Arzt lässt Kinder vor Praxis im Auto warten und ruft sie per Handy auf

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Ärzte bereiten sich auf den Herbst und steigende Erkältungszahlen vor. Dann kann es in den Praxen eng werden. Ein Castrop-Rauxeler Kinderarzt hat mindestens zwei kuriose Lösungsvorschläge.

Castrop-Rauxel

, 19.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie wird sich die Situation in den Praxen entwickeln, wenn es wirklich Herbst wird und immer mehr Menschen erkältet sind? Was ist mit den potenziell gefährdeten Patienten im Wartezimmer, wenn andere Patienten mit Erkältungssymptomen dazu kommen? Solche Fragen beschäftigen die Allgemeinmediziner. Frank Westerhaus, Vorsitzender des Landesverbandes Praxisnetze NRW (LPNRW), sagt: „Es wird kompliziert.“

Der Verbands-Chef ist Castrop-Rauxeler Kinderarzt und hat selbst gute Bedingungen. Weil in der Praxis, Am Stadtgarten, auch seine Frau Yvonne Westerhaus als Allgemeinmedizinerin praktiziert, gibt es genügend Wartezimmer. „Ich könnte auch im Keller noch einen Untersuchungsraum und einen zweiten Zugang durch den Garten einrichten“, sagt er.

Praxen mit wenig Ausweichfläche vor Problemen

Doch was sei mit den Kollegen, die beispielsweise ihre Praxis im zweiten Stock eines großen Hauses haben, mit weniger Ausweichfläche und schlechten Laufwege-Optionen? Da fange es ja schon damit an, wie viele Menschen auf einmal in den Fahrstuhl dürfen.

Er selbst hat auf die Corona-Pandemie so reagiert: Die Mitarbeiterinnen nehmen mit Patienten vom Fenster aus den ersten Kontakt auf. Um 11 Uhr beginnt die Erkältungssprechstunde, auf die entsprechende Patienten verwiesen werden.

„Über den Tag kommen bis zu 100 Kinder zu uns, von denen 50 Prozent Erkältungssymptome haben“, so Westerhaus. Der Arzt rechnet damit, dass sie bald schon um 10 Uhr beginnen muss. Und dass er häufiger Eltern bitten wird, mit ihrem Kind im Auto zu warten, bis sie per Handyanruf aufgerufen werden.

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Frank Westerhaus erinnert daran, dass die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe im Frühjahr Corona-Behandlungszentren eingerichtet hatte. Ein solches Durchfahrt-Testzentrum war am Berufskolleg. Eine gute Sache, wie er findet.

Nicht nur, dass diese zu Beginn der Coronakrise in Deutschland Testungen übernahmen und die Hausarztpraxen entlasteten. Genauso wichtig war, dass sich Patienten, die aus Sorge vor einer Ansteckung mit ihren „normalen“ Erkrankungen lieber zu Hause blieben, wieder in die Arztpraxis trauten. „Über kurz oder lang geht es zu Lasten der Vorsorgeuntersuchungen“, glaubt Westerhaus.

Kinderarzt beklagt „Formularkrieg“

Noch etwas kritisiert der Kinderarzt: „Genervt bin ich von der Politik, die uns immer neue Regeln vorschreibt.“ Er spricht von einem „Formularkrieg“. Drei verschiedene Formulare gebe es. Manches müsse man händisch ausfüllen, manche waren anfangs gar nicht verfügbar. Ob Reiserückkehrer, Lehrer oder Patient mit symptomatischen Erkrankungen – da macht die Bürokratie einen Unterschied. „Den Abstrich mache ich in 30 Sekunden, das Formular auszufüllen braucht drei Minuten“, so Westerhaus: „Das könnte alles viel schneller gehen.“

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Schließlich sei eine Arztpraxis auch ein Wirtschaftsunternehmen. „Wir arbeiten in NRW sowieso am Limit. Um den gleichen Umsatz wie Kollegen in Bayern zu machen, brauchen wir 30 Prozent mehr Patienten und 20 Prozent weniger Personal“, sagt der Vorsitzende der Interessenvertretung von Haus- und Fachärzten.

Labore schicken sogar sonntags Ergebnisse von Coronatests

Eltern, die tagelang auf das Ergebnis der Coronatests ihrer Kinder gewartet haben, waren in den vergangenen Wochen keine Einzelfälle. Labore sind bis an die Grenzen ihrer Kapazitäten ausgelastet, manchmal darüberhinaus. Frank Westerhaus hat damit bisher aber keine schlechten Erfahrungen gemacht.

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Wie viel Abstriche in der Gemeinschaftspraxis gemacht werden, sei unterschiedlich. „Manchmal sind es 5, manchmal 30 am Tag“, sagt er. Zwei Tage dauere es in der Regel, bis er das Ergebnis Tests habe. „Die Labore arbeiten rund um die Uhr“, sagt er, „ich bekomme sogar sonntags Ergebnisse aufs Handy geschickt.“

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