Zahlen beweisen: Castrop-Rauxeler schlafen in Corona-Krise länger

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Die Schulen geschlossen. Die Läden weitgehend zu. Und Arbeiten im Homeoffice. Die Corona-Krise ändert den Tagesrhythmus – auch in Castrop-Rauxel. Das zeigt ein interessanter Datenabgleich.

Castrop-Rauxel

, 06.04.2020, 04:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schulen sind geschlossen, die meisten Läden ebenso, Arbeitnehmer arbeiten im Homeoffice. Die Corona-Krise verändert unseren Alltag. Längst warnen Experten davor, dass die Menschen ihre Tages-Struktur verlieren. Sie raten zu Achtsamkeit, um einem Lagerkoller vorzubeugen.

Natürlich bringt der gesellschaftliche Konsens auch Vorteile. „Wir bleiben zu Hause“, das heißt auch Zeitersparnis – etwa wenn der Weg zum Arbeitsplatz nur ein paar Meter beträgt. Aber gibt es Messinstrumente, die Aufschluss über Änderungen in unserem Tagesablauf zeigen?

„Wer heute etwas länger pennt, gehört schon zum Establishment“

„24 Stunden geöffnet“ – so warb Berlin vor Jahrzehnten. Eine Stadt, die nie schläft? Wie im von Frank Sinatra besungenen New York? Falsch. Auch die pulsierende deutsche Hauptstadt hat eine Tages-Struktur. Und die verschiebt sich gerade. „Wer heute etwas länger pennt, gehört schon zum Establishment“, twitterten die Berliner Wasserbetriebe am 31. März. „Berlin schläft in der Krise eine Stunde länger.“

Den Beweis für die kühne These liefert ein Vergleich des Wasserbrauchs im Tagesverlauf – vor und während der Corona-Krise. Ergebnis: „Hunderttausende Homies verschieben morgendliche Wasserspitze um anderthalb Stunden“.

Und wie ist das in Castrop-Rauxel? Der Großteil des Wassers in der Europastadt kommt aus Haltern. Knapp 270.000 Kubikmeter leitet Gelsenwasser von dort täglich ins Rohrnetz. Der Süden bekommt sein Wasser aus Witten.

Gelsenwasser-Techniker zeigen Spürsinn

Ob Wasser zu einer anderen Tageszeit verbraucht wird als vor Corona, hatte Gelsenwasser nicht untersucht. Bis zu unserer Anfrage. Auch wenn es spitze Zahlen für Castrop-Rauxel nicht gibt, sondern nur für die einzelnen Werke, kann Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker nach Rücksprache mit ihren Technikern melden: „Es ist erkennbar!“ Der Peak der Vormittagsabgabe hat sich von der Zeit zwischen 9 und 10.30 Uhr Richtung 11 bis 12.30 Uhr verschoben.“

Die Grafik von Gelsenwasser zeigt für die einzelnen Wasserwerke die Wasserabgabe aus dem Netz. Castrop-Rauxel erhält das meiste Wasser aus Haltern (grüne Kurven) und im Süden der Stadt aus Witten (violette Kurven). Die Vergleichstage sind der 1. März 2019 (punktierte Linie) und der 27. März 2020 (Strich), jeweils ein Freitag. Deutlich sichtbar ist der am Morgen deutlich später ansteigende Wasserverbrauch.

Die Grafik von Gelsenwasser zeigt für die einzelnen Wasserwerke die Wasserabgabe aus dem Netz. Castrop-Rauxel erhält das meiste Wasser aus Haltern (grüne Kurven) und im Süden der Stadt aus Witten (violette Kurven). Die Vergleichstage sind der 1. März 2019 (punktierte Linie) und der 27. März 2020 (Strich), jeweils ein Freitag. Deutlich sichtbar ist der am Morgen deutlich später ansteigende Wasserverbrauch. © Ralf Lukaschewsky (Gelsenwasser)

Dass die „Homies“ auch im Ruhrgebiet später in den Tag starten, zeigt vor allem ein Blick auf die Zeit von 6 bis 9 Uhr: „Der Anstieg verläuft auch derzeit nicht so steil wie zum Vergleichszeitpunkt 2019.“

Die Vergleichskurven für vier Wasserwerke zeigen ein nahezu einheitliches Bild. Als Vergleichstage haben die Gelsenwasser-Techniker den 1. März 2019 und den 27. März 2020 gewählt. Die Freitage liegen ein Jahr vor und mitten in der Corona-Krise. Ein aussagekräftiger Vergleich, der zeigt, wie sich das tägliche Leben verändert hat.

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