Großeinsatz in Merklinde: Ein hoher Zaun umgibt die Quarantäne-Häuser

hzWittener Straße

Ein hoher Zaun umgibt jetzt die Quarantäne-Häuser an der Wittener Straße: Ein Großeinsatz von EUV, Ordnungsdienst und Polizei in Merklinde hat Gerüchte befeuert, es seien Bewohner geflüchtet.

Merklinde

, 09.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einiges Aufsehen hat die Stadtverwaltung am Donnerstagnachmittag an der Wittener Straße gesorgt. Die Verwaltung hat sich nach einem Austausch mit dem Sicherheitsdienst, der die Quarantäne-Häuser überwacht, zur Aufstellung eines Zauns hinter den Gebäuden entschlossen.

„Das soll vorbeugenden Charakter haben, dem Sicherheitsdienst das Leben leichter machen“, erklärte Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi am Freitag.

In den Häusern an der Wittener Straße leben knapp 100 Menschen, von denen nach aktuellem Kenntnisstand 27 am Coronavirus erkrankt sind. Alle Bewohner stehen unter Quarantäne.

Sicherheitsdienst hatte um Zaun gebeten

Die Grundstücke, so habe die Security angemerkt, seien nach hinten zur Bahnstrecke hin auch durch die vielen dort abgestellten Fahrzeuge und durch Buschwerk sehr unübersichtlich. „Da würde ein Zaun helfen, war die Botschaft des Sicherheitsdienstes“, erzählt Nicole Fulgenzi.

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Darum habe man beim Stadtbetrieb EUV nachgefragt, was möglich sei. Da war dann sehr viel möglich: Der EUV konnte so viel Zaun herbeischaffen, dass man vor Ort entschieden habe, den gesamten Komplex zu umzäunen.

Daraus, räumt die Stadtsprecherin ein, „ist schon eine ziemlich große Aktion geworden. Man kann schon verstehen, dass Nachbarn und Autofahrer darauf reagiert haben.“ Um die Aufstellung der Zäune sicher bewerkstelligen zu können, habe man die Polizei um Unterstützung gebeten.

Polizei habe vor Ort den Verkehr gelenkt

Die sei mit mehreren Fahrzeugen angerückt, „um den Verkehr zu lenken, da schon einige Fahrzeuge vom EUV und vom Ordnungsamt da im Einsatz waren“, so Fulgenzi. Mehr habe die Polizei aber auch nicht tun müssen.

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„Für die Menschen in den Häusern ist es natürlich keine schöne Sache, da eingezäunt zu werden“, sagte Nicole Fulgenzi unserer Redaktion. Das habe man eigentlich auch nicht vorgehabt, das Aufstellen eines Zauns war am Mittwoch auch vom Landrat des Kreises Recklinghausen, Cay Süberkrüb, noch als „zu martialisch“ bewertet worden.

„Für die Menschen in den Häusern ist es natürlich keine schöne Sache, da eingezäunt zu werden.“
Nicole Fulgenzi

„Aber wir haben da auf den Sicherheitsdienst gehört“, so Fulgenzi. Da man mit Reaktionen der Bewohner rechnen musste, habe man vorsorglich auch den Kommunalen Ordnungsdienst und Mitarbeiter des Bereichs Migration und Obdachlose eingeschaltet. Es habe auch Aufregung gegeben, die aber habe sich auch ganz schnell gelegt, als den Menschen der Hintergrund vernünftig erklärt worden sei.

So habe es bei einer Lagebesprechung am Freitagvormittag auch von Seiten des Ordnungsdienstes wie der Polizei geheißen, dass der Einsatz verhältnismäßig unauffällig abgelaufen sei.

Bei Nachtest waren alle Bewohner anwesend

Spekulationen aus der Bevölkerung, dass man den Zaun aufgestellt habe, weil sich bereits Bewohner bereits durch Flucht der Quarantäne entzogen hätten und dass es handfeste Auseinandersetzungen bei der Zaunaufstellung gegeben habe, widersprach Nicole Fulgenzi: „Uns sind solche Dinge nicht bekannt. Am Donnerstag sind ja auch Nachtestungen bei allen Bewohnern durchgeführt worden und dabei fehlte nach den Listen der ersten Tests nicht ein einziger Mensch.“

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Wann die Ergebnisse der Nachtests vorliegen werden, dazu wollte sich die Stadtsprecherin nicht festlegen: „Beim ersten Mal ist uns gesagt worden, dass das nur einen Tag dauert. Daraus ist nichts geworden. Da die Labore offenbar sehr unterschiedlich ausgelastet sind, müssen wir jetzt einfach abwarten.“

Kostenfrage bisher nicht zu klären

Abwarten müsse man auch, welche Kosten der Stadt und damit dem Steuerzahler durch Sicherheitsdienst, Zaunaufstellung und andere Maßnahmen entstehen. „Dazu habe ich am Freitag Anfragen gestellt, ich weiß aber noch nicht, wann wir darauf Antworten bekommen.“ Zudem müsse man abwarten, wie lange die Sicherheitsvorkehrungen überhaupt noch nötig seien. Dafür ist man nun aber auf die Testergebnisse angewiesen.

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