Coronavirus: Rauxeler Chemiewerk Rütgers stellt jetzt auch Desinfektionsmittel her

hzIm Labor

Das Rütgers-Werk ist eigentlich nicht dafür bekannt, dass es Desinfektionsmittel herstellt. In der Corona-Krise haben jetzt aber vier Auszubildende im Labor die Produktion aufgenommen.

Castrop-Rauxel

, 23.03.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo bekomme ich Desinfektionsmittel? Das ist Punkt 14 einer langen Liste an Informationen, die die Geschäftsführung Mitte März unter den Mitarbeitern des Rauxeler Chemiewerks Rütgers verteilte. Antwort: „Das Ausbildungslabor hat Desinfektionsmittel hergestellt (da am Markt nicht mehr verfügbar).“

Der Vorschlag sei aus dem Labor selbst gekommen: Vier Auszubildende, heißt es aus der Geschäftsführung, würden nun die Flüssigkeit herstellen. Aber nicht, um sie zu verkaufen: Sie wird im Werk selbst genutzt. Rütgers-Mitarbeiter können sich im Labor Desinfektionsmittel abfüllen lassen.

Geschäftsführer Dr. Günther Weymans erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, er habe das Mittel bei Bedarf auch Bürgermeister Rajko Kravanja fürs Rathaus und andere städtische Einrichtungen angeboten.

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Das Mittel werde laut Weymans aus Iso-Propanol, das die Haut pflegt, Glycerin und drei Prozent Wasserstoffperoxyd gemischt. Letzterer Stoff töte den Virus ab, so Weymans. Das sei eine Rezeptur, die von der Welt-Gesundheitsorganisation WHO empfohlen werde. „Das machen wir seit zwei Wochen. Die Inhaltsstoffe haben wir ohnehin hier“, sagt Weymans.

Vorstoff wird in Rauxel gewonnen

Das Material kaufe Rütgers standardmäßig ein. Einen Vorstoff stellt das Unternehmen sogar selbst her: 3,5-Dimethylpyrazol (3,5-DMP). „Seit mehr als 20 Jahren gewinnen wir es aus Isoforon, das wir von der Firma Evonik beziehen“, erklärt Weymans. Interessantes Detail: Es wird gewonnen in einer kleinen Teilanlage aus dem Aromatic-Chemicals-Bereich - einer Gesamt-Anlage, die im vergangenen Jahr unter großem unternehmensinternen Wirbel zum großen Teil geschlossen wurde.

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„Dieses wichtige Produkt bleibt aber“, sagt Weymans - denn es sei der einzige profitable Bestandteil daraus. Mehr noch: Geschäftsführer-Kollege Bram D’hondt habe es mit raffinierten Veränderungen geschafft, die Produktion von 1500 Tonnen im Jahr auf 2500 Tonnen zu vergrößern - allein durch intelligenteren Technik-Einsatz und Optimierung der Abläufe. „Wir wollen bis Ende des Jahres auf 3000 Tonnen gehen, brauchen dafür aber noch die Genehmigung der Behörde“, so Weymans.

Unter anderem wird aus 3,5-DMP Dettol hergestellt. Ein Mittel, das in Deutschland nicht frei erhältlich ist und auch nicht hergestellt wird. „In Belgien kann man es frei kaufen“, sagt Bram D‘hondt. „Es tötet alle Keime und Viren ab, die in der Nähe sind.“

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