dass er sich „natürlich“ Sorgen mache. CDU und CSU trudeln in den Umfragen in Richtung der 25-Prozent-Marke. Vor allem wegen ihrer Pandemie-Politik. Für Papp wäre die Klärung der Kandidatenfrage, die sich am Sonntag (11.4.) durch Statements beider gehandelten Männer andeutete, nun wichtig: „Alles fokussiert sich darauf, was der eine und der andere Kandidat macht.“ Der Bankkaufmann aus dem Castrop-Rauxeler Stadtrat liegt mit dem Wunsch nach einer baldigen Beantwortung auf einer Linie mit Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus.

Hakeleien von Söder und Laschet: „Klappern“ gehört dazu

Michael Breilmann, Bundestagskandidat für Recklinghausen und Castrop-Rauxel, gibt sich defensiver. Es sei ein Zeitraum benannt worden, zwischen Ostern und Pfingsten, und so werde es jetzt gemacht. Laschet und Söder seien gleichermaßen „geeignete Kandidaten“, sagt der Castroper Rechtsanwalt auf Anfrage, ohne Einblicke in seine Gedankenspiele zu gewähren. Kein Wunder, hat Breilmann, Fraktions-Chef im Stadtrat, doch große politische Ambitionen. Kollege Papp, der reine Kommunalpolitiker, ist da auskunftsfreudiger.

Bezüglich der Hakeleien zwischen Laschet und Söder meint Papp, dass das „Klappern“ zum Geschäft gehöre. „Insofern verstehe ich, dass es sich der eine oder andere Kandidat in Position bringen will. Man muss nur schauen, dass es nicht übertrieben wird.“ Er sei unentschieden, wer es machen sollte. „Einerseits sehe ich Laschet gern in NRW; die CSU-Kandidaten, die zur Wahl antraten, hatten außerdem keinen Erfolg“, sagt er.

Sind die Favoriten auf den Posten des Kanzlerkandidaten der Union: Markus Söder (l.) und Armin Laschet.
Sind die Favoriten auf den Posten des Kanzlerkandidaten der Union: Markus Söder (l.) und Armin Laschet. © picture alliance/dpa/dpa-POOL © picture alliance/dpa/dpa-POOL

„Andererseits denke ich, dass Laschet ebenso wie Söder in der Lage wären, zu vereinen. Diese Überparteilichkeit braucht ein Kanzler, das könnten wahrscheinlich beide“, so Papp. „Wobei die politische Lage in Bayern eine andere ist als in NRW. Hier muss Laschet deutlich mehr einbinden und vereinen.“

Und dann prescht er mit einer anderen Idee vor: „Vielleicht wird ja aber auch ein anderer Kanzlerkandidat.“ Zum Beispiel Brinkhaus aus NRW, bei Papp beliebt. „Ihn könnte ich mir als Kanzler vorstellen. Sehr besonnen, kein Selbstdarsteller, der sich immer in den Mittelpunkt drängen muss.“ Ursprünglich sei Papp für Friedrich Merz gewesen, „doch der ist ja längst aus dem Rennen“.

Wie geht es also aus? „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass das schon alles wieder wird und wir das Kanzleramt gepachtet haben“, sagt Papp. „Die Wähler sind sehr sensibel, wir kriegen den Wahlsieg nicht geschenkt.“ Stattdessen müsse die Programmatik in den Vordergrund. „Ich glaube, dass die Union das schaffen kann. Aber es wird Zeit.“ Ja, sagt Papp, „diesmal müssen wir schon bangen“.

Bundestagskandidat Breilmann stimmt zu, dass die Kanzlerschaft „nicht selbstverständlich“ sei. Man müsse sie sich „hart erarbeiten“. Die Umfragewerte jedoch sorgten bei ihm nicht für Kopfzerbrechen, sagt er. In der Manier eines Profi-Politikers bekräftigt Breilmann: „Auf Umfragen schaue ich nicht so sehr. Wichtig ist, dass wir gut durch die Pandemie kommen.“

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt