Castroper Tafel bringt bedürftigen alten Menschen die Lebensmittel auch vorbei

hzCastroper Tafel

Bei der Caritas ist das Projekt „Castroper Tafel unterwegs“ an den Start gegangen. Rainer Guss bringt Senioren, die nicht mehr zur Ausgabe kommen, einen Korb vorbei. Das kostet wenig.

Castrop-Rauxel

, 22.08.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Herbst vergangenen Jahres hat die Caritas den Fokus gerichtet auf die Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr kommen. Die einfach wegbleiben bei der Castroper Tafel, obwohl sie vorher regelmäßig bei der Ausgabe am Lambertusplatz dabei waren. „So bei sechs bis acht wissen wir, sie schaffen es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zu uns“, sagt Caritas-Vorständin Veronika Borghorst bei einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Genau an dieser Stelle setzt jetzt ein weiteres Projekt der Caritas an, das zunächst mal für zwei Jahre läuft und über Sonderfonds des Erzbistums Paderborn mit 36.000 Euro für spezifisch armutsorientierte Dienste der Caritas finanziert wird. „Castroper Tafel unterwegs“ heißt das Projekt. Es lebt einmal mehr auch von ehrenamtlichem Engagement.

Im Herbst soll ein zweiter Bote dazu kommen

An dieser Stelle besonders am Einbringen von Rainer Guss. Der 69-Jährige aus Ickern bringt den Menschen, die nicht mehr zur Ausgabe kommen, einen Korb vorbei. Im Herbst dieses Jahres soll ein zweiter „Lieferant“ hinzukommen. Wobei es bei diesem Projekt durchaus nicht nur um arme - im Sinn von materiell schlecht gestellt - alte Leute geht, sondern auch ein Stück um soziale Armut.

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Das Fehlen von sozialen Kontakten, Einsamkeit, das Nachlassen von Lebensfreude. „Deshalb wollen wir auch in den Blick bekommen, ob wir vielleicht unsere Seniorenberaterin zu Betroffenen vermitteln“, sagt Veronika Borghorst. Die zuständige Seniorenberaterin bei der Caritas ist bekanntlich Elisabeth Kister. Oder ob es möglicherweise ausreicht, wenn sich der Tafel-Bote nach dem Rechten erkundigt und sich ein wenig Zeit nimmt für ein Gespräch.

Guss ist seit einigen Montane dabei

Rainer Guss, der sich zunächst bei der Caritas über Projekt und Aktion Ehrenamt schlau gemacht hat, ist seit einigen Monaten dabei. „Ich wollte nicht etwas machen, was die Stadtkasse entlastet“, sagt er, „sondern das, was bei Menschen direkt ankommt“, erklärt Guss, der vor seinem Ruhestand Krankenkassen-Betriebswirt war und EDV für Krankenkassen entwickelt hat. „Hab lange am Schreibtisch gesessen“, sagt er selbst.

Dafür ist er - neben seinem Engagement bei der Tafel - in Ickern als mobiler Nachbarschaftshelfer auf dem Fahrrad unterwegs, hilft Senioren, wenn eine Glühbirne ausgewechselt werden muss oder der Wasserhahn tropft. Aber zurück zur Caritas und der Tafel.

In den Korb, den Rainer Guss bei den Hilfsbedürftigen vorbei bringt, kommt das übliche Arrangement, wie es auch bei der Ausgabe der Tafel Usus ist: Brot, Gemüse, Kartoffeln, Obst. Ein ganzer Korb für 3,50 Euro, darin sind 1,50 Aufwandsgebühr für Benzin enthalten und zwei Euro, wie sie auch bei der Tafel-Ausgabe anfallen.

Borghorst: Zahlen, die eigentlich nur traurig sind

Das sind die Zahlen, die in diesem Jahr auch hinter der Tafel stehen:

Es gibt sechs Ausgabestellen, 525 Karten sind ausgestellt, diese Karten kommen 810 Erwachsenen und 544 Kindern zu Gute. Zu den Einrichtungen, die ihre Gäste, Klienten oder Kunden mit Lebensmitteln von der Tafel versorgen, zählen auch zwei Kindergärten, vier Pflegedienste, vier Grundschulen, die Drogenberatung und das Frauenhaus. „Zahlen, die eigentlich nur traurig stimmen“, sagt Veronika Borghorst.

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Weiterhin gibt es das Kinderprojekt an der Erich-Kästner-Schule in Habinghorst. 60 Tafelkunden haben Unterstützung beim Brillenkauf über das Projekt „Den Durchblick behalten“ bekommen. In diesem Jahr geplant sind noch eine Lebensmittelsammlung im Real-Markt - gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendparlament -, eine Lebensmittelsammlung für Senioren der Castroper Tafel und die „Schenk- mir-einen-Stern-Aktion“ im Vorfeld von Weihnachten. Die Aktion läuft erneut für Kinder und Senioren.

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