Corona-Zahlenspiele: Wie die Wochen-Inzidenz sinken und steigen kann

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Sinkt die 7-Tages-Inzidenz? Oder steigt sie? Müsste die Corona-Ampel eigentlich schon auf Gelb stehen und bald auf Rot umspringen? Am Freitag herrscht Zahlen-Verwirrung. Das hat Auswirkungen.

Castrop-Rauxel

, 09.10.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast: Das geflügelte Wort kommt einem in den Sinn, wenn man am Freitag die Zahlen zur 7-Tages-Inzidenz im Kreis Recklinghausen verfolgt. Sie ist ausschlaggebend für neue Schutzmaßnahmen oder sogar dafür, dass eine Stadt oder ein Kreis zum Risikogebiet erklärt werden kann.

Es gibt zwei Sichtweisen

Noch mal Glück gehabt: Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Recklinghausen ist anders als erwartet leicht gesunken. Sie liegt nach den Zahlen des Landeszentrum für Gesundheit NRW (LZG) bei 30,6. Es gilt der Stand 9. Oktober, 0 Uhr. Diese Zahlen sind ausschlaggebend. Damit ist der Grenzwert von 35 für die Warnstufe Gelb nicht erreicht. Maßnahmen wurden am Freitag noch nicht getroffen. Am Donnerstag hatte das LZG noch einen Wert von 32,4 gemeldet. Leichte Entspannung also könnte man meinen.

Die Lage wird aber ernster: Der Kreis Recklinghausen, der seine Zahlen mit Stand Freitag, 11 Uhr berechnete, hat einen Wochen-Inzidenzwert von 44,1 ermittelt. Am Donnerstag lag der Wert bei 39,8, auch das schon ein Wert über der Grenze von 35. Es gab in den vergangenen sieben Tagen 271 Neuinfektionen. Der Wert am Vortag: 245.

In Castrop-Rauxel steigt Wochen-Inzidenz auf 32,7

Auch in Castrop-Rauxel steigt der Inzidenz-Wert laut der Pressemitteilung des Kreises Recklinghausen. Mit 32,7 ist er nicht weit vom Grenzwert 35 entfernt. Damit steht die Europastadt im Vergleich zu anderen Städten im Kreis im Mittelfeld. Den höchsten Wert hat Gladbeck mit 91,3, den niedrigsten haben Haltern und Oer-Erkenschwick mit 15,9. Gladbeck, Waltrop und Recklinghausen liegen über 50. Das wäre die Warnstufe Rot, wenn für sie nicht nur kreisweit ausgerufen würde und nicht für einzelne Städte im Kreis

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Woher kommt die Diskrepanz? „Die Daten des LZG werden aus einer anderen Datenbank ermittelt“, sagt Kreissprecherin Svenja Küchmeister zum generellen Unterschied zwischen Kreis- und LZG-Zahlen. Während das LZG in seiner Datenbank lediglich die Fälle von meldepflichtigen Infektionskrankheiten erfasst, bearbeitet das Gesundheitsamt auf der Kreis-Datenbank das gesamte komplexe Corona-Feld. Quarantäne, Tests, Kontaktpersonen, das alles wird hier ebenfalls erfasst.

Aktuell kommt eine neue Datengrundlage des Landeszentrums für Gesundheit dazu. Übereinstimmend mit dem Robert-Koch-Institut werden seit dem 8. Oktober die Bevölkerungszahlen mit Stand vom 31. Dezember 2019 für die Berechnungen verwendet, so das LZG.

Technische Panne ist für das Zahlen-Dilemma verantwortlich

Wurden die Werte bisher aufgrund einer Einwohnerzahl im Kreis Recklinghausen von 615.261 berechnet, werden jetzt 614.137 Einwohner für die Statistik herangezogen. Ein Blick auf die Homepage zeigt aber, dass die Diskrepanz nicht sehr groß ist. Beim Beispiel vom 8. Oktober wurde der Wert von 32,3 auf 32,4 aktualisiert.

Entscheidender für das Zahlen-Dilemma ist etwas anderes: eine technische Panne. Bei der Übertragung der Daten vom Kreishaus zum LZG sollen Daten verloren gegangen sein, erklärt Svenja Küchmeister auf Anfrage dieser Redaktion. Ein technischer Fehler also sorgt dafür, dass Warnstufe Gelb am Freitag noch nicht erreicht wird. Der Fehler sei behoben: „Wir gehen davon aus, morgen eine entsprechende Zahl zu finden“, so die Pressesprecherin.

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Maßnahmen sind bereits beschlossen

Zahlenspiele hin und her: Der Kreis Recklinghausen und die Bürgermeister der zehn kreisangehörigen Städte haben am Freitag im Wissen um die trügerischen Zahlen des LZG beschlossen, was geschieht, wenn der offizielle Grenzwert überschritten wird.

Alle Vorbereitungen wurden getroffen, weil damit gerechnet wird, dass es bereits am Wochenende soweit sein wird. Und auch der zweite, wichtigere, Grenzwert 50 scheint bereits in Reichweite.

Zentrale Maßnahme ist die Maskenpflicht bei verschiedenen Anlässen. Für Details verweist Svenja Küchmeister auf die Bezirksregierung Münster als übergeordnete Behörde.

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