Am Mittwochmorgen wurden die ersten Impfungen in der St. Antonius Kirche in Castrop-Rauxel verabreicht. © Nora Varga
Bundesweite Premiere

Castrop-Rauxels Impfkirche eröffnet: Über 260 Impfungen am ersten Tag

Am Mittwoch wurde zum ersten Mal in Deutschland in einer Kirche geimpft, und zwar in Castrop-Rauxel. Wir haben den Start der Impfkirche begleitet und mit Initiator Holger Knapp gesprochen.

Begleitet von großem Medieninteresse ist am Mittwochmorgen (19. Mai) die erste Impfkirche Deutschlands in Castrop-Rauxel an den Start gegangen. Über 260 Menschen impften die Ärzte Holger Knapp und Matthias Jasper in der St. Antonius Kirche gegen Corona.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Impfzentrum ist aus der Not geboren worden. Dr. Holger Knapp: „Wir haben trotz einer großen Praxis nicht genug Platz, um so viele Menschen zu impfen. Da haben wir uns nach größeren Räumlichkeiten umgesehen.“

Aus den Erfahrungen der letzten Monate kam das Team zu dem Schluss, dass die Kirche im Ickerner Zentrum der ideale Ort für Impfungen sei: „Wir haben einen riesigen Parkplatz vor der Tür, getrennten Eingang und Ausgang, einen großen Check-in Bereich und genug Platz zum Warten.“ Die Reaktionen der Patienten seien durchweg positiv gewesen.

Wegen der Gottesdienst-Auflagen sind die Bänke in der Kirche bereits mit Platznummern und Absperrungen versehen.
Wegen der Gottesdienst-Auflagen sind die Bänke in der Kirche bereits mit Platznummern und Absperrungen versehen. © Nora Varga © Nora Varga

Bevor die Impfaktion starten konnte, mussten erst die Spritzen vorbereitet werden. Was am Anfang noch etwas Besonderes war, ist für Arzthelferin Katrin Maluchnik mittlerweile Routine: „Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, hab ich gezittert, als hätte ich noch nie eine Spritze aufgezogen. Man weiß ja, wie wertvoll der Impfstoff ist.“

In der Impfkirche wurde am ersten Tag vor allem Astrazeneca verimpft. Die wenigen Biontech-Dosen wurden erst kurz vor dem Verimpfen mit Kühltaschen aus der Praxis gegenüber am Markt geholt. Holger Knapp: „Die Biontech-Impfung darf keinen Erschütterungen ausgesetzt werden. Da muss man dann sehr vorsichtig sein.“ Viele Kamerateams und Journalisten waren zu Beginn vor Ort, um den Start des Impfzentrums zu begleiten.

Katrin Maluchnik bereitet vor dem Start die Spritzen mit der Astrazeneca Impfung vor.
Katrin Maluchnik bereitet vor dem Start die Spritzen mit der Astrazeneca Impfung vor. © Nora Varga © Nora Varga

Impfung unter Orgelmusik

Wer in der Kirche geimpft wird, muss sich zunächst am Eingang anmelden, seine Unterlagen abgeben. Auch Fieber wird gemessen. Danach geht es in einen der beiden Wartebereich in den Kirchenbänken.

Die beiden Impfstraßen haben jeweils getrennte Wartebereiche. Von den Ärzten wird man dann aus dem Wartebereich in das Seitenschiff gebeten. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Arzt gibt es dann die eigentliche Impfung. Nach der Impfung geht es in einen zweiten Wartebereich, in dem die Impflinge noch 15 Minuten warten müssen.

Auf der anderen Seite der Kirche geht es anschließend wieder raus. Um den Menschen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, wird Orgelmusik über die Lautsprecher eingespielt.

Nach Uhrzeit abgezählt warten die Spritzen mit Astrazeneca darauf, verimpft zu werden.
Nach Uhrzeit abgezählt warten die Spritzen mit Astrazeneca darauf, verimpft zu werden. © Nora Varga © Nora Varga

Holger Knapp betont: „Es können wirklich nur Leute kommen, die einen Termin haben. Das ist keine öffentliche Impfaktion.“ Auch Polizei und Ordnungsamt schauten am Mittwoch immer wieder vorbei, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten. So soll es auch bleiben. Geimpft werden soll in der Kirche künftig jeden Mittwoch zwischen 9 und 14.30 Uhr.

Dr. Holger Knapp (l.) und Dr. Matthias Jasper in der St. Antonius Kirche in Castrop-Rauxel.
Dr. Holger Knapp (l.) und Dr. Matthias Jasper in der St. Antonius Kirche in Ickern. © Nora Varga © Nora Varga

Die ursprüngliche Idee für das Impfen in der Kirche hat Holger Knapp von seinem Kollegen und Nachbarn Dr. Magnus Heier. Er hofft, dass die Impfkirche in Castrop-Rauxel ein Vorbild für andere Ärzte wird: „Die Kirchen stehen offen. Wir hoffen, dass jetzt mehr Ärzte auf die Kirchen zugehen, damit noch schneller geimpft werden kann.“

Positive Rückmeldungen aus der Gemeinde

Die Kirchen für die wichtigen Corona-Impfungen zu öffnen, sei für den Kirchenvorstand eine Selbstverständlichkeit gewesen. Gudula Schumann ist Mitglied im Kirchenvorstand: „Wir haben schon seit Jahren das Motto „öffne dich“ und wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kommen, dann muss die Kirche zu den Menschen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die St. Antonius Kirche anderweitig genutzt wird. Auch die Ausgabe der Tafel gab es schon in der Kirche. Pastor Bernhard Dlugosch ist begeistert von der Aktion: „Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen.“

Gudula Schumann aus dem Kirchenvorstand und Pastor Bernhard Dlugosch vor der Osterkerze in der St. Antonius Kirche. Auf der Kerze sind stilisierte Corona-Viren abgebildet, daneben steht:
Gudula Schumann aus dem Kirchenvorstand und Pastor Bernhard Dlugosch vor der Osterkerze in der St. Antonius Kirche. Auf der Kerze sind stilisierte Corona-Viren abgebildet, daneben steht: „Vater unser erlöse und von dem Bösen“. © Nora Varga © Nora Varga

Unter den ersten Geimpften war Walter Schulz. Er freute sich nach der Impfung: „Das war schon ein bisschen ungewöhnlich, aber sonst alles okay.“ Nach vier Stunden Impfen im Akkord zog Dr. Holger Knapp am Mittwochnachmittag Bilanz: „Das war ein voller Erfolg, es gab keine Komplikationen.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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