Bei einer Castrop-Rauxeler Erzieherin sind nach dem Impfen mit Astrazeneca erhebliche Nebenwirkungen aufgetreten. (Symbolbild) © picture-alliance/Symbolbild
Coronavirus

Castrop-Rauxelerin klagt über Astrazeneca: Fieber und Kreislaufprobleme

Die Castrop-Rauxelerin Svenja Middelmann ließ sich den Astrazeneca-Impfstoff spritzen. Dann musste sie ins Krankenhaus, es traten Nebenwirkungen auf. Die halten bis heute an.

Für Svenja Middelmann sind die Tage derzeit lang – länger als sonst. Fast ununterbrochen, erzählt die 22-Jährige am Telefon, sitze sie auf ihrem Sofa. Wartend, dass die Zeit vorüber streicht und endlich Besserung einsetzt. Am vergangenen Freitag (26.3.) ließ sich die Erzieherin aus Castrop-Rauxel den Astrazeneca-Impfstoff spritzen. Tags darauf lag sie im Krankenhaus.

So schildert es Middelmann, die sich bei unserer Redaktion meldete, um von ihren Erfahrungen mit dem umstrittenen und dennoch hochwirksamen Impfstoff des schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca zu berichten – und zu erklären: „Meiner Meinung nach wird viel zu leichtsinnig gehandelt.“ Vor dem ominösen Stich hätte sie sich eine bessere Aufklärung gewünscht.

Mit derart heftigen Nebenwirkungen, betont Middelmann, habe sie jedenfalls nicht gerechnet. Sicherlich seien auch ihr Vorkommnisse zu Ohren gekommen, in denen von den sogenannten Impfreaktionen die Rede war. Doch höchstselbst zu erfahren, wie es ist, wenn sich der Körper nach und nach selbstständig macht, das sei dann schon etwas anderes.

„Unmittelbar nach der Impfung war alles normal, mir ging es gut, in der Nacht bin ich dann aber um circa 23 Uhr aufgewacht, hatte Schüttelfrost. Später kam hohes Fieber hinzu, annähernd 40 Grad – und ich hatte Kreislaufprobleme“, sagt Middelmann. „Am Samstag ging es mir zwar zunächst etwas besser, gegen Mittag hat sich mein Zustand aber wieder verschlechtert.“

Vertrauen in Astrazeneca geht verloren

Ihre Schwester habe daraufhin den Krankenwagen gerufen und Svenja Middelmann bis Mittwoch im Rochus-Hospital gelegen. Betreut von fürsorglichen Ärzten, „die schnell gehandelt haben“, sagt sie. „Immer wieder habe ich aber auch gehört, dass sie keine Erfahrungen mit den Nebenwirkungen hätten. Das war kein schönes Gefühl.“ Und das setzte sich fort.

Denn Middelmann plagen laut eigener Angabe nach wie vor Luftknappheit („Ich bin schnell außer Atem, soll demnächst noch mal zum Lungenfacharzt), zudem seien ihre Lymphknoten geschwollen. Deswegen stünden demnächst weitere Untersuchungen an. Und die wichtige zweite Impfung habe sie zu allem Überfluss auch noch nicht erhalten.

Moderna, Biontech oder Astrazeneca – welchen Impfstoff sie bevorzugen würde, wenn der Tag gekommen ist, weiß sie noch nicht. „Den von Astrazeneca möchte ich wohl nicht noch einmal haben“, sagt Middelmann nur, „das Vertrauen habe ich nicht mehr“. Eine Einschätzung, die sich nach ihrem Bekunden aus den eigenen Erfahrungen speist – und dem Hin und Her der politischen Entscheidungsträger.

Im März war die Astrazeneca-Impfung in Deutschland schließlich schon einmal gänzlich ausgesetzt worden, nachdem Berichte über Blutgerinnsel in Hirnvenen die Runde gemacht hatten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) fand seinerzeit keinen Nachweis, dass die Komplikationen zweifelsfrei auf das Astrazeneca-Vakzin zurückzuführen sind. Ausschließen indes konnte sie es nicht.

Keine Thrombose bei Svenja Middelmann

Und dass zunächst empfohlen wurde, Ü60-Jährige nicht mit dem Präparat zu impfen, ehe kürzlich die Rolle rückwärts erfolgte und auf vielfältigerer Datenbasis der Entschluss fiel, Astrazeneca praktisch nur noch an die Ü60-Jährigen zu verimpfen, verbesserte das Zutrauen gewiss nicht. Wenngleich das Verhältnis von geimpften Astrazeneca-Dosen zu Thrombose-Fällen nach wie vor verschwindend gering ist.

31 Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen wurden bis zum 29. März laut Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland gemeldet, bei rund 2,8 Millionen verimpften Dosen. Auffällig: Es waren allein Menschen unter 65 Jahren betroffen, vor allem Frauen. Und so wurde auch bei Middelmann per MRT nach einer Thrombose gesucht. „Sie haben nichts gefunden“, sagt sie, „zum Glück“.

Himmelhochjauchzend jedoch erlebt man Middelmann beileibe nicht, eher resigniert und besorgt ob der möglichen Langzeitfolgen. „Keine Ahnung, ob irgendetwas bleibt“, meint sie, „dazu konnte mir niemand etwas sagen.“ Bis zum kommenden Freitag ist sie krankgeschrieben, „ich nehme weiterhin Schmerzmittel. Danach werde ich sehen, was passiert“.

Nur so viel sei klar, sagt Middelmann. Viele, die sie kenne – ob Kolleginnen oder Bekannte – seien verunsichert. Zumeist wegen des Astrazeneca-Vakzins im Speziellen, zuweilen aber auch wegen der Impfung gegen das Coronavirus im Gesamten. Der Worst Case in einer Situation, in der so enorm viel vom immunisierenden Doppel-Piks in den Oberarm abhängt.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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