Christina Toewe nimmt Abschied vom Le Paris. © privat
Einzelhandel

Christina Toewe nimmt traurig Abschied von ihrem „Baby“ Le Paris

Le Paris war ihr „Baby“. Jetzt nimmt Christina Toewe Abschied von ihrem Modegeschäft. Die Einzelhändlerin spricht über 34 Jahre, die Gründe fürs Aufhören, Corona und erzählt, wie es weitergeht.

So ganz konnte Christina Toewe ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie in einem Video erzählt, dass sie sich von „ihrem Lebenswerk“ verabschiedet. 34 Jahre hat sie viel Herzblut in ihr Modegeschäft Le Paris und „stand.punkt“ an der Lönsstraße gesteckt. Ab 1. August wird sie offiziell nicht mehr als Inhaberin des Le Paris firmieren. Im Laden steht sie schon jetzt nicht mehr.

1987 hat die Castrop-Rauxelerin „Le Paris“ übernommen und „zu dem gemacht, was es heute ist“. Mode für Anspruchsvolle, dafür steht sie. Und das mit viel Herzblut, wie man im Gespräch mit der 53-Jährigen spürt. „Le Paris“, das ist ihr Baby. Ein Baby, das gewachsen ist, auch mal auszog, um neue Städte zu erkunden, und letztlich wieder zurückkam nach Castrop-Rauxel. Die Stadt, mit der sich Christina Toewe sehr verbunden fühlt.

Castrop-Rauxel ist perfekt zum Wohnen und Arbeiten

„Ich bin Fan von Castrop-Rauxel, dieser kleinen, schönen, und persönlichen Stadt“, sagt sie. Castrop-Rauxel sei perfekt, um hier zu leben. Und zu arbeiten. Auch deshalb hat sie sich seit der Gründung der Standortgemeinschaft Casconcept im Vorstand für eine attraktive Altstadt engagiert. Wenn die nächsten Vorstandswahlen möglich werden, wird sie auch hier zurücktreten.

Gesundheitliche Gründe haben sie schon seit einiger Zeit gezwungen, aus dem Hintergrund heraus zu arbeiten. „Gesund zu werden“, das ist ihr Plan für die nächste Zukunft. Und deshalb kommt jetzt der offizielle Abschied von ihrem Modegeschäft. „Mit der Corona-Pandemie hat das gar nichts zu tun“, betont sie.

Auf 40 Quadratmetern hat Christina Toewe vor 34 Jahren begonnen, in einem Laden gegenüber dem heutigen Standort. Heute ist dort die LBS angesiedelt. Mit den Jahren hat sie etliche Filialen eröffnet. In Castrop-Rauxel selbst, aber auch in Dortmund, Gelsenkirchen oder Bochum. „Das ist lange her“, sagt sie, „dann habe ich mich voll auf Castrop-Rauxel und einen Standort konzentriert.“ Und das sehr erfolgreich, wie sie ergänzt.

Zum 20-jährigen Bestehen kam der „stand.punkt“ dazu

Das Le Paris an der Lönsstraße wuchs. 2007, passend zum 20-jährigen Bestehen kam zuletzt der „stand.punkt“ dazu, in dem bis dahin ein Friseur arbeitete. Qualität und Service – das sind die wichtigsten Merkmale der beiden zusammen gehörenden Läden. „Unsere Mode ist individuell. Wir führen keine breit vertretenen Marken“, sagt Christina Toewe. Beratung und persönlicher Kontakt hätten oberste Priorität.

Christina Toewe (r.) engagiert sich für Projekte in Castrop-Rauxel. Das Foto entstand 2017 bei einer Spendenübergabe an die damalige städtische Casterix-Koordinatorin Doris Spangenberg. Links im Bild Nicole Pallapies, die jetzt das Le Paris übernimmt.
Christina Toewe (r.) engagiert sich für Projekte in Castrop-Rauxel. Das Foto entstand 2017 bei einer Spendenübergabe an die städtische Casterix-Koordinatorin Doris Spangenberg. Links im Bild Nicole Pallapies, die jetzt das Le Paris übernimmt. © Mario Bartlewski/Archiv © Mario Bartlewski/Archiv

So wuchs mit dem Geschäft auch die Kundenkartei. Das hilft gerade, durch die harten Corona-Zeiten zu kommen, so erzählt die Einzelhändlerin. Per WhatsApp und den sozialen Medien wird der Kontakt gehalten. Und das auch mit Kundinnen aus Berlin, München oder der Schweiz. „Weil wir die Menschen kennen“, sagt sie. „Auch wer aus Castrop-Rauxel wegzieht, bleibt unser Kunde.“

Ein Online-Shop, das sei nicht ihr Ding. Aber mit Kunden auf welchem Kanal auch immer zu besprechen, was passen und gefallen könnte und dann diese Ware in der passenden Größe – und nur in dieser einen – loszuschicken, das schon. „Wir brauchen ein Gesicht zu dem Outfit“, sagt sie. Und jede Mitarbeiterin habe ihre festen Kundinnen, das mache es einfacher.

Wer vor Ort ist, holt auch schon mal Kleidung ab, um eine Auswahl zu Hause zu probieren. Einkaufen mit einem negativen Testergebnis, dieses Angebot allerdings würden bislang noch nicht viele Kunden nutzen, so Christina Toewe. Sie setzt ihre Hoffnungen auf das Testzentrum am Markt, das bald öffnen soll.

Le Paris kommt gut durch die Corona-Pandemie

Auf diese Weise hat sich das Le Paris auch in der Corona-Pandemie „sehr gut über Wasser gehalten“. Aber natürlich fehlen Christina Toewe und ihrem Team die Kontakte. „Da sind ja auch Freundschaften entstanden“, sagt sie. Manche Kunden kennt sie von der Konfirmation und später im Manager-Posten. Bei anderen Kunden kommen inzwischen die Kinder und sogar Enkel.

Christina Toewe geht. Le Paris bleibt. Das ist ihr wichtig. Weggefährtin Nicole Pallapies, seit 2007 verantwortlich für „stand.punkt“ mit seinem Angebot von Accessoires und Schuhen, wird übernehmen. Vieles soll bleiben, wie es ist. Auch die fünf Mitarbeiterinnen werden hier weiter arbeiten. Allerdings auf kleinerem Raum.

„stand.punkt“ wird schließen, keine Mode mehr für Herren

Die kleinere Ladenfläche des stand.punkts, so berichtet Christina Toewe, wird aufgegeben. „Das ist eine Geld- und Organisationsfrage“, sagt sie. Schuhe und Accessoires werden künftig im Le Paris auf 200 Quadratmetern angeboten. „Dafür müssen die Herren weichen“, so die Einzelhändlerin. Jetzt hofft sie, dass sich passende Nachmieter für das Ladenlokal finden.

In den sozialen Medien hat Christina Toewe am Montag (11. April) in einem Video über ihren Abschied gesprochen. Die vielen Reaktionen waren überwältigend, erzählt sie. Von Casconcept kam zum Beispiel der Kommentar „Liebe Tina, es macht uns traurig, dass Du – eine, für ihr Geschäft und die Altstadt Castrop so sehr engagierte Person – das Ruder aus der Hand gibst.“

Viele mehr haben ihr geschrieben. „Wahnsinn. Damit hatte ich nie gerechnet“, sagt sie. Und so schwingt in aller Wehmut beim Rückblick auch Dankbarkeit mit für die Menschen, die sie begleitet haben. 34 Jahre. Am Ende des Gesprächs sagt Christina Toewe: „Es gab keinen einzigen negativen Tag.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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