Gisela Schrank, „Verschwörungsbeobachterin“: Diese Chemtrails schirmen die Sonne ab

hzRatsmitglied hegt Verdacht

Die Verschwörungstheorie um Chemtrails hält sich. Auch Castrop-Rauxel hat eine Verfechterin, die nach einem Zeitungsbericht hinter Kondensstreifen aus Flugzeugen schlimmes vermutet.

Castrop-Rauxel

, 22.07.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein Artikel im überregionalen Teil der Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel brachte Gisela Schrank auf die Palme. Das Thema in Kurzform: Die Menge der Urlaubsflieger nimmt zu. Gerade zu Beginn der großen Ferien (13. Juli) ist an den Flughäfen des Landes und in der Region wieder die Hölle los.

Das Personal arbeitet am Limit, die Preise kollabieren, Fliegen wurde vom Luxusreisen für Reiche zum Standard, der Mensch ist mehr Fracht als Gast. Bebildert wurde der Beitrag mit folgendem Foto, das kreuzende Kondensstreifen am Himmel über Köln zeigt.

Gisela Schrank, „Verschwörungsbeobachterin“: Diese Chemtrails schirmen die Sonne ab

Folgenden Text liefert das Archiv der Deutschen Presseagentur zu dem Bild: ARCHIV - 05.10.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Flugzeuge haben zahlreiche Kondensstreifen am blauen Himmel über Köln gezogen. Foto: Federico Gambarini/dpa © dpa

Kondensstreifen oder Chemtrails?

Weil Gisela Schrank, Ratsmitglied der Stadt Castrop-Rauxel für die Unabhängige Bürger Partei (UBP), Text und Bild sehr unpassend fand, verfasste sie einen Leserbrief an unsere Redaktion in Castrop-Rauxel, den wir hiermit vollständig wiedergeben (Hervorhebungen von uns). Gisela Schrank war schon 2015 ins Gespräch geraten, als sie in der „heute-show“ einen unrühmlichen Auftritt hatte.

„In dem o.g. Artikel schreiben sie über den übermäßigen Flugverkehr und den angeblichen Auswirkungen am Himmel.

Seit langem ist aber bekannt, dass ein sog. Geoengineering als Schutzschirm am Himmel gegen die Sonne von speziellen Flugzeugen aus installiert wird.

Darüber berichten sie in keiner Weise und stellen nur die Linienflieger und Ferienflieger an den Pranger.

Es gibt Tage an denen keinerlei Streifen am Himmel zu beobachten sind. An diesen Tagen sehe ich auch kaum Flugzeuge. Zum Beispiel bei Ostwind!

Wie ist das möglich, dass sie das eine mit dem anderen so verwechseln und definitiv falsch darstellen?

Ein Kondensstreifen (Contail) bildet sich und in minutenschnelle verschwindet derselbe am Himmel wieder.

Wasserdampf der Flugzeuge gefriert und löst sich auch schnell wieder auf, je nach Temperatur der Luftschicht.

Hier wird eine Substanz ausgebracht, die den Himmel verschmiert, sie löst sich nicht auf sondern überzieht den Himmel und nimmt uns die benötigte Sonnenenergie zum Leben!

An anderen Tagen wird kreuz und quer (außerhalb der Flugrouten) etwas versprüht, dessen Inhaltsstoffe sich netzartig am Himmel verbreiten und stundenlang zu beobachten sind.

Jeder Fachmann, der ehrlich ist und von dieser Materie etwas versteht, wird Ihnen bestätigen können, dass es sich dabei NICHT um Emissionen der Flugzeuge handelt, sondern eine chemische Substanz ist, die diesen sog. Schutzschirm bilden soll.

Nach Regentagen sind meine Pflanzen im Garten mit einer silbrigen Konsistenz behaftet, welche mir und mittlerweile anderen Gartenbesitzern große Sorge macht, weil sie den Boden verdichtet.

Was auf ihrem Foto zu sehen ist, ist wahrlich die Höhe am Himmel! Eigenartigerweise hat nur dieses Foto keinen Nachweis, wer es gemacht hat, alle anderen Fotos aber sehr wohl! Warum?

Warum darf der Luftraum über uns so verunstaltet und höchstwahrscheinlich auch vergiftet werden?

Ich bitte, dass Sie sich umfassender informieren und die wirklichen Tatsachen klar darstellen und die Bürger nicht weiter hinter das Licht führen!

Ohne dieses „Kreuz- und Quergefliege“ hätten wir viel weniger Flugverkehr.

Vor allem nachts! Warum wird auch nachts geflogen, das können definitiv keine normalen Flugzeuge sein!

Über eine aufklärende Antwort von ihnen würde ich mich freuen.

