Mann will Pfändung seines Transporters durch Flucht vereiteln

hzSiegel abgekratzt

Weil ein Mann seine Kfz-Steuern nicht bezahlt hat, soll sein Transporter beschlagnahmt werden. Er flieht, wird gewalttätig und zeigt sich selbst vor Gericht noch uneinsichtig.

Castrop-Rauxel

, 10.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit sein Wagen nicht beschlagnahmt wird, ist ein 35-jähriger Mann vor der Polizei geflohen. Nicht sehr weit, denn der Wagen war präpariert worden. Polizisten hatten nur ein paar Hundert Meter nach dem Start ein leichtes Spiel, den 35-jährigen Fahrer zu stellen.

Allerdings leistete der dabei Gegenwehr. Und dieser Widerstand gegen Beamte war eines der Delikte, die dem Mann jetzt im Castrop-Rauxeler Amtsgericht vorgehalten wurden.

Anfang März spürten Außendienst-Mitarbeiter vom Dortmunder Hauptzollamt das Fahrzeug auf einem Parkplatz in Habinghorst auf, brachten auf der Windschutzscheibe zwei Pfandsiegel an und an zwei Reifen die genannten Ventilwächter. Aufsätze, die nach dem Anfahren die Luft in kurzer Zeit entweichen lassen. Aufkleber an den Fahrzeugtüren wiesen darauf hin. Eine Pfändung, weil die Kfz-Steuer trotz diverser Mahnungen nicht bezahlt worden war.

Aufkleber abgekratzt und Beamte geschubst

In diesem Moment erschien der 35-Jährige, so einer der Zollbeamten im Zeugenstand. Aggressiv und aufgebracht habe er sich darangemacht, die Aufkleber abzukratzen. Der Hinweis, dass dies Siegelbruch und damit eine Straftat sei, ignorierte er. Fasste vielmehr einen der Beamten am Kragen und schubste ihn fort, um in sein Auto zu gelangen.

Für die drei Beamten der Zeitpunkt, bei der Polizei Verstärkung anzufordern. Der Angeklagte, dem es gelungen war, in den Transporter zu steigen und zu starten, fuhr der Polizei fast entgegen, wurde an der Nordstraße gestoppt.

Auch hier gab es Widerstand. Und immer wieder das Argument, das er auch schon den Männern vom Zoll genannt hatte. „Das Auto gehört meiner Frau, und die hat keine Schulden.“ Das wiederholte er nun auch mehrfach vor der Richterin.

Steuern nicht bezahlt

Schulden hatte in der Tat er selbst, rund 550 Euro nicht bezahlte Kfz-Steuern. Hatte, wie der Staatsanwalt auf Nachfrage erfuhr, den Wagen wohl genau deshalb auf die Gattin umgemeldet, nämlich nach den ersten Mahnungen.

Das mache keinen Unterschied, klärte einer der Zeugen vom Zoll auf. Ausschlaggebend sei in diesem Fall die Gewahrsamsnahme, die Sachherrschaft. Und die hatte der Mann nach wie vor, hatte den Schlüssel zum Fahrzeug. So habe dem üblichen Prozedere, das Fahrzeug zu beschlagnahmen und abschleppen zu lassen, juristisch nichts im Wege gestanden.

Auf dem Weg in die Flucht indes handelte sich der 35-Jährige neben Siegelbruch und Widerstand noch den Vorwurf der Beleidigung ein: Er zeigte dem Beamten beim Wegfahren den Mittelfinger. Auch die Tatsache, dass im Fahrzeug ein Messer und eine Axt – beides als gefährliche Werkzeuge eingestuft – lagen, flossen in die Urteilsfindung ein. Sechs Monate Bewährungsstrafe und 150 Stunden Sozialarbeit.

Lesen Sie jetzt