Bürgermeister: Wir müssen die Krise langfristig beherrschbar halten

hzInterview

Es gibt nur wenige Neu-Infektionen mit Corona in Castrop-Rauxel. Immer mehr Menschen haben das Virus überstanden. Bürgermeister Rajko Kravanja über mögliche Folgen für das öffentliche Leben.

Castrop-Rauxel

, 09.04.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 13. März sind die Schulen in Nordrhein-Westfalen geschlossen, seit 22. März gilt in unserem Bundesland ein Kontaktverbot für mehr als zwei Menschen in der Öffentlichkeit. Diese Maßnahmen wirken offenbar: In Castrop-Rauxel gab es Stand Mittwochnachmittag 64 positive Corona-Tests; von den Infizierten gelten aber 40 Menschen schon wieder als gesund. Schwerwiegende Krankheitsfälle gibt es derzeit offenbar nicht.

Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja hält es deshalb auch für angemessen, sich darüber Gedanken zu machen, wie man das öffentliche Leben wieder in Schwung bringen kann. „Ich würde aber noch nicht sagen: Es geht wieder los. Das wäre verfrüht“, erklärte Kravanja am Mittwoch im Video-Interview mit den Ruhr Nachrichten.

Kein fester Termin für mögliche Lockerungen

Einen festen Termin könne man für mögliche Lockerungen ohnehin nicht nennen. Es gehe in jeder Phase darum, die Krise langfristig beherrschbar zu halten. Wichtig sei es, dass Krankenhäuser theoretisch jeden versorgen könnten, der schwer am Coronavirus erkranke. „Solange das gewährleistet ist, kann man immer wieder Regeln nachschärfen“, sagte der Bürgermeister. Wichtig sei, dass „wir möglichst schnell, aber vor allem möglichst sicher durch die Krise kommen“.

Wenn die Krankenhäuser genügend Kapazitäten hätten, könne man schauen, ob es vertretbar sei, „ein Stück weit unser Leben wieder hochzufahren, um einen normaleren Ablauf“ zu ermöglichen. „Ganz normal wird er kurzfristig nicht werden“, sagte Kravanja.

Für Castrop-Rauxel werde man sich sicherlich an dem orientieren, was bei den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach Ostern herauskomme.

„98, 99 Prozent der Bevölkerung halten sich an die Regeln“

Ausdrücklich lobte Kravanja das Verhalten von „98, 99 Prozent der Bevölkerung“, die sich an die Regeln hielten: „Wir besinnen uns auf die Werte, die uns im Ruhrgebiet groß gemacht haben: die Werte des Bergbaus, Solidarität, Zusammenhalt, für den Nächsten zu sorgen und ihn zu schützen.“

Menschen im Ruhrgebiet zeigen in Corona-Zeiten Tugenden wie die Bergleute, findet Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja im Gespräch mit Matthias Langrock

Menschen im Ruhrgebiet zeigen in Corona-Zeiten Tugenden wie die Bergleute, findet Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja im Gespräch mit Matthias Langrock © Kevin Kisker

Die Menschen würden lieber darauf verzichten, mal den anderen zu Ostern zu sehen und dafür ein paar Wochen später eine dicke Fete feiern. „Das sind unsere Werte, die uns stark gemacht haben und die uns auch durch die Krise führen werden.“

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