Coronavirus: Vorsorge-Untersuchungen für viele Kinder ausgesetzt

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Für viele Kinder verschieben sich wegen Corona „U“-Untersuchungen, bei denen Kinderärzte auf altersgerechte Entwicklung achten. Andere Pflicht-Untersuchungen für Kinder werden ganz gestoppt.

Castrop-Rauxel

, 08.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Vorsorge-Untersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder gibt es eigentlich feste Zeitfenster. Wegen des Coronavirus können diese nun aber teilweise verschoben werden.

Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) geeinigt. Allerdings gilt diese Regelung erst ab der U6 zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat.

Die Übernahme der Kosten für die Vorsorge-Untersuchung durch die Krankenkassen ist eigentlich an die Einhaltung fester Zeiträume gebunden. Diese Zeiträume und die Toleranzzeiten für die U6, U7, U7a, U8 und U9 dürfen nun aber bis Ende September überschritten werden.

U2- bis U5-Untersuchungen dürfen nicht verschoben werden

Dadurch sollen zum einen die Praxen entlastet und zum anderen eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus in den Wartezimmern der Kinderärzte verhindert werden.

Die Untersuchungen von der U2 bis zur U5 sind von dieser Regelung aber ausgenommen. „Diese Untersuchungen können wir nicht verschieben. Säuglinge müssen wir nach wie vor zeitnah untersuchen“, sagt der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Frank Westerhaus.

Vorsorge-Untersuchungen bei Säuglingen und Kleinkindern

Vorsorgeuntersuchungen bei Säuglingen und Kleinkindern sollen sicherstellen, dass Defekte und Erkrankungen frühzeitig erkannt werden, die eine normale körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes gefährden können. So besteht die Möglichkeit, frühzeitig eine Therapie einzuleiten. Außerdem sollen sie dazu beitragen, Verwahrlosung, Misshandlungen und Missbrauch zu erkennen. Für die U1- bis U5-Untersuchung gelten folgende festgeschriebene Untersuchungs-Zeiträume:
  • U1: Untersuchung direkt nach der Geburt
  • U2: dritter bis zehnter Lebenstag
  • U3: vierte bis fünfte Lebenswoche
  • U4: dritter bis vierter Lebensmonat
  • U5: sechster bis siebter Lebensmonat

Bei den Untersuchungen gehe es auch darum, Erkrankungen wie einen angeborenen Herzfehler frühzeitig zu erkennen, erklärt der Vorsitzende des Landesverbands Praxisnetze NRW. In die Entscheidung sei auch das Robert-Koch-Institut (RKI) eingebunden gewesen. „Wegen des Coronavirus führe ich die Untersuchungen aber in einer separaten Sprechstunde am Morgen durch“, sagt Westerhaus. „So können wir die Patienten besser trennen.“

Der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Frank Westerhaus findet es wichtig, dass die U2- bis U5-Untersuchungen nicht verschoben werden.

Der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Frank Westerhaus findet es wichtig, dass die U2- bis U5-Untersuchungen nicht verschoben werden. © a.v.t. GmbH

Schuleingangs-Untersuchungen sind aktuell gestoppt

Während die Vorsorgeuntersuchungen zumindest teilweise noch stattfinden, sind die Schuleingangs-Untersuchungen in Castrop-Rauxel hingegen vorübergehend komplett gestoppt. „Als deutlich wurde, wie sich die Situation mit dem Coronavirus darstellt, wurden die Untersuchungen im gesamten Kreis abgesagt“, sagt Jochem Manz, Pressesprecher des Kreises Recklinghausen.

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Allerdings habe man davor schon viel geschafft, teilt der Pressesprecher auf Anfrage mit. Die Hälfte der Kinder sei bereits durch. „Aktuell ist ja auch noch genug Zeit da, um die jetzt ausgefallenen Untersuchungen wieder aufzuholen“, sagt Manz. Wen es mit der Zeit knapp werden sollte, werde dafür aber bestimmt auch eine Lösung gefunden, glaubt der Pressesprecher.

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