Restaurants erwarten am Wochenende den Ansturm vor der „großen Katastrophe“

hzCorona-Schließung

Ungewisse Zusagen vom Staat und die Schließung ihrer Lokale sorgen bei vielen Gastronomen für richtig Frust. Dabei wollen die Kunden raus, wie die Tischbuchungen fürs Wochenende belegen.

Castrop-Rauxel

, 30.10.2020, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gastronomen in Castrop-Rauxel schwanken zwischen Ernüchterung, Unsicherheit, Ohnmacht und Wut. „Wir haben doch alles unternommen, um unseren Kunden mit Hygienekonzepten und Abstandsregeln sichere Bedingungen zu schaffen“, sagt Danilo Djeric, Junior-Chef im Steakhaus Lindenhof an der Recklinghauser Straße 305.

Und jetzt müssen sie dicht machen, dürfen ab Montag, 2. November, bis zum Monatsende keine Gäste mehr in ihr Restaurant lassen. „Wir haben zuletzt auch schon für einen beheizbaren Außenbereich gesorgt, um gut durch den Winter zu kommen“, so Djeric. Und die Kunden würden das gut annehmen.

„Am Wochenende haben wir noch mal richtig viel zu tun, viele Tischbuchungen. Man merkt, dass auch die Kunden die letzte Gelegenheit noch einmal nutzen wollen“, berichtet der Castrop-Rauxeler Gastronom.

Die Speisekarte ist längst vorbereitet

Danach habe man zwar schon alles vorbereitet, habe auch schon eine neue Speisekarte für den November bereit. „Aber bitter ist das schon“, so Djeric. Da stimmt ihm sein Kollege Dugagjin Kacabashi vom Martins in der Castroper Altstadt. „Das ist eine Katastrophe, dass wir jetzt dicht machen müssen“, erzählt der Nachfolger von Pia und Enzi Scolari. Auch er hat am Wochenende noch einmal gut zu tun. „Das ist der letzte Ansturm“, sagt Kacabashi.

75 Prozent des ausgefallenen Umsatzes will der Staat auf Grundlage der Zahlen vom November 2019 als Ausgleichszahlung übernehmen. Aber wie sehen die Bestimmungen dabei aus? Wird der Außer-Haus-Verkauf von dieser Zahlung ausgenommen? Sind Gastronomen, die liefern oder abholen lassen, hinterher die Gekniffenen?

Danilo Djeric im Wintergarten des Steakhaus Lindenhof, den man nun extra für den Winter beheizbar gemacht hat.

Danilo Djeric im Wintergarten des Steakhaus Lindenhof, den man nun extra für den Winter beheizbar gemacht hat. © Tobias Wurzel

Diese Gefahr sieht der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), diese Gefahr sehen auch Gastronomen in Castrop-Rauxel. Zumal es etwa von der Dehoga mangels Rechtssicherheit auch keine Empfehlungen gibt, wie Restaurantbesitzer nun vorgehen sollten.

Die meisten Gastwirte in Castrop-Rauxel setzen auf ihre Kunden, wollen die auch im November versorgen, haben schon neue Lieferservices, Außer-Haus-Speisekarten und neue Zeiten installiert. Es gibt aber auch Gastwirte wie Karin Wischermann von der Kulisse in der Altstadt oder Marvin Michalek vom Restaurant Mythos in Habinghorst, die erst Klarheit haben wollen.

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„Wir sind in Kontakt mit unserem Steuerberater, wie wir mit der Neuregelung jetzt umgehen. Da hat der Staat bisher keine Klarheit gegeben. Und wir können auf das Geld aus der Ausgleichszahlung nicht verzichten“, so Marvin Michalek. Man habe schon eine neue Speisekarte in Planung, könnet auch sofort mit dem Außer-Haus-Geschäft beginnen. „Aber nicht, bevor wir da Sicherheit haben“, so der Mythos-Chef.

„Die Leute wollen noch mal raus“

Ähnlich sieht es im „Wohnzimmer der Altstadt“, der Kulisse aus. Auch dort sei man sich noch nicht sicher, wie es weiter gehen soll, wie uns ein Angestellter von Kulisse-Gastwirtin Karin Wischermann am Freitag (30.10.) wissen lässt. Kommende Woche erhofft man sich dort Aufklärung.

Am Wochenende aber will man erst noch einmal für die Kunden da sein. Und die haben sich auch in der Kulisse noch einmal in großer Zahl angesagt. „Die Leute wollen noch mal raus, das merkt man“, so der Kulissen-Mitarbeiter. Die Buchungslage fürs Wochenende spreche da eine klare Sprache. Wie es dann danach weiter geht, wird auch am Beispiel der Kulisse am Staat liegen.

Denn auch in der Kulisse kann man, wie überall in der Castrop-Rauxeler Gastronomie, nach dem ersten Lockdown mit der zweiten langfristigen Schließung nur schlecht leben.

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