Coronavirus-Infektion im Umfeld der Lindenschule in Frohlinde

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Seit 16. März gibt es an allen Schulen nur Notbetreuung. Auch an der Lindenschule in Frohlinde. Gut so, denn nun ist bekannt, dass es seit 7. März dort einen Corona-Fall in einer Familie gibt.

Frohlinde

, 25.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei vielen Eltern der Lindenschule in Frohlinde herrscht seit vergangenen Donnerstag (19. März) Unruhe. An jenem Tag erhielten sie die Nachricht der kommissarischen Schulleiterin Barbara Widmann, in der stand, dass sich am 7. März „eine Familie unserer Schule mit dem Corona-Virus infiziert hat (laut Test bestätigt)“. Diese Nachricht habe sie „gerade vom Gesundheitsamt“ erhalten.

Die Unruhe der Eltern resultierte aus dem vermeintlich langen Zeitraum zwischen der Infektion und der Bekanntgabe des positiven Test-Ergebnisses. Bei der Recherche stieß auch unsere Redaktion lange an ihre Grenzen.

Doch mittlerweile erscheint klar, wie sich die zwölf Tage zwischen Infektion und Eltern-Information erklären: Offenbar ist sich der betroffene Familien-Vater sicher, sich am 7. März angesteckt zu haben. Von der Infektion hat der Mann aber in den ersten Tagen nach der Ansteckung nichts bemerkt, erste Symptome traten offenbar erst am 14. März auf, einem Samstag. Testen ließ er sich am Montag (16. März) - und zwar offenbar beim Gesundheitsamt Dortmund.

Bereits zwei weitere Tage später, am 18. März (Mittwoch), lag das positive Testergebnis vor. Und dann ging es schnell: Nachmittags informierte das Gesundheitsamt die Leiterin der Lindenschule. Sie meldete sich gleich am nächsten Morgen zurück, besprach das weitere Vorgehen dort und mit der Schulaufsicht und informierte umgehend die Eltern per E-Mail mit dem Auftrag, sich sofort zurückzumelden, ob es weitere Kinder mit Symptomen gibt.

Am Freitag (20.3.) hatte sie alle Antworten aller Eltern zusammen und konnte sie ans Gesundheitsamt weiter geben. Die Inkubationszeit liege meist bei drei bis fünf Tagen und werde nur sicherheitshalber auf 14 Tage ausgedehnt, heißt es im Schreiben an die Eltern. Zur Ansteckung müsse es einen direkten Kontakt (unter zwei Meter Abstand) von mindestens 15 Minuten mit infizierten Kindern gegeben haben. Über eine Infektion von Kindern ist nach Recherchen unserer Redaktion aber bislang nichts bekannt.

Beobachtungszeit läuft noch

Im Elternbrief schilderte Widmann die Symptome so: Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, Geschmacklosigkeit. Der Beobachtungszeitraum begann mit dem Rundschreiben am 19. März und endet an diesem Freitag (27. März). „Bis dahin passen Sie auf Ihre Kinder und sich auf und melden mir bitte umgehend, wenn die oben genannten Symptome bei Ihnen auftreten“, schreibt Widmann.

Zur Sicherheit forderte sie im Namen der Behörden auch von allen anderen Familien eine Rückmeldung, um sicher zu gehen, dass die Information angekommen ist - und „damit eine unvorhersehbare Ausbreitung vermieden werden kann“.

Notbetreuung in zwei kleinen Gruppen

Die Notbetreuung an der Schule für Kinder von Eltern, die in systemkritischen Berufen arbeiten, findet seither weiter statt. Nach Angaben der Bezirksregierung Münster kommen täglich 10 bis 14 Kinder. Sie werden vormittags in zwei kleinen Gruppen von je einer Lehrerin betreut. Am Nachmittag geschieht gleiches durch zwei Betreuer in der Offenen Ganztagsschule.

Widmann schreibt an die Eltern: „Bitte bleiben Sie gesund. Ich hoffe, dass wir diese Zeit gemeinsam überstehen werden.“

Kommentar

Behördenversagen? Vorsicht!

  • Es ist grundsätzlich Aufgabe einer Redaktion, über alles zu berichten, was die Öffentlichkeit interessiert. Solche Themen schnappen wir manchmal selbst auf, manchmal machen uns Betroffene darauf aufmerksam. Und dann recherchieren wir - ergebnisoffen. So eine Recherche kann dauern, weil die Angesprochenen nicht reden wollen oder weil die Sachlage kompliziert ist. So auch hier: Die Recherche dauerte mehrere Tage, weil verschiedene Behörden (zwei Gesundheitsämter, eine Stadt- und eine Kreisverwaltung, eine Schulaufsicht, eine Bezirksregierung), die zum Teil zusammenhängen, zum Teil aber nichts miteinander zu tun haben, beteiligt sind.
  • Es ist hier offenbar nur einem fiesen Merkmal dieses SARS-CoV-2 zuzurechnen, dass nicht unmittelbar gehandelt wurde: Es ist zwar schon da, aber keiner weiß davon (Inkubationszeit). Es gab einen Verdachtsfall. Er wurde getestet. Als das Testergebnis vorlag, reagierte die Schule sofort. Sie geht nun einem geregelten Notfallbetreuungs-Betrieb nach. Das kann sie auch, denn die Ansteckungsgefahr in den Kleingruppen, die davon ausgeht, ist die gleiche, die gerade für uns alle gleichermaßen gilt.
  • Behörden machen in diesen Wochen manchmal Fehler. Sie müssen in kurzer Zeit Fragen beantworten, Entscheidungen finden, um- und durchsetzen. Dinge, die für uns alle, auch für die Behörden-Mitarbeiter, neu sind und sich fast täglich ändern.
  • Wir werden die Vorgänge in Castrop-Rauxel weiter beobachten. Für Anklage war bisher noch kein Anlass.
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