Castrop-Rauxels Pfarrer akzeptieren Nein zu öffentlichen Gottesdiensten

hzKlage gegen Gottesdienstverbote

Eine Berliner Gemeinde hat gegen das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten zu Ostern geklagt. Die christlichen Gemeinden in Castrop-Rauxel zeigen für diese Klage wenig Verständnis.

Castrop-Rauxel

, 09.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Osternacht, also die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, ist der Höhepunkt des wichtigsten Festes im Christentum. Normalerweise feiern viele Gläubige sie mit einem Gottesdienst. Wegen des Coronavirus ist das in diesem Jahr nicht möglich.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen sind wie in Castrop-Rauxel deutschlandweit öffentliche Gottesdienste untersagt.

Nicht jeder möchte das hinnehmen. Eine Berliner Gemeinde hat gegen das Verbot geklagt. Das Berliner Versammlungsverbot „stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Freiheit der Religionsausübung dar und ist insoweit unwirksam“, zitiert der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung aus der Klageschrift des „Instituts St. Philipp Neri“. Die christlichen Gemeinden in Castrop-Rauxel stehen dem Vorpreschen der Berliner Gemeinde skeptisch gegenüber.

„Die Klage widerspricht dem Wesen unseres Glaubens“

„Die christlichen Gemeinden sollten diese Einschränkungen mittragen und keine Sonderrechte für ihre Gottesdienste einklagen“, findet Pfarrer Arno Wittekind, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde in Castrop-Rauxel.

Die Maßnahmen würden für das Leben aller Bürger einen tiefen Eingriff in ihr privates und berufliches Leben darstellen. „Als Christ und Theologe würde ich eher sagen, die Klage der Berliner Gemeinde widerspricht dem Wesen unseres Glaubens an Jesus Christus“, sagt der Pfarrer.

Pfarrer Arno Wittekind, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde (Archivfoto)

Pfarrer Arno Wittekind, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde (Archivfoto) © Matthias Stachelhaus

Mit ihrer Klage möchte die Berliner Gemeinde erreichen, dass sie Gottesdienste mit 50 Teilnehmern abhalten darf. Sie würde sich dazu verpflichten, dass jederzeit ein Abstand von 1,50 Metern zwischen den Teilnehmern ist, und eine Liste mit Adressen und Telefonnummern führen.

„Natürlich tut es uns weh, nicht mehr gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Deshalb senden wir Gottesdienste online aus unserer Kirche“, sagt Wittekind. Man sei aber in keiner Weise daran gehindert, seinen Glauben zu leben. „Wir leben unsere Beziehung zu Gott zu Hause“, sagt der Pfarrer. Der Auftrag der Gemeinde bestehe seines Erachtens zurzeit darin, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und an der Seite der Menschen zu stehen, um die Krise möglichst gut gemeinsam meistern zu können.

„Später werden wir diskutieren müssen“

„Ich halte nicht viel von so einem Alleingang“, sagt Winfried Grohsmann, Leiter des katholischen Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd und liegt damit auf der Linie der katholischen Kirche in Deutschland.

Winfried Grohsmann, Leiter des katholischen Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd (Archivfoto)

Winfried Grohsmann, Leiter des katholischen Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd (Archivfoto) © Volker Engel

Gemeinden hätten dem Folge zu leisten, was der Erzbischof und der Papst vorschreiben, sagt Grohsmann. „In der jetzigen Situation sollten wir uns alle an die Maßgaben halten. Später werden wir aber diskutieren müssen, inwiefern sie verfassungskonform waren“, findet Grohsman.

Öffentliche Gottesdienste wird es in Grohsmanns Pastoralverbund nicht geben. Dabei dürfe die Liturgie an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag eigentlich nicht ohne Gemeinde gehalten werden, erklärt der Pfarrer. Der Papst habe aber entschieden, dass das in dieser Ausnahmesituation erlaubt sei.

„Das heißt nicht, dass wir dem lieben Gott nicht vertrauen“

Auch in der Gemeinde Corpus Christi würden die Pfarrer die Liturgie feiern, sagt Monsingnore Reinhard Hörmann – aber eben ohne die Gemeinde. Wer wolle, könne Teil der geistigen Kommunion sein. Gläubige müssten dafür nicht körperlich anwesend sein. „Wenn die Berliner Gemeinde meint, das verantworten zu können, müssen sie das tun. Wir wissen, warum wir es nicht tun“, sagt Hörmann. In Notlagen gehe es nun mal nicht, dass die Gemeinde physisch zusammenkomme.

Monsignore Reinhard Hörmann

Monsignore Reinhard Hörmann (Archivfoto) © Archiv

„Das heißt nicht, dass wir dem lieben Gott nicht vertrauen, aber unsere Kirche strebt nicht nur gen Himmel, sondern ist im Weltlichen verankert. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt. Deshalb müssen wir an einem Strang ziehen und solidarisch sein“, findet Hörmann.

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