Banken stehen in der Corona-Krise in einem Konflikt: Sie müssen ihre Mitarbeiter schützen und gleichzeitig die Menschen mit Geld versorgen. In Castrop-Rauxel gehen Banken verschiedene Wege.

Castrop-Rauxel

, 28.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Weinende Senioren in einer Sparkasse in Kirchlinde: Weil sie in diesen wildbewegten Corona-Zeiten nicht mit dem Geldabheben vom Automaten klar kommen, brachen sie in Tränen aus. „Die Dortmunder fahren eine andere Lösung als wir. Sie haben die Standorte in den Vororten wegen Corona geschlossen“, sagt Martin Zill, stellvertretender Marktbereichsleiter der Sparkasse Vest in Castrop-Rauxel.

Zill ist sich sicher: „So etwas können wir uns bei uns nicht vorstellen.“ Aber Änderungen stehen auch hier an: Seit Donnerstag (26. März) hat die Sparkasse Vest ihre Öffnungszeiten eingeschränkt. Alle Beratungscenter und Filialen sind nun montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr für den Kundenverkehr geöffnet. Nachmittags bleiben die Standorte geschlossen.

Die Beraterinnen und Berater bearbeiten in dieser Zeit ausführlich die Anfragen, die die Sparkasse per Telefon erreichen. Auch Beratungstermine sollten telefonisch erfolgen. Die Sparkasse bittet dazu um vorherige Terminabstimmung. Das geht montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr über das Kunden-Service-Center unter Tel. (02361) 2050.

Einlassregelung zwischen dem 30. März und dem 3. April

Im Zuge des Monatswechsels, etwa vom 30. März bis 3. April, wird die Sparkasse den Zutritt zu den Filialen steuern: Es wird eine Einlassregelung geben, weil in diesen Tagen viele Menschen kommen. Sie sieht so aus, dass nur so viele Kunden hineinkommen, wie Serviceplätze zur Verfügung stehen. Damit sollen große Ansammlungen vermieden werden.

„Wir sind gespannt auf Ultimo“, sagt Martin Zill und rät: „Kommen Sie nur, wenn Angelegenheiten wirklich unbedingt persönlich und jetzt erledigt werden müssen.“

Eine Botschaft, die auch die Volksbank Henrichenburg und die Volksbank Castrop-Rauxel am Biesenkamp unterschreiben. „Wir achten auf die Abstandsregel“, sagt Markus Göke, Volksbank-Chef in der Altstadt. „Wir haben auch jemand von der Security da stehen, das ist ein besseres Gefühl für alle“, fügt er hinzu.

Weit über 50 Prozent der Kunden, die vorbei kommen, sind über 70

Tatsächlich seien in der Corona-Krise weit über 50 Prozent der Kunden, die hinein kämen, über 70 Jahre alt. Aber das Privatkundengeschäft sei insgesamt ruhig. Anders sehe es bei den gewerblichen Kunden aus. „Klar, bei denen brennt der Baum“, sagt Göke.

Der Bundesregierung zollt er ein dickes Lob: „Da wird zügig und verlässlich geholfen“, sagt der Banker. Und was die Unterstützung der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) angehe, gebe es keine doppelte Prüfung. „Wenn wir Ja sagen zu einem Kredit, dann wird er auch von der KfW genehmigt“, erklärt Göke. Betroffen, meint er, sei im gewerblichen Bereich eigentlich jeder von Corona.

Neues Schild an der Volksbank Henrichenburg

Bei der Volksbank Henrichenburg sei die Lage relativ entspannt, sagt Niederlassungsleiter Oliver Baron. Die Volksbank Waltrop mit Standorten in Waltrop, Henrichenburg, Brambauer, Datteln, Lünen und Oer-Erkenschwick vor drei Monaten erst mit der Dortmunder Volksbank eine Fusion eingegangen. Davon kündet ein neues schmuckes Schild am Gebäude an der Lambertstraße.

„Wir achten natürlich auf den Sicherheitsabstand“, sagt Baron. Älteren Kunden würde im Bedarfsfall etwa beim Geldabheben geholfen. Wichtig in Henrichenburg sei nach wie vor das Pläuschchen mit den Kunden.

Und Baron gibt gerne noch mal einen Tipp für EC-Karten-Inhaber weiter: Einkäufe bis 25 Euro könne man bargeldlos mit der Karte begleichen, wenn man das Wellenzeichen vor das Kartenlesegerät halte. Dann kann man auf das unhygienische Bargeld verzichten.

Die Sparkasse an der Ickerner Straße in Ickern steht bei Hans-Jürgen Schach nicht hoch im Kurs.

Die Sparkasse an der Ickerner Straße in Ickern steht bei Hans-Jürgen Schach nicht hoch im Kurs. © Schlehenkamp

Der Ickerner Schach, mittlerweile 81 und früher fast genau 50 Jahren in Diensten bei der Stadt Castrop-Rauxel und langjähriger Sportfunktionär, schimpfte schon vor Monaten, dass Kunden in der Zweigstelle in Ickern nach dem Umbau zum Beratungscenter nur mit vorherigem Abholen von Chips am Schalter Geld abheben können. Ähnlich mistig wie in Habinghorst, wo die Filiale an der Langen Straße auf SB-Betrieb umgestellt wurde.

Schach möchte den Stadtteilverein Mein Ickern um Hilfe bitten

„Wir fahren immer zur Sparkasse nach Henrichenburg“, sagt Schach jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion. Dort gebe es das unzumutbare Chip-System nicht, das in Ickern nach wie vor praktiziert würde.

Schach möchte, wenn absehbar ist, dass Corona nicht mehr das allbeherrschende Thema ist, versuchen, über den Stadtteilverein Mein Ickern eine kundenfreundlichere Lösung hinzukriegen, wie er sagt. Denn eigentlich könne das ja alles so nicht richtig sein. Schließlich sei es immer noch sein Geld, das er der Sparkasse zur Verfügung stelle.

Die Sparkasse an der Leveringhauser Straße in Ickern-End verfügt schon lange nur mehr über einen SB-Bereich.

Die Sparkasse an der Leveringhauser Straße in Ickern-End verfügt schon lange nur mehr über einen SB-Bereich. © Schlehenkamp

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