Beweise für Chemtrails fehlen

Verschwörungstheoretiker, Gisela Schrank spricht von sich selbst als „Verschwörungsbeobachterin“, stellen bis heute viele Thesen, Theorien und Behauptungen zu Chemtrails und der damit angeblich bezweckten zielgerichteten Vergiftung der Bevölkerung und Abschirmung der Sonne auf. Mit belastbaren Beweisen belegt wurden sie allerdings noch nie.

Gisela Schrank, „Verschwörungsbeobachterin“: Diese Chemtrails schirmen die Sonne ab

Gisela Schrank schreibt zu diesem Bild aus ihrer eigenen Sammlung: „Sprühvorgang in Richtung Sonnenuntergang. Es kann sich unmöglich um sog. offizielle Flugrouten handeln." Keine Antwort gibt sie darüber, wo oder wann das Foto entstand und warum genau hier keine Flugrouten entlanglaufen können. © privat

Dennoch sahen sich unter anderem das Umweltbundesamt (UBA), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) dazu veranlasst, Stellung zu Chemtrails zu beziehen. Im März 2011 veröffentlichte das UBA ein dreiseitiges Dokument, das die Existenz von Chemtrails als „nicht glaubwürdig“ bezeichnet.

„Im Internet lässt sich eine große Menge Material zum Stichwort Chemtrails finden. Dabei wirkt aber keine Quelle wirklich glaubhaft, da überzeugende Belege fehlen“, heißt es hier wörtlich.

Aus Sicht von Gisela Schrank sind derartige Stellungnahmen sehr kritisch zu sehen. Was sollte eine Bundesbehörde, die mit zum System gehört, schon anderes behaupten?

Jörg Kachelmann als Chemtrail-Verfechter?

Als prominentes Beispiel führt die Habinghorsterin den Meteorologen Jörg Kachelmann an. Er habe im Fernsehen über die Echtheit von Chemtrails gesprochen und sei dann entlassen worden.

Eine Wahrnehmung, die sich schwer nachvollziehen lässt, gehört Kachelmann doch seit Jahren zu den schärfsten Kritikern des Glaubens an Chemtrails. Im Blog auf seiner eigenen Homepage verteilt Kachelmann regelmäßig Seitenhiebe an Verschwörungstheoretiker.

Eine einstweilige Verfügung gegen den Wetterexperten, weil er die Anhänger der Chemtrail-Verschwörungstheorie als „Neonazis und Verrückte“ bezeichnete, wies das Berliner Landgericht 2012 zurück. Die Aussage sei gedeckt durch die Meinungsfreiheit. Der Gedanke, Kachelmann stünde auf der Seite der Chemtrail-Aktivisten, könnte also kaum ferner liegen.

Umweltschützer schließen Chemtrails aus

Wen könnte man also noch als Experten zum Thema Umweltverschmutzung und Klimabelastung durch Flugzeuge als unabhängige Institution zu Rate ziehen? Nichtstaatliche Umwelt- und Naturschutzverbände zum Beispiel. Wären Chemtrails, die den Himmel verdunkeln und giftige Substanzen in den Himmel sprühen, nicht ganz weit oben auf der Liste bei BUND, WWF, Greenpeace und Co?

Auch hier ist das Gegenteil der Fall: Der BUND, einer der größten nicht-staatlichen Umwelt- und Naturschutzverbände Deutschlands, bezog im März 2018 auf seiner Homepage ausführlich Stellung zu der Verschwörungstheorie. Der Grund: Es gebe immer wieder Anfragen zum Thema Chemtrails.

Eine postfaktische Ablenkungsdebatte

Seit Jahrzehnten lese man beim BUND die Fachliteratur zu den Bereichen Umwelt- und Naturschutz und dabei durchaus auch sehr kritische Medien und Beiträge. In dieser Zeit sei kein Beitrag der großen Umweltverbände NABU, Greenpeace, WWF oder von kritischen Wissenschaftlern aufgefallen, der die These von der Existenz von heute schon existierenden Chemtrails geteilt hätte.

Im Weiteren ist von einer „postfaktischen Ablenkungsdebatte“ die Rede, denn schlussendlich nützten die sich haltenden Gerüchte und Diskussionen um Chemtrails potenziell „den großen Konzernen und der Atom-, Kohle und Agrochemielobby“. Sie lenke von den wahren Problemen wie Klimawandel, Atomkraft, Macht der Konzerne oder Gentechnik ab.

Kritisch betrachtet der BUND natürlich den „massiven und schädlichen ‚normalen‘ Schadstoffausstoß der Flugzeuge“. Dieser Einstellung kann wiederum Gisela Schrank nicht folgen. Fliegen sei für sie kein Umweltproblem, sagt sie - „wenn die bloß nicht sprühen würden“.

Fotoquelle vergessen

Bleibt noch ein Hinweis: Warum hatte das Foto über den eingangs erwähnten Text unserer Zeitung keine Autorenangabe? Simple Antwort: Sie wurde schlichtweg vergessen.

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