Das ist aus den Emscher-Visionen geworden

Städtebauprojekt "Emscherland 2020"

"Emscherland 2020" lautet die Vision, die präsentieren soll, was in fast 30 Jahren Emscherumbau verwirklicht worden ist oder noch verwirklicht werden muss. Eine Landesgartenschau wollen Emschergenossenschaft, Castrop-Rauxel und einige andere Städte noch realisieren. Manche Ideen beschäftigen die Städte schon seit vielen Jahren. Aber nicht alle Visionen werden zu verwirklichen sein. Ein Blick in die Chronik.

CASTROP-RAUXEL

, 06.10.2015, 17:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

2004

Schon im August 2004 wurden städtebauliche Planvisionen im Zuge des Emscherumbaus in Castrop-Rauxel präsentiert. Mit dem Projekt „Sprung über die Emscher“ wollten Politik und verschiedene Planungsträger damals den Startschuss für einen nachhaltigen Stadtumbau gegeben.

In wenigen Jahren, so hieß es, werde die Emscher sich zu einem sauberen, naturnah gestalteten Flusssystem wandeln und völlig neue landschaftliche, städtebauliche und ästhetische Qualitäten aufweisen. Dieser Vision ist man jetzt schon relativ nah.

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Woraus freilich nichts wurde, war eine weitere Vision des Jahres 2004. Links und rechts der beiden Ufer sollten nämlich neue Wohngebiete mit Bezug zum Wasser entstehen. „Wohnen an der Emscher“ – unter diesem Stichwort wollten die Stadt Castrop-Rauxel und die Emschergenossenschaft gemeinsam Überlegungen für attraktives Wohnen entwickeln.

Der Aufstellungsbeschluss für das Bauleitplanverfahren war 2004 schon gefasst, 2005 sollte auf einer insgesamt 4,1 Hektar großen Fläche Planungs- und Baurecht geschaffen werden. Nordwestlich, nach einem Sprung über die Emscher, sollte sich das künftige Wohngebiet „Wohnen am Kanal“ anschließen.

Nach dem Ausbau und der Erweiterung des Rhein-Herne-Kanals sollte die insgesamt 2,3 Hektar große Fläche für attraktives Wohnen mit Blick auf den Kanal und die renaturierte Emscher entwickelt werden.

Mit der Errichtung eines Kanalschwimmbads, so eine weitere Vision, sollte die sehr gute Wasserqualität des Rhein-Herne-Kanals genutzt werden. Über ein attraktives Fuß- und Radwegesystem und mit verschiedenen Brücken sollte der Freizeitbereich miteinander verbunden werden. So war geplant, eine Brücke über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal zu bauen, die einen großen Bogen über das Wasserkreuz schlagen und in luftiger Höhe die verschiedenen Ebenen und Projekte sichtbar werden lassen sollte.

Stadtmarke – hinter diesem Titel verbarg sich ein künftiger städtebaulich und architektonisch hochwertig gestalteter Platz an der Schnittstelle zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. „Aufenthaltsqualität, Gastronomie und Architektur werden hier auf Technik treffen“, stellte sich Projektleiter Martin Oldengott vor. Tief im Boden werde die „alte Emscher“ in 16 Meter Tiefe liegen und sichtbar und erlebbar gemacht werden. Dies wird in der aktuellen Konzeption wie oben beschrieben mit einem gläsernen Schacht wieder aufgegriffen.

 

2009

Mitte 2009 war das Wohnprojekt dann vermeintlich fast spruchreif: „Jetzt wird es konkret“, verkündete am 10. Juni 2009 Stadtentwickler Martin Oldengott. Im Zuge der damals aktuellen regionalen Initiative „Fluss Stadt Land“ informierte er gemeinsam mit Bürgermeister Johannes Beisenherz (SPD) über den aktuellen Planungsstand. Der sah 2009 rund 100 Wohneinheiten auf der 41.000 Quadratmeter großen Fläche nördlich der Heerstraße vor.

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Das absolute Highlight des Projekts sollte am Ende der ersten Dekade des Jahrhunderts eine sechs Meter breite Emscher-Promenade werden, zu der man von der Wartburgstraße aus gelangen solltet. Professorin Christa Reicher von der Technischen Universität Dortmund bestätigte damals als Vorsitzende des Projektbeirats, es sei beispielhaft, wie für dieses Vorhaben in Castrop-Rauxel an einem Strang gezogen werde.

 

2012

Im Jahr 2012 war man nicht viel weiter. Im November 2012 bestätigte Oldengott aber, dass es jetzt konkret werde mit der Stadtentwicklung an der Emscher. Nachdem die Bagger in Ickern angerollt waren und der Bau des unterirdischen Emscher-Abwasserkanals in der Vorbereitung steckte, drückte Stadtentwickler Oldengott aufs Tempo. Überirdisch sollten für die Freizeit und das Wohnen am Fluss im einstigen Kohlenpott ganz neue Maßstäbe gesetzt werden. „Die Reise geht so langsam los“, sagte Oldengott am 14. November im Haupt- und Finanzausschuss.

„Die Lagegunst an der Emscher wird bald eine ganz andere sein“, stellte Oldengott fest. Vom Haupt- und Finanzausschuss ließ er sich daher beauftragen, ein Stadtentwicklungskonzept zu erarbeiten und „Förderkulissen“ aufzuzeigen. Ob für eine Radwegebrücke im Wasserkreuz Henrichenburg, für ein Kanalbad oder für die ehrgeizigen, mit Wasserelementen durchzogene Siedlungsprojekte wie das „Wohnen an der Emscher“ nördlich der Heerstraße wollte Oldengott nun nach Fördertöpfen suchen.

 

2014

Anfang 2014 dann war der Traum vom „Wohnen an der Emscher“ geplatzt. Das Land NRW erließ für Höchstspannungsleitungen einen Schutzabstand von 400 Metern zu Wohngebäuden, der Todesstoß für das geplante Neubaugebiet an der Heerstraße nicht mehr möglich. Denn an der Heerstraße – und nicht nur dort – führen die Hochstromtrasse mitten durch das Siedlungsgebiet. Seitdem hat man öffentlich von der Wohnvision entlang der Emscher nichts mehr gehört.

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