Debatte ums Nordlager: Politik sorgt sich um die Grünfläche - und findet einen Kompromiss

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Was wird aus dem Nordlager in Habinghorst? Will die Stadt die Grünfläche bebauen? Im Umweltausschuss gab es eine kontroverse Diskussion. Jetzt gilt ein Kompromiss-Vorschlag.

Castrop-Rauxel

, 21.11.2019, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was wird aus dem Nordlager in Habinghorst? Es geht um die Option der Stadt, die Grünfläche „gegebenenfalls“ für Wohnbebauung in Anspruch nehmen zu können.

Daran schieden sich in der Umweltausschusssitzung am Dienstagabend (19. November 2019) die Geister. Die Fraktionen von Grünen, FWI und der Linken wittern hier Ungemach: Sie befürchten, dass eine der wenigen Grünflächen Habinghorsts aufgegeben werden könnte.

Die Verwaltung möchte an der Recklinghauser Straße mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. An erster Stelle steht die geplante Modernisierung des Rewe-Geschäfts samt des Parkplatzes. An zweiter die Wiederbelebung des alten Plans, den Sportplatz zu verlagern und dort Wohnbebauung zu ermöglichen, an dritter um die Verbesserung der Verkehrssituation an der Recklinghauser Straße und die Einbeziehung der Wohnbebauung südlich der Recklinghauser Straße.

Dafür braucht es eine Änderung des Flächennutzungsplans und das Ja zum Aufstellen eines Bebauungsplans, der das Nordlager miteinbezieht. Aber das sind allesamt Feinheiten aus der Bauleitplanung.

Krämerkämper: Wir sind hier gebrannte Kinder

Viel war in der kontroversen Diskussion am Dienstag von Vertrauen die Rede. Offenbar ist das die Folge der Gemengelage um die Alte Eiche und des Bebauungsplanverfahrens um das Neubauprojekt Wohnen an der Emscher an der Heerstraße.

„Den Planungsanlass kann ich nachvollziehen“, sagte Thomas Krämerkämper jetzt im Ausschuss für den BUND. „Allerdings sind wir hier gebrannte Kinder, wenn es um Einwendungen von Bürgern geht.“

Debatte ums Nordlager: Politik sorgt sich um die Grünfläche - und findet einen Kompromiss

Bettina Lenort, neue Technische Beigeordnete der Stadt Castrop-Rauxel, bei einer Bürgerversammlung auf dem Gelände an der Schieferstraße in Dingen, auf dem Wohnbauland aufbereitet werden soll. © Tobias Weckenbrock

„Wenn wir nicht in der Lage sind, uns gegenseitig Vertrauen zu schenken, dann kriegen wir in dieser Stadt nicht mehr so viel hin.“
Bettina Lenort, Technische Beigeordnete

Die neue Technische Beigeordnete Bettina Lenort, seit sieben Wochen im Amt, betonte am Dienstag: „Wir wollen in Habinghorst wie bei dem Bürgerdialog zu den Neubauplänen in Dingen verfahren. Wenn wir nicht in der Lage sind, uns gegenseitig Vertrauen zu schenken, dann kriegen wir in dieser Stadt nicht mehr so viel hin.“ Sie verwies darauf, dass man hier über städtische Grundstücke rede und nicht darüber, dass ein Investor an der Recklinghauser Straße ein Projekt verwirklichen wolle.

Skepsis herrschte auch bei Heinrich Strauß (SPD). „Ich kann mir keine politische Mehrheit vorstellen, die für eine Bebauung des Nordlagers wäre“, betonte er. Uwe Manthey (SPD) versicherte, den VfB Habinghorst nicht verunsichern zu wollen. „Der wird auf dem Sportplatz so lange eine Heimat finden, bis Ersatz da ist“, sagte er. Bekanntlich gibt es Pläne, einen neuen Sportplatz auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände an der B 235 schaffen zu wollen.

Nordlager mit besonderem Augenmerk betrachten

„Warum nehmen wir das Nordlager nicht einfach aus dem neuen Bebauungsplan raus und lassen den Flächennutzungsplan, wie er ist?“, fragte Udo Weber (Grüne) unter dem Beifall der Protagonisten der Alten Eiche von der Zuschauertribüne. Denn im FNP ist das Nordlager als Grünfläche verankert.

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Am Ende gab es eine deutliche Mehrheit für den Kompromissvorschlag von TBG Bettina Lenort: Demnach soll das Nordlager beim weiteren Planungsprozedere gesondert oder besser mit besonderem Augenmerk betrachtet werden. Eine weitergehende Formulierung von Lenort, das Nordlager möglichst aus der Bebauung heraushalten zu wollen, fand keine Mehrheit.

Damit gibt es grundsätzlich grünes Licht vom Umweltausschuss für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 257. Donnerstag, 21. November, wird sich der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigen. Anfang des Jahres will die Stadt zu einem Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern einladen. Zu einem Dialog wie in Dingen.

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